Inländische Weizenkrise soll in Indien verhindert werden

Indien verbietet Weizenexporte – Kritik der G7

Samstag, 14. Mai 2022 | 16:31 Uhr

Indien hat einen Exportstopp für Weizen mit sofortiger Wirkung ausgesprochen. Die Entscheidung sei angesichts des plötzlichen Anstiegs der weltweiten Weizenpreise getroffen worden, wodurch die Lebensmittelsicherheit Indiens gefährdet sei, teilte die Exportbehörde des Landes am späten Freitagabend mit. Kritik daran kam am Samstag von den Agrarministern der G7-Länder.

“Wir haben alle miteinander, gerade die großen Exportnationen, auch eine Verantwortung für den Rest der Welt”, sagte etwa der deutsche Agrarminister Cem Özdemir am Samstag in Stuttgart nach Abschluss des Treffens mit seinen Amtskollegen der G7-Industriestaatengruppe. “Ich sehe das sehr kritisch”.

Nach dem Willen der Landwirtschaftsminister sollen die G7-Staats- und Regierungschefs nun über das Thema beraten, wie Özdemir berichtete. Indien sei beim Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern Ende Juni zu Gast. Deutschland führt derzeit die Staatengruppe. Die internationalen Getreidemärkte sind wegen des Russland-Ukraine-Kriegs besonders angespannt, die Preise gehen nach oben. Der Höhenflug bedroht insbesondere arme Länder, die auf Importe angewiesen sind.

Die G7 sprechen sich Gastgeber Özdemir zufolge grundsätzlich gegen Exportstopps aus. “Wir rufen dazu auf, die Märkte offen zu halten.” Indien als weltweit zweitgrößter Weizenproduzent hatte zuvor angekündigt, die Ausfuhr des Getreides mit sofortiger Wirkung zu verbieten. Die Entscheidung sei angesichts des Anstiegs der weltweiten Weizenpreise getroffen worden, wodurch Neu Delhi die Lebensmittelsicherheit Indiens gefährdet sieht.

Die G7 wollen laut Özdemir die Preise für Produktions- und Lebensmittel stärker überwachen als bisher, dabei gehe es beispielsweise um Düngemittel. Dazu solle das Agrarinformationssystem der G20-Gruppe der Industrie- und Schwellenländer gestärt werden.

“Es darf keine übermäßige Lagerhaltung von Agrarprodukten in einzelnen Ländern geben – das ist unsolidarisch und führt zu weiteren Preissteigerungen”, sagte Özdemir. Der G7-Gruppe gehören neben der Bundesrepublik die USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan an.

Der Krieg in der Ukraine habe den Druck auf die weltweiten Ernährungssysteme erhöht, resümierte der Berliner Ressortchef. Nach einer Debatte mit ihrem ukrainischen Amtskollegen Mykola Solskyj sicherten die Ministerinnen und Minister bereits am Freitag Hilfe zu. Dabei geht es unter anderem um den Getreideexport aus dem kriegserschütterten Land. “Putins Krieg verstärkt den Hunger in der Welt”, sagte Özdemir mit Blick auf Kremlchef Wladimir Putin.

Die G7 prüft nun Alternativen zum Schiffstransport von Getreide aus der Ukraine, um die russische Blockade zu brechen. Nachdem es beim Schienentransport über Rumänien wegen der unterschiedlichen Spurbreite der Bahnen Probleme gebe, prüfe man etwa die Ausfuhr über die baltischen Häfen, sagte die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am Samstag zum Abschluss eines G7-Treffens nahe dem Weißenhäuser Strand an der Ostsee.

Die Gruppe der G7 forderte Russland auf, die Blockade ukrainischer Getreideexporte zu beenden. Russlands grundloser Krieg in der Ukraine habe die globalen Wirtschaftsaussichten mit stark steigenden Nahrungsmittel-, Kraftstoff- und Energiepreisen verschlechtert, hieß es in einer beim Treffen der Außenminister verabschiedeten Erklärung. Rund 43 Millionen Menschen stünden nur einen Schritt entfernt von einer Hungersnot. Es drohe Ernährungsunsicherheit und Unterernährung.

