Reise bis nach Bayern mit altem Fiat 500

Hotelier vom Gardasee tourt durch Südtirol und wirbt für Kunden

Montag, 03. August 2020 | 09:05 Uhr

Ein bekannter Hotelier vom Gardasee, Francesco Seresina, hat bei einer einwöchigen Tour mit einem alten Fiat 500 (Baujahr 1974) Südtirol, Tirol und Bayern bereist, um Touristen aus dem deutschsprachigem Raum zu vermitteln, dass ein Urlaub in Italien sicher sei. “Wenn Österreicher und Deutsche nicht zu uns kommen, gehe ich sie besuchen”, lautete der Slogan des 45-jährigen Lombarden.

Seresina ist Inhaber der “Villa Sostaga”, einem eleganten Boutique-Hotel in Gargnano auf der westlichen Seite des Gardasees. Mit Mühe hat Seresina nach Ende des Lockdowns im Mai sein Hotel wieder öffnen können. “Wir haben einen ‘Ground Zero’ erlebt. Alle Gäste hatten ihren bereits gebuchten Aufenthalt abgesagt. Ein zweites Hotel, das meine Familie betreibt, habe ich wegen der hohen Kosten nicht öffnen können. Wir haben unsere Kräfte vereint: Im Juli waren immerhin 60 Prozent der Zimmer reserviert”, berichtete Seresina im Gespräch mit der APA.

Inzwischen sind viele Touristen an den Gardasee zurückgekehrt, doch Seresina vermisst seine österreichischen Gäste. “Viele von ihnen denken, dass Italien wegen der Coronavirus-Pandemie noch ein gefährliches Land sei. Das stimmt nicht. Hier bei uns in Gargnano haben wir wenige Infektionsfälle im März gemeldet, seitdem sind wir total Covid-frei. Wir liegen nur 15 Kilometer vom Trentino entfernt, einer Region mit einer äußerst niedrigen Zahl an Infektionen”, meinte Seresina.

Um die Botschaft zu vermitteln, dass Italien ein sicheres Urlaubsland ist, hat der Unternehmer mit seinem hellblauen Fiat “Cinquecento” eine 1.400 Kilometer lange Tour unternommen. Sterzing in Südtirol, Innsbruck, der bayrische Chiemsee, München, der Ammersee und Garmisch waren einige Etappen des gebürtigen Mailänders, der auf dem Weg einige sogenannte Romantik-Hotels besichtigte, ein Hotelkonsortium, zu dem auch seine “Villa Sostaga” gehört.

“Zur Sicherheit hat mich ein Abschleppwagen begleitet. Der ‘Cinquecento’, der ein Jahr älter ist als ich, hat mich aber nie im Stich gelassen, während der Abschleppwagen unterwegs Probleme hatte”, scherzte der Hotelier.

“Ich habe diese symbolische Reise unternommen, um zu vermitteln, dass Italiens Touristikbranche neu starten will und wir alle Sicherheitskriterien erfüllen. Österreicher können unbesorgt bei uns urlauben”, sagte der Hotelier. Die Idee zur Reise kam ihm aus Ärger über eine Aussage der italienische Vize-Wirtschaftsministerin Laura Castelli. Diese hatte behauptet, dass sich die italienischen Restaurant-Inhaber auf einen Jobwechsel vorbereiten müssten, da die Krise der Gastronomie noch länger anhalten werde.

“Diese Worte beweisen mir, dass die Regierung keinerlei Absicht hat, der Gastronomie und Hotellerie konkret unter die Arme zu greifen. Im Gegenteil, sie tut nichts zur Förderung eines Sektors, der vor der Coronavirus-Krise 13 Prozent des italienischen Bruttoinlandprodukts (BIP) generierte. So habe ich beschlossen, auf eigene Faust etwas für unseren Fremdenverkehr zu unternehmen”, sagte Seresina.

“Während der italienische Tourismus noch voll in der Krise steckt und viele Hotels noch geschlossen sind, blüht der Fremdenverkehr in Österreich. Die Hotels sind in dieser Zeit voll ausgebucht. Die meisten Österreicher urlauben daheim. Bei uns ist es anders. Viele Ausländer sind ferngeblieben, vor allem Personen ab 60 Jahren, die mehr Reisemöglichkeiten haben und zu unseren Stammkunden zählen”, sagte der Unternehmer.

Die Reise mit dem “Cinquecento” habe ihm die Möglichkeit gegeben, mit vielen Österreichern Meinungen auszutauschen. “Jeder liebt Italien, doch vor allem ältere Menschen bevorzugen es jetzt, in der Heimat zu bleiben, weil sie Ansteckungen fürchten”, stellte Seresina fest. Besser ist die Lage für den Tourismus in Südtirol. “Da Südtirol eine deutschsprachige Region ist, betrachten viele Österreicher und Bayern eine Reise dorthin nicht als risikoreichen Auslandsurlaub”, meinte Seresina.

Auf die nächsten Monate blickt der Unternehmer mit Sorge. “Aus Angst vor der Infektion sind viele unserer älteren Gäste ausgefallen. Das sind diejenigen, die auch im September und Oktober reisen können. Ich hoffe, während meiner Reise mit dem ‘Cinquecento’ einige Personen überzeugt zu haben, dass Urlaube bei uns sicher sind. Österreicher zählen zu unseren beliebtesten Gästen, die wir gern wieder willkommen heißen wollen”, sagte Seresina.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz