Kanadas Premier Trudeau (li.) besuchte Mexikos Präsident Nieto (re.)

Kanada und Mexiko wollen an NAFTA festhalten

Freitag, 13. Oktober 2017 | 18:20 Uhr

Trotz der Kritik aus Washington wollen Kanada und Mexiko das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) mit den USA verteidigen. “Unsere Volkswirtschaften sind eng miteinander verbunden. Wir haben eine gemeinsame Vision von einer besseren Zukunft für alle”, sagte der kanadische Premiermister Justin Trudeau am Freitag im Senat in Mexiko-Stadt.

NAFTA ist das größte Freihandelsabkommen der Welt. Der Binnenmarkt von USA, Kanada und Mexiko umfasst 460 Millionen Menschen und verfügt über eine gemeinsame Wirtschaftsleistung von umgerechnet rund 16,8 Billionen Euro. Der trilaterale Handel hat sich seit Inkrafttreten des Abkommens auf rund 930 Mrd. Euro vervierfacht.

Der Vertrag muss auf Druck der USA nachverhandelt werden, weil Präsident Trump sein Land benachteiligt sieht. Ihm sind vor allem das hohe Handelsdefizit gegenüber Mexiko und in Mexiko produzierende US-Unternehmen ein Dorn im Auge.

Dagegen sagte Trudeau, der freie Handel in Nordamerika in den vergangenen 20 Jahren habe allen genutzt. “NAFTA hat zu der Schaffung Tausender Arbeitsplätze beigetragen und wir wollen Wege finden, das Abkommen zu modernisieren”, sagte der Premier am Donnerstag nach einem Treffen mit Mexikos Präsidenten Enrique Pena Nieto.

Am Mittwoch hatte die vierte Runde der Neuverhandlung des Vertrags in Washington begonnen. Während sich die Unterhändler in einigen Bereichen offenbar schon näher gekommen sind, kommen nun die kontroverseren Themen wie Arbeitsrecht und Löhne auf den Tisch.

US-Präsident Donald Trump hatte bei einem Treffen mit Trudeau gesagt, sollte es nicht gelingen, NAFTA zu modernisieren, werde er das Abkommen aufkündigen und bilaterale Handelsverträge schließen. “Die Haltung von Mexiko ist ganz klar. Das Abkommen sollte aktualisiert werden, um ein Werkzeug zu werden, das der Entwicklung nützt”, sagte Pena Nieto.

“Die Vorschläge liegen jetzt auf dem Tisch. Wir wussten, dass es schwierig werden würde, aber es könnte schlimmer sein”, sagte der mexikanische Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo am Freitag im Fernsehsender Televisa. Sein kanadischer Kollege Francois-Philippe Champagne sagte: “Für uns hat es Priorität, das Abkommen zu schützen.”

Laut Verhandlungskreisen will die US-Regierung den verpflichtenden Anteil von in den Vereinigten Staaten gefertigten Fahrzeugteilen erhöhen und eine Klausel einführen, nach der NAFTA in fünf Jahren ausläuft, wenn bis dann keine Einigung über eine Modernisierung des Vertrags erzielt wurde. Für einen zollfreien Marktzugang sollte der Anteil nordamerikanischer Komponenten bei Lkw, Autos und großen Nutzmaschinen auf 85 Prozent von 62,5 Prozent steigen. Zudem müssten 50 Prozent der Bauteile aus den USA stammen. Kanada und Mexiko sind dagegen.

Der Vorstoß für mehr US-Bauteile ist eine der Kernforderungen der Regierung in Washington, die mehr Jobs in der Branche in der Heimat ansiedeln will. US-Präsident Donald Trump hat die gegenwärtigen Regeln als zu lax kritisiert. Er wirft den Autobauern vor, dies auszunutzen, um Arbeitsplätze und Produktion wegen niedrigerer Lohnkosten nach Mexiko zu verlagern. Mexikos Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo erklärte auf einer Konferenz mit dem kanadischen Handelsminister François-Philippe Champagne, dass das 1994 in Kraft getretene NAFTA-Abkommen notfalls auch ohne die USA überleben werde. Eine von den USA geforderte Klausel für automatische Neuverhandlungen alle fünf Jahre lehnten Guajardo und Champagne ab.

Trump hat das Abkommen als ein Desaster bezeichnet, das den Arbeitern in den USA geschadet und viele Jobs gekostet habe. Befürworter halten dem entgegen, dass durch das Freihandelsabkommen in den USA Jobs geschaffen worden und die Probleme in der Industrie eher auf Konkurrenz aus China zurückzuführen seien.

Von: APA/dpa/ag.

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