Landesversammlung des HGV im Bozner Waltherhaus

HGV fordert Mut zum Wandel

Montag, 20. April 2015 | 16:39 Uhr

Bozen – Zeit zum Querdenken – unter diesem Motto hielt der Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV) im Bozner Waltherhaus seine Landesversammlung ab. HGV-Präsident Manfred Pinzger betonte dabei, dass auf das Hotel- und Gastgewerbe große Herausforderungen zukommen werden, welche Mut zum Wandel erfordern.

Pinzger forderte die Gastwirte, aber auch die politischen Verantwortungsträger auf, gemeinsam die Leitplanken so zu legen, dass der Tourismus weiterhin als Wirtschaftsmotor in Südtirol agieren könne.

Konkret nannte Pinzger die Förderpolitik und die Steuerpolitik. „Einerseits muss die Wirtschaftsförderung gezielter erfolgen, andererseits müssen die Gastbetriebe steuerlich weiter entlastet werden“, sagte Pinzger und erwähnte als Beispiel die Gemeindeimmobiliensteuer, wo ein erster richtiger Schritt gesetzt worden sei. Bei den Tourismusorganisationen müssten die Aufgaben besser definiert und abgestimmt werden und insgesamt schlankere und professionellere Strukturen geschaffen werden. Auch auf die Zusammenlegung der landeseigenen Gesellschaften ging Pinzger in seinem Referat ein. Die bisher erfolgreiche Arbeit der SMG müsse durch entsprechende Rahmenbedingungen abgesichert werden, die Finanzierung für das Tourismusmarketing müsse gesichert und ausgebaut werden. „Ein bürokratischer Apparat darf es nicht werden“, forderte Pinzger.

Klar äußerte sich der Präsident des HGV auch zur Finanzierung der Tourismusorganisationen. Der HGV stehe neben der Ortstaxe weiterhin zu den freiwilligen Beiträgen, betonte er, und fügte hinzu: „Aufgrund der volkswirtschaftlichen Treiberqualitäten des Tourismus müssen die öffentliche Hand und die anderen Sektoren der Wirtschaft zur Finanzierung des Tourismusmarketings eingebunden werden“.

Auch in den Bereichen Marketing, Online-Verkauf und Preisstrategie nahm Pinzger die Touristiker in die Pflicht. Zum einen müssten die Betriebe die Entscheidung über den Preis wieder vermehrt selbst in die Hand nehmen und damit die Abhängigkeit von den global tätigen Buchungsportalen reduzieren. Zum anderen sollten sich die Gastwirte nicht jeden Preis diktieren lassen, nur damit die Betriebe ausgelastet sind. „Südtirol ist kein Schnäppchen-Land und darf auch keines werden“, brachte es Pinzger auf den Punkt. Schließlich müsse das touristische Angebot attraktiver gestaltet werden, insbesondere was das Produkt anbelangt. „Der HGV wird seine Mitglieder dabei in vielfältiger Hinsicht begleiten und beraten“, sagte Pinzger und erwähnte das HGV-eigene Buchungsportal, in welchem die Betten von rund 1.600 Beherbergungsbetrieben vermarktet werden.

Eine Lanze brach Pinzger schließlich auch für die bevorstehenden Gemeinderatswahlen. In den Gemeinden werden viele Entscheidungen getroffen, welche unmittelbare Auswirkungen auf die Entwicklungsfähigkeit der Betriebe habe. Deshalb rief der HGV-Präsident auf, den kandidierenden Gastwirten und den Kandidaten anderer Wirtschaftszweige ihre Stimme zu geben.

Landeshauptmann Arno Kompatscher erläuterte in seinen Grußworten die Auswirkungen der neuen Finanzregelung. Dadurch habe Südtirol die Planbarkeit erhöht, was speziell auch den Unternehmen zu Gute komme. In der lokalen Steuerautonomie gehe es darum, die Bevölkerung und die Betriebe steuerlich zu entlasten. Mit der Gemeindeimmobiliensteuer und der IRAP sei das im Ausmaß von rund 110 Millionen Euro gelungen. Auch im Bereich Energie sei die Basis für ein erfolgreiches, heimisches Energieunternehmen geschaffen worden, welches zum einen Versorgungssicherheit gewähren und zum anderen eine südtirolspezifische Tarifpolitik ansteuern wird. Klar bekannte sich Landeshauptmann Arno Kompatscher zur Notwendigkeit des Bozner Flughafens und kündigte an, innerhalb Mai ein entsprechendes Konzept vorzustellen. Klar äußerte er sich auch gegen weitere Steuern zur Finanzierung der Tourismusorganisationen, so etwa der Tourismusabgabe. Allerdings müssten Unternehmen und die öffentliche Hand in Zukunft ihren gesicherten Beitrag leisten. Zur neuen Landesgesellschaft meinte er, dass die SMG darin eine besondere Rolle einnehmen werde.

Anschließend nahmen die Landesräte Martha Stocker, Richard Theiner, Philipp Achammer und Florian Mussner am Podium Platz. HGV-Direktor Thomas Gruber diskutierte mit ihnen Fragen und Anliegen der HGV-Mitglieder zu den Themen Raumordnung, Mobilität, Ausbildung und Arbeit.

Mit Spannung wurde schließlich die deutsche Bestseller-Autorin Anja Förster erwartet, welche aufzeigte, wie es gelingt, das Querdenken im Betrieb zu fördern und warum bewusstes Querdenken die Betriebe fit für die Zukunft macht.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen