Körner konnten wegen der Hitze im März nicht ausreifen

Hitze in Indien droht Weizen weiter zu verknappen

Dienstag, 26. April 2022 | 10:40 Uhr

Der zweitgrößte Weizenproduzent der Welt, Indien, und dessen Nachbarland Pakistan sind mit einer frühen und schweren Hitzewelle konfrontiert. In Pakistan werden bis Ende der Woche bis zu 49 Grad Celsius erwartet, in Indien 46 bis 47 Grad. Schon der März war der heißeste seit 122 Jahren und trockener als normal, wie Indiens Wetterbehörde IMD berichtete. Die Weizenproduktion könnte deshalb indischen Medienberichten zufolge heuer um 10 bis 15 Prozent niedriger ausfallen.

Vor allem die frühe und lange Hitzeperiode im März habe den Weizenertrag geschmälert, hieß es. “Wir hatten anhaltende Hitzewellen, gerade als die Ernte reifte. Die Körner konnten aufgrund des extrem heißen und trockenen Wetters nicht voll ausreifen”, berichtete ein Bauer in Uttar Pradesh. Der Bundesstaat östlich der Hauptstadt Neu-Dehli ist eine der Kornkammern des Landes. Auch in den anderen wichtigen Anbaugebieten in Punjab und Haryana setzte der Hitzestress den Pflanzen zu.

Indien produziert jährlich rund 110 Mio. Tonnen Weizen, mehr als Russland und die Ukraine zusammen. Das 1,4-Milliarden-Einwohner-Land ist aber kein bedeutender Exporteur. Der Weizenanbau dient großteils der Eigenversorgung. Sollte Indien jedoch seinen Verbrauch nicht mehr zur Gänze decken können, wäre eine weitere Verknappung die Folge, sagte Wifo-Agrarökonom Franz Sinabell zur APA. Eine schlechte Weizenernte in Indien würde also die aufgrund des Ukraine-Kriegs ohnehin schon angespannten Weltmärkte indirekt treffen.

Auf dem Weltmarkt stiegen die Weizenpreise seit dem Vorjahr stark an. Im vergangenen Jahr lag der Preis bei 180 bis 200 Euro pro Tonne. Derzeit sind es über 400 Euro. Schätzungen des deutschen Agrarökonomen Matin Qaim zufolge könnten die Marktverwerfungen bis zu 100 Millionen Menschen in den Hunger treiben. In Europa und den USA dient Weizen neben Gerste und Mais als wichtiges Futtermittel für die Viehzucht.

Von: apa

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