Laut IWF dämpft das Virus die Österreichische Wirtschaft

IWF rechnet wegen Corona mit weniger Wachstum in Österreich

Dienstag, 03. März 2020 | 14:28 Uhr

Die Ausbreitung des Coronavirus könnte laut IWF das Wachstum in Österreich heuer spürbar dämpfen. “Das Wachstum wird sich abschwächen und es gibt signifikante Abwärtsrisiken, darunter ein schwächeres Wachstum bei europäischen Handelspartnern, mögliche Unterbrechungen im Außenhandel und die Effekte des Coronavirus”, so der IWF. Generell stehe Österreich aber wirtschaftlich solide da.

Konkrete Zahlen zu den Auswirkungen des Coronavirus nannten die IWF-Experten nicht. Es sei zu früh, um genau sagen zu können, wie stark sich der Coronavirus auswirken wird, sagte Jeffrey Franks, IWF-Direktor für Europa, am Dienstag im Rahmen der Präsentation der IWF-Länderanalyse für Österreich bei der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).

Derzeit geht der Fonds für 2020 von einem Wirtschaftswachstum in Österreich von 1,25 Prozent aus. Beim jüngsten Update Anfang November 2019 hatte der IWF noch von einem Plus von 1,7 Prozent in Österreich prognostiziert. Unterstützt würde das Wachstum vor allem von der Inlandsnachfrage, während Risiken eher von außen kämen, beispielsweise in Form von Störungen im Außenhandel oder in einem schwächer als erwarteten Wachstum bei wichtigen Handelspartnern wie Deutschland. Mittelfristig rechnet der IWF damit, dass sich das österreichische Wachstum bei rund 1,5 Prozent einpendeln werde.

Alles in allem stehe das Land aber solide da. Österreich habe einen hohen Lebensstandard mit geringer Ungleichheit und Armut. Auch der Jobmarkt sei weiterhin in guter Verfassung, allerdings habe der Rückgang der Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr etwas nachgelassen und das Stellenwachstum habe sich etwas verlangsamt. Zudem müsse die Regierung mehr für die Integration von Einwanderern in den Arbeitsmarkt tun.

Auch finanziell sei der Staat mit einem Budgetüberschuss von rund einem halben Prozent im Vorjahr derzeit in einer soliden Position. Diese Position gelte es nun zu erhalten. Denn der Schuldenabbau der vergangenen Jahre sei vor allem dem starken Wachstum geschuldet gewesen, welches sich nun jedoch langsam abschwächt. Den finanziellen Puffer könne Österreich jedoch im Falle einer nachlassenden Wachstumsdynamik für konjunkturelle Stimuli einsetzen – beispielsweise in Form von verstärken Ausgaben für das Gesundheitssystem.

Auch OeNB-Gouverneur Robert Holzmann sieht fiskale Stimuli als primäre Maßnahme um die Staaten zu unterstützen, sollten deren Wirtschaft wegen des Coronavirus leiden. Einer koordinierten Aktion der internationalen Notenbanken wie eine gemeinsame Zinssenkung steht er dagegen skeptisch gegenüber. Diese hätte eher einen psychologischen Effekt, so Holzmann am Dienstag. Die Zentralbanken sollten zwar wachsam und vorbereitet bleiben, aber nicht überreagieren, so Holzmann. Auch der IWF sei bereit, stützend einzugreifen, sollten Staaten – insbesondere ärmere Länder – wegen einer von Sorgen rund um das Coronavirus ausgelösten Marktpanik Probleme haben sich an den Finanzmärkten zu refinanzieren, sagte Franks am Dienstag.

Im Zuge seiner Länderanalyse begrüßte der IWF weiters die Ambitionen der neuen Regierung in punkto Klimapolitik, empfiehlt jedoch, auf ein auf CO2-Abgaben basiertes Steuersystem umzusteigen. Mittels deutlicher Steigerungen bei den CO2-Steuern, eines Schubs bei der Elektrifizierung von Transportflotten und Anreizen zur thermischen Gebäudesanierung könnte Österreich ein Ziel, bis 2040 klimaneutral zu sein, erreichen, so der Fonds.

Für den heimischen Finanzsektor hatte der IWF bereits Anfang Februar eine Analyse veröffentlicht. Darin attestierte der Fonds dem Finanzsystem eine gute Widerstandfähigkeit gegenüber Schocks, wies jedoch auf “strukturelle Risiken” wie starke Verflechtungen und die Abhängigkeit der Banken vom Osteuropa-Geschäft hin.

Die führenden westlichen Industrieländer (G7) bekundeten indes ihren Willen, gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise vorzugehen. Die Verbreitung des neuartigen Coronavirus und die Auswirkungen auf Finanzmärkte und Wirtschaft würden genau beobachtet, heißt es in einer Erklärung der Finanzminister und Notenbankchefs der G7 vom Dienstag.

“Angesichts der möglichen Auswirkungen von Covid-19 auf das globale Wachstum bekräftigen wir unsere Verpflichtung, alle geeigneten politischen Instrumente einzusetzen, um ein starkes und nachhaltiges Wachstum zu erreichen und gegen Abwärtsrisiken zu sichern.” Die Finanzminister seien bereit, auch fiskalische Maßnahmen – also beispielsweise höhere Staatsausgaben – zu ergreifen, soweit dies notwendig sei.

Zu den Notenbanken heißt es nur, diese erfüllten weiter ihr Mandat, sorgten für stabile Preise und unterstützten das Wirtschaftswachstum. Außerdem sollen sie die Widerstandskraft des Finanzsystems sichern. Zur Gruppe der G7-Staaten gehören die USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Italien.

Von: apa