Das Toptreffen der G7-Agrarminister wurde am Samstag zum Abschluss aus Sicherheitsgründen in ein Stuttgarter Hotel verlegt. Es habe Befürchtungen gegeben, dass der Ablauf der Veranstaltung auf Schloss Hohenheim im Süden der Stadt gestört werden könne, sagte eine Polizeisprecherin der dpa. Özdemir bestätigte später den Umzug und begründete diesen mit Protesten von Tierschützern und Bauern. Laut Polizei gab es in der Nähe von Schloss Hohenheim eine Demonstration von Landwirten mit rund zwei Dutzend Schleppern.

Von: APA/dpa

Kommentare

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12 Kommentare auf "Indien verbietet Weizenexporte – Kritik der G7"


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N. G.
N. G.
Kinig
14 Tage 4 h

Bei 1,4 Milliarden Einwohnern Indiens kann ich diese Entscheidung verstehen.

Neumi
Neumi
Kinig
13 Tage 13 h

Jupp. Es wird wohl auf einen Mittelweg rauslaufen. Wenn wegen der hohen Preise die Gefahr droht, dass zu den Weltmarktpreisen verkauft wird und die Bevölkerung sich ihr eigenes Produkt nicht mehr leisten kann, dann muss die Regierung eingreifen.

Den Markt selbst kann sie nicht beeinflussen, aber wenn erst mal alles im Land bleiben muss, kann das auch zu “normalen” Preisen an die Bevölkerung gehen.
Der Überschuss kann dann immer noch auf den Weltmarkt gelangen, nur halt eben nicht die gesamte Produktion.

Staenkerer
13 Tage 12 h

jo, wenn des getreide dort zu gerecht-erschwinglichn preiß verkaft werd, isch es verständlich! i befürcht ober das dort de ormen auf der strecke bleibn und des getreide ghortet werd bis de stootn de es brauch bereit sein jeden preiß zu zohln, des wieder de reichn in indien no reicher mocht während de ormen hungern!

N. G.
N. G.
Kinig
13 Tage 11 h

@Staenkerer Leider wirst du damit Recht behalten. Indien ist mit dem Ausfuhr Stop geholfen aber auch da werden die Armen für den Krieg trotzdem bezahlen,

Entequatch
Entequatch
Tratscher
14 Tage 2 h

INDIEN ist wohl mit china und putin unter einer decke. Und Brüssel ist nicht bereit die EU Bürger zu schützen…..

N. G.
N. G.
Kinig
13 Tage 14 h

Warst du mal Indien? Hast du das Elend da gesehen?
Machs einfach mal! Fährst du mit dem Zug Neu-Delhi, ca. 30 km entfernt, kannst du dann den Dreck und damit das Elend der Leute schon riechen…!
Wenn Indien sagt sie brauchen die Nahrung selbst dann ist das gerechtfertigt! Der Grund spielt dann keine Rollr, obwohl dein Argument komplett aus dem Rahmen fällt!

Neumi
Neumi
Kinig
13 Tage 13 h

Wovor denn … dem übermäßigen Export von Audis, Äpfeln und Weinen?

Entequatch
Entequatch
Tratscher
13 Tage 2 h

Nein, war ich nicht, ich kann mir keien urlaub in indien leisten. Eben, wir sind sowas von reich, wer schährt sich. Wie ist es denn mit den afrikanischen länder? Die WTO hat eine annstehende hungersnot ausgerufen…… pS Indie hat nuklearenergie und einigen bombendazu auch

Buffalo
Buffalo
Tratscher
13 Tage 13 h

Im Gegensatz zur EU versucht die Regierung von Indien ihre eigenen Leute zu schützen.
Bei uns wird alles an die Wand gefahren mit wirkungslosen Maßnahmen gegen Russland

Dagobert
Dagobert
Kinig
13 Tage 12 h

Jo gell Buffalo, mir können lei hoffn, dass die indische Bevölkerung mit uns, ach so armen Europäern Mitleid zeigt und uns doch noch ihren Weizen liefert!🤦‍♂️

Rose
Rose
Grünschnabel
14 Tage 1 Min

Indien macht das richtig u.schaut zuerst auf das eigene Volk!

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
13 Tage 17 h

Wie jetzt die Deutschen wollen doch jetzt auf Regionalität setzen? Liebe Biefke zuerst denken dann sprechen.

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