Wirtschaftlich hat der Brexit für alle Seiten Nachteile

IWF: Harter Brexit würde EU-BIP um 1,5 Prozent schmälern

Donnerstag, 19. Juli 2018 | 19:31 Uhr

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor langfristigen Nachteilen für die EU-Wirtschaft durch einen unkontrollierten Brexit. Ein Ausstieg der Briten ohne neue Handelsvereinbarungen mit der EU würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Staatengemeinschaft jährlich um rund 1,5 Prozent schmälern, teilte der IWF am Donnerstag mit.

Das entspricht nach Reuters-Berechnungen rund 250 Milliarden Euro, wenn Schätzungen zur EU-Wirtschaftskraft 2018 unter Ausschluss Großbritanniens zugrunde gelegt werden. Voll zum Tragen kämen die Auswirkungen wahrscheinlich in fünf bis zehn Jahren, führte der Fonds aus.

Die IWF-Studie zeige größere Nachteile eines sogenannten harten Brexit als andere Untersuchungen, erklärte der Fonds. Das liege unter anderem daran, dass auch negative Auswirkungen durch die Unterbrechung von Zulieferketten berücksichtigt worden seien. Diese Verbindungen zwischen Industrieunternehmen seien besonders intensiv zwischen Großbritannien und Deutschland, so dass die Bundesrepublik die Folgen in diesem Zusammenhang besonders stark zu spüren bekäme.

Wegen insgesamt besonders enger Wirtschaftsbeziehungen würde ein Brexit ohne Nachfolgevereinbarung aber Irland am meisten treffen, gefolgt von den Niederlanden, Belgien und Luxemburg. Brexit-Gewinner werde es wegen der engen Verbindungen zwischen Großbritannien und dem Euroraum nicht geben. Die konkreten Folgen für Großbritannien berechnete der IWF aktuell nicht.

Ein Brexit gefolgt von einem Freihandelsabkommen mit der EU für Industriegüter – was den Vorstellungen von Premierministerin Theresa May nahekommt – würde das EU-BIP laut IWF jährlich noch um 0,8 Prozent schmälern. Allerdings ringt May noch in ihrer eigenen konservativen Partei um Einigkeit über die künftigen Beziehungen zur EU und ist noch weit von einer endgültigen Vereinbarung mit Brüssel entfernt. So nahm EU-Chefunterhändler Michel Barnier die jüngsten Brexit-Pläne der Londoner Regierung zurückhaltend auf.

Von: APA/ag.

Kommentare

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1 Kommentar auf "IWF: Harter Brexit würde EU-BIP um 1,5 Prozent schmälern"


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Grünschnabel
28 Tage 22 h

Wäre doch mal super wenn wir die wirtschaft etwas zurückdrehen!!
Es muss nicht immer alles schneller und größer werden.
Höchste zeit.

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