Die Kopfhörer-Auswahl ist groß und bunt

Im, auf oder über dem Ohr: Welche Kopfhörer sollen es sein?

Donnerstag, 24. Januar 2019 | 12:31 Uhr

Eigentlich geht es bei Kopfhörern vor allem darum, dass nicht alle um einen herum die Musik von Smartphone, MP3-Player oder Anlage mithören müssen. Was sich einfach anhört, ist in den vergangenen Jahren aber zu einer Wissenschaft geworden.

In-Ear, On-Ear oder Over-Ear. Akustisch offen oder akustisch geschlossen. Mit oder ohne Kabel. Das sind nur einige Entscheidungen, die Verbraucher bei der Wahl ihres Kopfhörers treffen müssen.

Immer mehr auf dem Vormarsch ist die kabellose Bluetooth-Variante. “Aktuell geht der Trend bei Kopfhörern in Richtung True Wireless, also dem kompletten Verzicht auf Kabel”, sagt Peter Schlossnagel vom Portal “Kopfhoerer.de”.

Ein Vorteil der Bluetooth-Modelle: Sie lassen sich mit anderen technischen Geräten smart vernetzen und bieten damit mehr Optionen als nur Musikhören. “Immer mehr kabellose Kopfhörer wollen uns durch Herzfrequenzmessung oder Schrittzählung in Sachen Fitness-Coaching unter die Arme greifen”, erklärt Schlossnagel. Praktisch ist: Viele Hersteller liefern bei Bluetooth-Kopfhörern ein Kabel mit. So können Verbraucher die Kopfhörer zum Beispiel an der Stereoanlage nutzen. Nachteil der Funk-Modelle: Der Akku muss regelmäßig geladen werden.

Nicht für jeden sind Bluetooth-Modelle die richtige Wahl: “Für Musiker ist diese Art von Kopfhörern ungeeignet, weil die Bluetooth-Übertragung die Ausgabe verzögert”, erklärt Hartmut Gieselmann von der Fachzeitschrift “c’t”.

Eine weitere Frage stellt sich bei der Form: im Ohr, auf dem Ohr – oder über dem Ohr?

Wer es klein und handlich mag, setzt auf In-Ear-Kopfhörer. Der Klassiker lässt sich leicht transportieren. “Wenn die Kopfhörer den Ohrkanal mit einer Manschette luftdicht abschließen, können sie selbst tiefste Bassfrequenzen druckvoll übertragen”, sagt Gieselmann. Wegen ihrer Größe eignet sich diese Form ideal für sportliche Aktivitäten. Jedoch droht mit zunehmender Nutzungsdauer wegen der geringen Stabilität früher oder später ein Kabelbruch.

Verbraucher sollten außerdem nicht zu laut aufdrehen. “Die Klangquelle sitzt recht dicht vor dem Trommelfell, das klingt sehr direkt und nah, birgt aber auch die Gefahr der Hörschädigung sowie der zu starken Abschottung von Außengeräuschen. Das kann gerade im Straßenverkehr lebensbedrohlich werden”, erklärt Schlossnagel.

Klassik- und Jazz-Liebhaber greifen idealerweise zu Over-Ear-Modellen, die also das gesamte Ohr umschließen. Sie überzeugen durch ihre klangliche Bandbreite, weil durch ihre Bauform das Klangbild beeinflusst wird – der Sound wirkt räumlich differenzierter und meist lassen sich einzelne Instrumente genau zuordnen. “Man kann daher sagen, dass das Hören mit großen Kopfhörern eher unserem natürlichen Hören nachempfunden ist”, sagt Schlossnagel. Von Nachteil – vor allem im Vergleich zu der In-Ear-Variante – sind Größe und Gewicht. “Aber auch der Anpressdruck ist ein nicht zu unterschätzender Faktor: Sitzt der Kopfhörer zu eng, entsteht ein unangenehmes Druckgefühl, welches sogar schmerzhaft werden kann.”

Eine dritte Bauart für die Ohren sind die On-Ear-Kopfhörer. Der Vorteil: Diese Modelle liegen direkt auf der Ohrmuschel auf und sind im Vergleich zu In-Ear-Kopfhörern robuster. “Damit sie Bass gut übertragen, brauchen sie jedoch einen hohen Anpressdruck, der auf Dauer unbequem wird. Angenehmer zu tragen sind große Kopfhörer, die die Ohrmuschel komplett umschließen”, sagt Gieselmann.

Einige Modelle bieten die Funktion des Noise-Cancelling – eine Art Stummschaltung der Umgebung. Besonders für Reisende in Bahn, Bus oder Flugzeug ist das Feature, das Geräusche von außen aktiv unterdrückt, sinnvoll.

Doch kann die Technik nicht gegen alle Geräusche vorgehen. “Bei höherfrequenten Geräuschen oder Sprache ist Noise-Cancelling weitgehend machtlos und kann die empfundene Störung sogar verstärken. Zudem beeinträchtigt Noise-Cancelling die Musikwiedergabe und ist als leises Rauschen wahrnehmbar”, erklärt Gieselmann. Wen das stört, für den sind Kopfhörer-Modelle mit passiver Dämpfung sinnvoll.

Eine weitere Unterscheidung gibt es zwischen akustisch offenen und akustisch geschlossenen Modellen. Hierbei geht es vor allem um die Klangqualität: “Offene Kopfhörer sind für Klang-Connaisseurs geeignet, die ihre Musik in einem ruhigen Umfeld genießen können und ein ausgewogenes Klangbild mit weitläufiger Raumdarstellung schätzen”, erklärt Klaus Laumann von der Fachzeitschrift “Stereoplay”. Geschlossene Konstrukte hingegen dichten den Bereich zwischen Ohr und Schallerzeuger für bessere Basswiedergabe und gegen Störeinflüsse von außen ab. “Insofern sind Kopfhörer mit geschlossener Bauform vor allem im mobilen Einsatz und in lauten Umgebungen die beste Wahl.”

Von: APA/dpa