Konflikt zwischen "Krone" und Partnern schwelt schon lange

Konflikt zwischen “Krone”-Eigentümern eskaliert wieder

Freitag, 22. März 2019 | 14:34 Uhr

Der Herausgeber und Chefredakteur der “Kronen Zeitung”, Christoph Dichand, hat am Freitag eine “Ausschlussklage” gegen den deutschen Miteigentümer Funke angekündigt. Dichand wirft der Funke-Gruppe, die unter anderem die Westdeutsche Allgemeine Zeitung herausgibt, “zahlreiche Treuwidrigkeiten” vor. Er beklagt “kreditschädigende Anschuldigungen” und den Versuch, ihn als Chefredakteur abzusetzen.

“Dies ist ein Angriff auf die Unabhängigkeit der Krone und ihrer Redaktion – und damit letztlich auch auf die Pressefreiheit”, so Dichand in einer Aussendung. Außerdem kritisierte er “Finanzinvestoren”, die die Krone “unter ihre Kontrolle bringen und ein laufendes Schiedsverfahren negativ beeinflussen wollen”. Damit spielt Dichand auf den Immobilieninvestor Rene Benko an, der im Vorjahr bei der Funke-Beteiligung an der Krone eingestiegen ist, ohne seinen Namen allerdings direkt zu nennen.

“Die Krone ist kein Spekulationsobjekt, sondern eine unabhängige Zeitung”, sagt Dichand weiter. Er habe eine Verantwortung für die Arbeitsplätze der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses und diese Verantwortung werde er wahrnehmen. “Die Sicherstellung dieser Unabhängigkeit ist ein Vermächtnis und Auftrag meines Vaters. Ich nehme diese Verpflichtung ernst und werde sie gemeinsam mit der Redaktion mit aller Kraft verteidigen”, so Dichand.

Die von der “Funke”-Gruppe gegen ihn erhobenen Vorwürfe bezeichnet Dichand als “konstruierte Behauptungen”. Laut einem Bericht der Tageszeitung “Österreich” will Funke nun beim Arbeitsgericht auf Entlassung von Chefredakteur Dichand klagen. Der Vorwurf: Angeblich ungerechtfertigte Spesen, die Dichand dem Verlag verrechnet hat, aus Sicht der “Funke”-Gruppe aber privat hätte bezahlen müssen. Unter anderem geht es um Flüge der Familie mit Privatjets und 20.000 Euro Spesen für Anreise und Aufenthalt bei Schiedsgerichtsverfahren gegen die Funke-Gruppe in Zürich. Wirtschaftsprüfer der Kanzlei Deloitte prüfen dem Bericht zufolge die Vorwürfe.

Dichands Anwältin Huberta Gheneff weist die Vorwürfe im “Standard” als “absurd” und “kreditschädigend” zurück. Die fraglichen Rechnungen seien “mehrfach geprüft und als betriebsnotwendig im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Chefredakteurs anerkannt”. Der kolportierte Plan einer arbeitsrechtlichen Klage auf Absetzung Dichands als Chefredakteur und Herausgeber sei außerdem juristisch nicht möglich. Sie kündigt ihrerseits an, den “lästigen Gesellschafter” Funke aus der Gesellschaft herausklagen zu wollen – wegen zahlreicher “Treuwidrigkeiten”.

Die deutsche Funke-Mediengruppe wollte die Auseinandersetzung mit der Familie Dichand am Freitag nicht kommentieren. Unterstützung erhält “Krone”-Herausgeber Christoph Dichand indessen vom Betriebsrat und vom Redaktionsbeirat der Zeitung, die ihm in einer gemeinsamen Stellungnahme “nachdrücklich” das Vertrauen aussprachen.

“Die Krone hat sich unter seiner Führung in schwierigen Zeiten äußerst erfolgreich behaupten können”, heißt es in der der APA übermittelten Stellungnahme. Dichands Abberufung würde der Zeitung “enormen Schaden zufügen”. Die Unabhängigkeit der Krone müsse auch in Zukunft oberste Priorität haben und wäre durch dieses Vorgehen massiv gefährdet, so der Betriebs- und der Beirat der Zeitung.

Der Konflikt zwischen den Dichands und ihren deutschen Partnern schwelt bereits seit Anfang der 2000er-Jahre und hatte sich damals an der Nachfolge des legendären “Krone”-Gründers Hans Dichand und der Bestellung Christoph Dichands zum Chefredakteur entzündet. Die beiden Eigentümerseiten deckten sich in der Folge über Jahre mit dutzenden Klagen ein.

Ein von der “Funke”-Gruppe angestrengtes Schiedsgerichtsverfahren punkto Gewinnverteilung haben die Dichands im Vorjahr gewonnen. Dabei ging es um eine “Rahmenvereinbarung”, laut der Familie Dichand ein “Vorabgewinn” aus dem Zeitungsgeschäft zusteht, für den die deutschen Miteigentümer im Zweifelsfall haften müssten. Ein weiteres Schiedsgerichtsverfahren zu diesem Thema wurde mittlerweile eingebracht. Unterstützt wird Christoph Dichand im aktuellen Konflikt von der Tageszeitung “Heute”, die von seiner Frau Eva Dichand geführt wird. Die titelte am Freitag online mit einem Bericht über “Benkos Raubrittter-Angriff auf die ‘Kronen Zeitung'”.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz