Überschießende Belastungen für heimische Industriebetriebe befürchtet

IV warnt vor Klimastrategie-Belastung für Industriefirmen

Donnerstag, 24. Mai 2018 | 10:40 Uhr

Zur Klima- und Energiestrategie, die kurz vor der Fertigstellung ist, warnt die Industriellenvereinigung (IV) vor überschießenden Belastungen für heimische Industriebetriebe. Bei der voestalpine, die bei Energieeffizienz und CO2 europaweit führend sei, sei bei der Technologie kaum noch mehr drin. Ein höherer CO2-Mindestpreis käme der Voest in die Quere, so IV-Vize-Generalsekretär Peter Koren.

Die Voest könne ihre Kohlendioxid-Emissionen nicht noch mehr reduzieren, argumentierte Koren am Mittwochabend bei einer Diskussion der Österreichischen Energieagentur gegen die Bestrebungen von Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), die sich wiederholt für einen CO2-Mindestpreis auf europäischer Ebene aussprach, zuletzt wieder bei der Parlamentsenquete zur Klimastrategie. Lege man etwa den Preis statt 15 mit 40 Euro pro Tonne CO2 fest, wäre dies “eine zusätzliche Bestrafung” für die Voest-Produktion, so Koren: “Das kann es nicht sein.” Köstingers Generalsekretär Josef Plank versicherte daraufhin, es sollten dabei nicht jene mit hervorragender Technologie bestraft werden.

Auch in Sachen Energie-Versorgungssicherheit sei noch mehr zu tun, meinte Koren und forderte schnellere Genehmigungsverfahren etwa für Stromnetze oder Kraftwerke. Eine stabile Stromversorgung sei für die Betriebe absolut wichtig. Der Halbleiterhersteller Infineon, der erst jüngst den Bau eines neuen Chipwerks in Villach für 1,6 Mrd. Euro angekündigt hat, könne keine Schwankungen im Stromnetz aushalten.

Seitens der OMV begrüßte Thomas Gangl, Senior Vice President Refining & Petrochemicals, die “Technologieoffenheit” der Klima- und Energiestrategie und versicherte: “Damit werden wir auch ein Teil der Lösung sein.” Die OMV habe immer wieder als Vorreiter agiert, etwa bei Methan. Auch betätige sie sich über Smatrics in der E-Mobilität. In Deutschland statte man mit EnBW ein Drittel der eigenen Tankstellen mit Ladestationen aus. Wasserstoff als Antrieb könnte im Busbereich starten, so Gangl. In der Raffinerie erzeuge die OMV 50.000 Tonnen Wasserstoff im Jahr ohne eigenen CO2-Footprint, diese Mengen könnten sofort eingesetzt werden. Die OMV investiere viel in die Senkung des CO2-Footprints, der Verbrennungsmotor werde aber noch viele Jahre eine Rolle spielen – freilich mit einem reduzierten CO2-Fußabdruck.

Den Verkehr bezeichnete Christian Weissenburger, Sektionschef im Verkehrsministerium, als “einen der größten Problembären für die Einhaltung der Klimaziele”. Selbst wenn bis 2030 alle neu zugelassenen Autos emissionsfrei wären, “schaffen wir nicht einmal die Hälfte des Verkehrs-Emissionsziels”, meinte der Experte aus dem Hause von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ). Ohne Wende in diesem Bereich seien die Ziele nicht erreichbar. Dabei gehe es auch um andere Mobilitätsformen speziell in Städten, samt Sharing, Elektro- oder Minibussen. Die Mobilität solle den Menschen erhalten bleiben, sie müsse nur anders organisiert werden. Umweltressort-Generalsekretär Plank vermisste generell eine Würdigung der Vorteile der E-Mobilität, etwa dass sie leise und emissionsfrei seien, namentlich in den Städten von Vorteil.

Namens der E-Wirtschaft sagte Oesterreichs-Energie-Präsident Leonhard Schitter, dass ein sukzessiver Umstieg auf E-Autos für die Branche zu schaffen sei – genug Strom könnte also zur Verfügung gestellt werden. “Es ist machbar, wenn auch die Rahmenbedingungen passen.” Nötig sei der Umstieg allemal, denn der Verkehr sei für 46 Prozent des Treibhausgas-Ausstoßes außerhalb des Emissionshandelssystems (ETS) verantwortlich. 66 Prozent der Emissionen von 1990 bis heute seien allein auf den Verkehr zurückzuführen, so Schitter.

Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen (FGW), sieht Gas nicht als Auslaufmodell. Er betonte, dass Gas keine Brückentechnologie sei, denn eine Brücke habe einen Anfang und ein Ende – letzteres treffe auf Gas nicht zu, selbst wenn Gas künftig auch von anderswo als aus den Niederlanden oder Russland kommen könne. Dabei gehe es um Biogas, synthetisches Gas oder auch Wasserstoff. Gas habe den großen Vorteil, dass zur Versorgung das bestehende System genutzt werden könne – Speicher und Leitungen.

Von: apa