Engagement für eine naturnahe Landwirtschaft

Integrierte Anbauweise sichtbar machen

Mittwoch, 29. April 2015 | 16:42 Uhr

Bozen – „Integrierter Apfelanbau, garantiert und naturnah seit 1988“ ist seit kurzem in vielen Apfelanlagen des Landes zu lesen. Dieser Tage haben zahlreiche Bauern die Schilder mit dem Marienkäfer, dem Sinnbild für den integrierten Anbau in Südtirol angebracht. „Wir wollen mit den Tafeln unser langjähriges Engagement für eine naturnahe Landwirtschaft sichtbar machen. Wir haben nämlich festgestellt, dass die Bevölkerung über den modernen Anbau kaum Bescheid weiß “, sagt Harald Weis, der Obmann der Arbeitsgruppe für den Integrierten Anbau (AGRIOS).
 
Vor mittlerweile einem Viertel Jahrhundert – lange bevor sich die Bevölkerung für Anbauweisen, Pflanzenschutz und Nachhaltigkeit interessierte – hat im Südtiroler Apfelanbau ein Wandel hin zu einer naturnahen Landwirtschaft eingesetzt: 1988 wurde die AGRIOS gegründet, sie begann Richtlinien für die Bauern festzulegen und entwickelte sie laufend weiter. Heute zählt Südtirol bezüglich Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu den fortschrittlichsten Anbaugebieten weltweit. Der flächendeckende Einsatz der Verwirrungsmethode, bei der durch Duftstoffe eine Vermehrung von Schadinsekten verhindert wird, und der Verzicht auf  Pflanzenschutzmittel, welche als giftig eingestuft sind tragen seit über zwei Jahrzehnten zum Gesundheits- und Umweltschutz bei.
 
Bei der Ausbringungstechnik um Jahrzehnte voraus

Auch bei der Ausbringungstechnik der Pflanzenschutzmittel kann sich Südtirol sehen lassen. Während in anderen italienischen Anbaugebieten die Sprühgeräteüberprüfung erst aufgebaut werden muss, wurden in Südtirol bereits vor über zwanzig Jahren drei Prüfstellen errichtet. Seit Ende der 1990er Jahre kann nur derjenige am integrierten Anbauprogramm teilnehmen, der sein Sprühgerät wenigstens alle fünf Jahre überprüfen lässt. Der Gesetzgeber hat diese Initiative hingegen erst im Vorjahr verpflichtend eingeführt.
 
Weiterer Meilenstein: Abdriftmindernde Maßnahmen sollen verbessert werden

Die Arbeitsgruppe für den integrierten Anbau hat im heurigen Jahr einen weiteren Meilenstein gesetzt: eine zielsichere Ausbringungstechnik. Möglichst viele Obstbauern sollen dazu bewegt werden, Pflanzenschutzmittel mit der bestmöglichen Technik auszubringen und so die Abdrift zu vermeiden, was bedeutet dass das verwendete Pflanzenschutzmittel einzig auf das betroffene Pflanzengut gelangt. „In vier Jahren, also ab dem Frühjahr 2019, können nur mehr jene Obstbauern am integrierten Anbau teilnehmen, die ein Sprühgerät mit abdriftarmer Technik einsetzen“, kündigt AGRIOS-Obmann Harald Weis an. Zur Ausstattung abdriftarmer Geräte gehören ein Gebläseaufbau und Injektordüsen – an weiteren technischen Verbesserungen wird laufend geforscht. Dies bedeutet, dass die Wirkstoffe noch gezielter ausgebracht werden können und so  dort wirken, wo sie  gebraucht werden. Das hat Vorteile für alle.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen