Unter den Radzustellern gibt es kaum Frauen

Kaum Radzustellerinnen – Zu viele Gefahren

Donnerstag, 28. Juli 2022 | 17:05 Uhr

Männlich, eher jung, nicht in einer Ausbildung: Das ist das Durchschnittsprofil eines Fahrradboten in Österreich, wie eine Umfrage unter rund 300 Zustellern zeigt. Die befragten Boten sind mit den Arbeitsbedingungen mehrheitlich eher zufrieden als unzufrieden, bei der Bezahlung ist es genau umgekehrt. Viele sehen sich aber mit gefährlichen Verkehrssituationen, erniedrigendem Verhalten, Beleidigungen, Drohungen oder unerwünschten sexuellen Annäherungsversuchen konfrontiert.

“Unter weiblichen Ridern ist der Anteil derer, die mit Beleidigungen (58 Prozent) und ungewollten Annäherungsversuchen (35 Prozent) konfrontiert waren, besonders hoch”, heißt es in einer von der Arbeiterkammer Wien geförderten Befragung des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung. Die Ergebnisse würden zeigen, dass es sich bei Übergriffen, insbesondere auf Fahrerinnen, nicht um Einzelfälle, sondern um ein weit verbreitetes Problem handle. Das könne auch eine Erklärung sein, warum der Anteil an weiblichen Zustellern mit 15,5 Prozent ausgesprochen niedrig sei, so die Studienautoren.

8 von 10 Essenszusteller sind männlich, das Durchschnittsalter liegt bei etwa 30 Jahren, zeigt die Befragung. Die meisten Zusteller bzw. Zustellerinnen kommen aus Österreich, Deutschland, Ungarn, Italien oder Rumänien. Aus Drittstaaten sind Bürger aus Syrien, Afghanistan, der Türkei und dem Jemen vertreten. Etwa ein Drittel der Boten studiert, die Mehrheit (54 Prozent) befand sich zum Zeitpunkt der Umfrage aber nicht in einer Ausbildung.

Die Umfrage legt dar, dass viele Fahrer und Fahrerinnen nicht über ihre Arbeitsrechte Bescheid wissen. Nur die Hälfte der Befragten weiß, dass es einen Kollektivvertrag für Fahrradboten gibt. Überraschend sei auch, dass mehr als die Hälfte der Rider bei Mjam und Lieferando nicht über die Existenz der Betriebsräte in diesen Unternehmen Bescheid wisse.

Ein Fünftel der Befragten ist Gewerkschaftsmitglied. Rund 43 Prozent zeigen sich bereit, in naher Zukunft einer Gewerkschaft beizutreten. Unterstützung durch die Gewerkschaften wünschen sich die meisten Fahrer und Fahrerinnen hinsichtlich ihres Gehalts, ihrer Arbeitsbedingungen und ihrer Beschäftigungssicherheit in Form von Kündigungsschutz und ausreichend Aufträgen.

60 Prozent der Befragten sind freie Dienstnehmer, rund 33 Prozent Angestellte. Über 60 Prozent arbeiten durchschnittlich mehr als 16 Wochenstunden und sind auf das Einkommen aus dieser Arbeit angewiesen, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Etwa ein Viertel unterstützt mit ihrem Einkommen außerdem andere Familienangehörige.

Von: apa

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