Schwächeres Wirtschaftswachtum und hohe Preise dämpfen Stromnachfrage

IEA: Stromnachfrage wächst langsamer, mehr Erneuerbare

Montag, 25. Juli 2022 | 16:34 Uhr

Die weltweite Stromnachfrage wächst nach der kräftigen Erholung im Vorjahr heuer deutlich langsamer, weil sich das Wirtschaftswachstum abschwächt und die Energiepreise nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine in die Höhe schießen. Die Erneuerbaren-Stromerzeugung steigt und ersetzt einen Teil der Produktion aus fossilen Quellen, geht aus dem jüngsten Strommarkbericht der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor.

Die Stromnachfrage wird laut IEA-Prognose heuer weltweit um 2,4 Prozent (nach 6 Prozent 2021) zulegen und damit wieder der durchschnittlichen Wachstumsrate der fünf Jahre vor der Coronapandemie entsprechen. Auch im kommenden Jahr wird ein ähnlicher Wachstumspfad erwartet. Getrübt wird der Ausblick aber durch wirtschaftliche Turbulenzen und Unsicherheiten über die Auswirkungen der Brennstoffpreise auf den Erzeugungsmix.

Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien wird heuer wegen kräftiger Kapazitätserweiterungen um mehr als 10 Prozent steigen und damit einen Teil fossiler Quellen ersetzen. Die CO2-arme Produktion wird trotz eines 3-prozentigen Rückgangs der Atomenergie insgesamt um 7 Prozent wachsen und damit zu einem 1-prozentigen Minus der Gesamterzeugung aus fossilen Brennstoffen führen. Die CO2-Emissionen des Stromsektors könnten nach einem Rekordwert 2021 leicht zurückgehen, allerdings um weniger als 1 Prozent.

Die Großhandelsstrompreise haben sich in Europa im ersten Halbjahr in vielen Märkten gegenüber der Vorjahresperiode mehr als verdreifacht. Die Gaspreise waren im ersten Halbjahr 2022 in Europa viermal so hoch wie im Vorjahreszeitraum, die Kohlepreise mehr als dreimal so hoch. Der Preisindex der IEA für die wesentlichen Großhandelsmärkte hat Werte erreicht, die doppelt so hoch waren wie der Durchschnitt im ersten Halbjahr im Zeitraum 2016 bis 2021.

Aufgrund der hohen Gaspreise und Lieferbeschränkungen ersetzt Kohle Erdgas in Märkten mit freien Kohlekraftwerkskapazitäten, vor allem in europäischen Ländern, die ihre Abhängigkeit von russischem Gas beenden wollen. Einige europäische Staaten haben ihre Pläne zum Ausstieg aus der Kohleverstromung verschoben und Beschränkungen für Kohle aufgehoben. Der Einsatz von Kohle zur Stromerzeugung dürfte heuer weltweit leicht steigen – der Zuwachs in Europa werde durch Rückgänge in China und in den USA großteils ausgeglichen. Bei der Stromproduktion aus Gas erwartet die IEA ein Minus von 1,6 Prozent.

Die Welt befinde sich in der ersten wirklich globalen Energiekrise, ausgelöst durch den Einmarsch Russlands in die Ukraine, der Stromsektor sei einer der am stärksten betroffenen, so Keisuke Sadamori, Direktor für Energiemärkte und Sicherheit bei der IEA. Dies werde vor allem in Europa deutlich, wo es starke Turbulenzen am Energiemarkt gebe, sowie in Entwicklungs- und Schwellenländern, in denen Lieferunterbrechungen und Brennstoffpreiserhöhungen die anfälligen Stromsysteme stark belasteten und zu Stromausfällen führten. Die Regierungen müssten Notmaßnahmen zur Bewältigung der unmittelbaren Herausforderungen ergreifen, sich aber auch auf eine Beschleunigung von Investitionen in die Energiewende konzentrieren, denn dies sei die wirksamste dauerhafte Antwort auf die derzeitige Krise.

Von: apa

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