Vollversammlung des Südtiroler Kinderdorfes

Kinderdorf: Erfolgreicher Rückblick mit Wermutstropfen

Donnerstag, 23. April 2015 | 22:12 Uhr

Bozen – Nach der Vollversammlung des Südtiroler Kinderdorf  Genossenschaft ONLUS am 23.04.2015 stand eines fest: Nach 60 Jahren Südtiroler Kinderdorf  sind die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter voller Kraft, motivierter und kompetenter den je. Sie sind bereit den aufgenommenen Kindern und Jugendlichen eine gute und zeitgemäße Fürsorge und Betreuung zu gewährleisten, sowie die Eltern gut zu begleiten. Die Dienste des Kinderdorfes wurden sehr genau unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit beleuchtet und ein Drei-Jahres-Plan erstellt, der die Finanzierung der Dienste langfristig sichern soll.

Das Kinderdorf ist ein sicherer Platz für Kinder und Jugendliche

Das Kinderdorf freut sich über eine hervorragende Auslastung der Dienste: Im abgelaufenen Tätigkeitsjahr wurden durchschnittlich 48 Kinder und Jugendliche in den Kinderwohngruppen und den Jugendwohngemeinschaften betreut. Es gab 38 Neuaufnahmen, 19 Notaufnahmen und 42 Betreuungsprojekt wurden abgeschlossen.

Im Haus Rainegg, dem Haus für alleinerziehenden Frauen wurden 13 Frauen mit 23 Kindern begleitet.

Die Ambulanten Dienste unterstützen 68 Erwachsene in ihrem familiären Umfeld. 67 Kindern konnte so ein stabileres Familienleben ermöglicht werden.

212 Kinder und Jugendliche wurden in 3.566 Therapiestunden durch die Therapeuten des Therapie Centers behandelt. 40 Prozent der Patient sind Kinder zwischen 10 und 14 Jahren. Das Angebot reicht von Spiel-, Musik-, Familien- über Gestalt- und Moto- bis hin zu Reittherapie.

Das Projekt treff.familie in der Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt, leistet Netzwerkarbeit im Territorium und unterstützt Familien in Erziehungsfragen.

Qualität in der Betreuungsarbeit

Die sozialpädagogische Arbeit im Südtiroler Kinderdorf zeugt von einem zukunftsweisenden pädagogischen Ansatz, der Werte wie Gleichwürdigkeit, Integrität, Authentizität und Selbstverantwortung in den Vordergrund stellt und eine systemische und ganzheitliche Sichtweise auf die Situation des Kindes und der Jugendlichen fördert. Um die Kompetenzen der Erzieher zu steigern, ist die Leitung des Kinderdorfes von einer kontinuierlichen Fortbildung der Mitarbeiter überzeugt. Um die Qualität der Arbeit zu sichern, nahmen 2014 die 76 Mitarbeiter rund 2.000 Weiterbildungsstunden in Anspruch, sowie 50 Team- und 22 Einzelsuperversionen.

Der Wermutstropfen: „Das Kinderdorf braucht Unterstützung von Seiten der Politik“

„Nach dem in den letzten Jahren die Tagessätze des Sozialdienstes nicht erhöht und einige Beiträge gestrichen wurden, brauchen wir von politischer Seite die Sicherheit, dass in Zukunft unsere Kosten angemessen vergütet werden. Heute  brauchen wir Mut, Weitblick, Vernetzungsfähigkeit und Unterstützung sowie unternehmerisches Denken, damit die Dienste  fortgeführt werden können. Das sind die Aufgaben, die sich der Genossenschaft zum 60. Geburtstag stellen. Denn wir wollen unser größtes Ziel weiterhing erreichen: Kindern, Jugendlichen und Eltern eine Hilfe in einer schwierigen Lebensphase zu sein“, bekräftigt Walter Mitterrutzner, Obmann. Bis jetzt konnte das Südtiroler Kinderdorf immer ausreichend auf Spenden zurückgreifen, um Fehlbeträge, die durch die öffentliche Hand nicht gedeckt wurden, zurückgreifen. Die Verfügbarkeit von Eigenmitteln geht aber zurück.

Ehrung

Max-Wilhelm Homagk wurde für seine langjährige Tätigkeit im Südtiroler Kinderdorf geehrt. Vor 17 Jahren kam er mit seiner Frau ins Kinderdorf. Seine Frau war Kinderdorfmutti und er lebte auch im Haus. Nach einiger Zeit kündigte er seine Arbeit in Brixen und stieg als Familienhelfer voll in die Betreuungsarbeit im Kinderdorf ein. Seit 2012 ist er der „Kutscher“ im Kinderdorf und chauffiert die Kinder und Jugendlichen in die Schule, zu Therapien und zu Freizeitaktivitäten.

„Es war immer interessant mit den unterschiedlichen Kindern. Ich habe mit ihnen meinen  Horizont erweitert und bin durch sie menschlich gesehen gewachsen. Jedes Kind hat seine eigene Persönlichkeit und es war spannend sie kennenzulernen und zu beobachten wie sie sich entwickeln“, erinnert sich Homagk. Genau wie damals ist es auch heute: er liebt seine Arbeit im Kinderdorf.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen