Der Klimawandel und die Folgen für Südtirols Obst- und Weinbau

Hitzewellen, Wassermangel, neue Schädlinge

Donnerstag, 25. Juni 2015 | 11:11 Uhr

Bozen – Hitzewellen und Wassermangel, neue Schädlinge und aggressivere Krankheiten: Welche klimawandelbedingten Herausforderungen auf die Obst- und Weinbauern zukommen, legten Barbara Raifer und Reinhold Steiner vom Versuchszentrum Laimburg dar. Der Vortrag bildete den Auftakt zur Vortragsreihe des Versuchszentrums Laimburg anlässlich seines 40-jährigen Bestehens.

Seit 2011 ist Finnland offiziell Weinbauland der Europäischen Union, während in warmen Weinbauländern Hitze und Brände den Weinbau bedrohen, erklärte Barbara Raifer am Beginn ihres Vortrags vor rund 80 Interessierten in der Kellerei Meran Burggräfler. Treibhausgase wie Kohlendioxid haben eine Konzentration in der Atmosphäre erreicht wie seit 20 Millionen Jahren nicht. Die Auswirkungen sind jetzt schon zu spüren – so hat die Durchschnittstemperatur in den Alpen zwischen 1920 und 2010 um 1,9 Grad zugenommen. Was bedeutet dies für Südtirol? Die Anzahl der Sommer- und Tropentage hat stark zugenommen, zudem verteilen sich die Niederschläge anders übers Jahr – die Winter werden trockener, im Herbst dagegen steigen die Niederschläge an.

Im Weinbau treten neue Schädlinge auf, bereits vorhandene Krankheiten werden aggressiver. Wie die jährlichen Reifetests der Laimburg seit Mitte der 1980er-Jahre zeigen, nimmt der Zuckergehalt der Trauben zu, während der Säuregehalt sich vermindert. Bedingt durch die Hitzewellen geraten die Reben unter Stress, der sich aber auf die Reifung auswirkt. Entscheidend wird daher die ausreichende Wasserversorgung der Reben durch effiziente Bewässerung und eine gute Bodenbewirtschaftung etwa mittels Einsaaten. Denn wie Versuche der Laimburg zeigen, erhöht der Humusgehalt im Boden die Fähigkeit, Wasser zu speichern.

Auch im Obstbau steigt der Schädlingsdruck. Problematisch für die Qualität der Früchte sind aber insbesondere die abnehmenden Temperaturschwankungen im Frühjahr und Herbst. Denn sie beschleunigen den Abbau von Säure und Aromen und vermindern die Festigkeit der Früchte. Darüber hinaus gilt es insbesondere daran zu arbeiten, dass die Pflanzen mit weniger Wasser auskommen. Ziel muss es sein, betonten Barbara Raifer und Reinhold Steiner, den Wandel anzunehmen und zu gestalten. Denn allein die bisherigen Einwirkungen auf das Klima werden sich in den kommenden tausend Jahren auswirken.

Weitere Vorträge in der Vortragsreihe des Versuchszentrums Laimburg anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Versuchszentrums zu Themen aus dem Bereichen Landwirtschaft und Lebensmitteln in Südtirol folgen.  Abschluss und Höhepunkt des Jubiläumsjahres bildet ein Festsymposium am 21. November in der Aula der Fachoberschule für Landwirtschaft in Auer.

Von: ©lpa

Bezirk: Überetsch/Unterland