Merkel dämpfte im Vorfeld die Erwartungen

Keine raschen Konjunkturhilfen für deutsche Autobranche

Dienstag, 05. Mai 2020 | 15:23 Uhr

Die deutsche Autobranche kann in der Coronakrise nicht mit raschen Konjunkturhilfen rechnen. Hersteller, Händler und potenzielle Kunden müssen bis in den Juni hinein auf eine Entscheidung warten, ob der Staat die von der Branche dringend ersehnten Auto-Kaufprämien zahlt und damit der von Absatzeinbrüchen geplagten Industrie auf die Beine hilft.

Die Beratungen von Politik und Branchenvertretern würden bis Anfang Juni fortgesetzt, teilte die Bundesregierung am Dienstag nach einem Gipfeltreffen unter Federführung von Kanzlerin Angela Merkel mit. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) und die Hersteller Volkswagen, Daimler und BMW haben sich wiederholt dafür eingesetzt, dass der Steuerzahler den Autokauf mit Prämien bezuschusst. Damit werde nicht nur der Absatz von Deutschlands größter Branche angeschoben, sondern mittelbar auch die gesamte Volkswirtschaft angekurbelt, lautet das Argument.

Die von den Beschränkungen in der Coronakrise gebeutelte Wirtschaft solle damit rasch aus dem Tal herausgeführt werden. Weil Kaufinteressenten in Erwartung möglicher Prämien nun erst recht mit der Anschaffung eines Autos zögerten, sei besondere Eile geboten.

Zwar hatten Teilnehmer des Autogipfels bereits vorher deutlich gemacht, dass sie am Dienstag noch keine Entscheidung erwarten. Diese wird nun aber auch in den kommenden Wochen nicht fallen, wie Regierungssprecher Steffen Seibert deutlich machte. “Die Teilnehmer des Gesprächs vereinbarten, sich in einer Arbeitsgruppe über konjunkturbelebende Maßnahmen auszutauschen, die einen Modernisierungsbeitrag in Richtung innovativer Fahrzeugtechnologien darstellen”, erklärte er. Weiter sei vereinbart worden, “Anfang Juni Ergebnisse zu besprechen”.

An der Schaltkonferenz nahmen neben Merkel und mehreren Bundesministern die Vorstandschefs der in Deutschland produzierenden Autobauer, deren Spitzenverband VDA und die IG Metall teil. Nicht eingeladen waren die Ministerpräsidenten der Bundesländer Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg, in denen die drei großen Hersteller ihre Konzernzentralen und ihre Hauptwerke haben. Die Regierungschefs Stephan Weil (SPD), Markus Söder (CSU) und Winfried Kretschmann (Grüne) gelten deshalb als Verbündete der Branche im Ringen um Bundesmittel. Sie fordern eine Kaufprämie für Autos von bis zu 4.000 Euro.

Söder und Kretschmann mahnten am Dienstag noch einmal zur Eile. “Wir brauchen dringend eine schnelle Entscheidung. Wenn man es macht, dann schnell”, sagte Söder in München. Kretschmann plädierte in Stuttgart noch einmal für “die Einführung einer schnellen, niederschwelligen zeitlich begrenzten Innovationsprämie”. Merkel blieb in der Runde mit Spitzenvertretern der Branche und des Bundes jedoch unverbindlich.

Der Sinn einer Kaufprämie ist umstritten, auch in den Koalitionsparteien. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil stellte im Deutschlandfunk infrage, ob eine Kaufprämie das richtige Instrument sei, da die Menschen angesichts der großen Verunsicherung durch die Corona-Krise jetzt wohl nicht “massenhaft losrennen und sich Autos kaufen”. Ähnlich äußerten sich Wirtschaftswissenschaftler. “Eine Autokaufprämie ergibt ökonomisch keinen Sinn, setzt falsche industriepolitische Anreize und nützt dem Klimaschutz nicht”, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr.

Von: APA/dpa

Kommentare

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4 Kommentare auf "Keine raschen Konjunkturhilfen für deutsche Autobranche"


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6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
23 Tage 14 h

Wie oft durften man die Autoindustrie in den letzten Jahrzehnten retten.
Und als Dank dafür wurde man beim Dieselskandal so richtig verarscht.

Jo73
Jo73
Superredner
23 Tage 13 h

@6079_Smith_W_ Klar ist man verarascht worden, aber trotzdem habe ich ein gutes Auto und weh getan hat mir der höhere CO2 Ausstoß nun wirklich nicht, Ihnen?
Regt euch doch mal über andere Dinge auf, wie z.B. Apple iphiones, die nachweislich ihre Software so manipukieren, dass das iphine nach ein paar Hajren langsamer wird, angeblich um Akku zu sparen, blablabla. Da regt sich niemand auf. Oder ich möchte mal wissen was aus China alles an Beschiss kommt. da regt sich niemand auf. Nur über unsere Autoindustrie! (..was ja zum Teil auch gerechtfertigt ist, aber nicht nur)

traktor
traktor
Universalgelehrter
23 Tage 14 h

keine kaufprâmien!! wäre ja noch schöner. wer sich kein auto leisten kann soll fahrrad fahren oder die öffis nehmen!! und dann gibt es noch günstige gebrauchtwagen!

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
23 Tage 13 h
Kauf- und/oder Abwrackprämie 😡 Da war doch mal was. Erinnere mich ganz dunkel an die staatlich organisierte Vermarktungsoffensive für Diesel-Kfz. Hat geklappt, nur dass die allermeisten Käufer damals mal so richtig heftig beschissen wurden. Egal, mit der Prämie bekommen sie ja dann noch ein kleines Taschengeld für ihren EURO 4 oder was auch immer, müssen halt ein paar 😭 EURO drauflegen, egal ob Neu- oder Gebrauchtwagen. Und ganz wichtig, die vielen zehntausenden von Werksangehörigen, die mit ihren hoch rabattierten 8-Monats-Wagen einen schwunghaften und lukrativen Handel treiben, sind auch wieder gut in Geschäft. Die Umwelt, äh Autoindustrie wird es uns danken.
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