Modeindustrie verursacht ca. zehn Prozent der globalen CO2-Emissionen

Kosten von Kleidung für Umwelt enorm

Donnerstag, 13. Oktober 2022 | 08:23 Uhr

Kleidung zu kaufen war noch nie so günstig wie heute. Doch die damit verbundenen Umweltkosten spiegeln sich in den Preisen kaum wider. Ein Teil des Problems ist dabei der Umgang mit Ressourcen. Greenpeace wirft dem Textilhandel abermals vor, dass jährlich “Massen an neuwertiger Kleidung zerstört” und damit die Klimakrise befeuert wird. Die Umweltorganisation befragte große Modeketten in Österreich zum Umgang mit Retourware. Nur C&A legte einige Zahlen offen.

Demnach verzeichnete C&A 2020 etwa 540.000 Warenrückgaben und 2021 rund 565.000 retournierte Artikel in Österreich. Dabei seien alle nicht beschädigten Retouren wieder in den Verkauf gelangt, eine genaue Zahl wurde aber nicht genannt. Unverkaufte Ware werde an Großhändler weiterverkauft (2021: 160.000 Teile) oder an karitative Einrichtungen gespendet (2021: 11.000 Artikel).

Die Umweltorganisation stellte Anfragen an die Modehäuser H&M, C&A, Peek und Cloppenburg, Kleiderbauer, Zara, den Online-Modehändler Zalando sowie an Amazon. H&M, Peek und Cloppenburg sowie Amazon verwiesen auf hauseigene Nachhaltigkeitsinitiativen. Kleiderbauer, Zara und Zalando antworteten nicht.

Aus aktuellen Recherchen wisse Greenpeace, dass die “systematische Zerstörung von Neuwaren” nach wie vor gängige Praxis sei – insbesondere in der Textil- und Elektronikbranche, wenn Waren nicht innerhalb einer Saison verkauft werden können. Die Entsorgung komme Unternehmen oft günstiger, als retournierte Produkte aufzubereiten und wieder zu verkaufen. Eine Vorgehensweise, die in Zeiten der Klimakrise für heftige Kritik sorgt.

Kritik gibt es von der Umweltorganisation auch an Initiativen von Modehäusern, die alte Kleidung etwa gegen Rabattgutscheine zu tauschen und damit für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft zu werben. Die Secondhand-Kleidung lande häufig wegen schlechter Qualität auf Mülldeponien oder in Verbrennungsanlagen im globalen Süden, also in Ländern Afrikas oder Asiens.

Offizielle Zahlen oder Statistiken zum Umgang mit überschüssiger Ware in Österreich gibt es nicht. Im Vorjahr haben sich nach Angaben des Handelsverbandes wegen der Lockdowns etwa 50 Millionen unverkaufte Wintermodeartikel in den Lagern aufgetürmt. Derzeit erzielten manche Händler gute Umsätze, andere spürten aber sehr wohl die Kaufzurückhaltung wegen der Teuerung. Auch Touristen aus Russland, den USA und aus Asien fehlten aktuell, teilte ein Branchenvertreter des Mode- und Freizeithandels auf APA-Anfrage mit. Der Branchenvertreter versicherte aber, dass unverkaufte Artikel nicht einfach weggeworfen, sondern stark reduziert angeboten oder an Charity-Aktionen weitergereicht werden.

In Österreich ist der Umgang mit retournierter Neuware gesetzlich nicht geregelt. Neben Umweltorganisationen sprach sich heuer der Klimarat für eine gesetzliche Verankerung des Verbots der Vernichtung von Neuwaren aus. Der Klimarat besteht aus 100 zufällig ausgewählten Menschen in Österreich und einem wissenschaftlichen Beirat.

In Deutschland gibt es seit 2020 eine gesetzliche “Obhutspflicht”, die die unmittelbare Vernichtung von Retouren unterbinden soll. Für Verletzungen dieser Pflicht fehlt es aber noch an einer Sanktionsmöglichkeit. Greenpeace verwies diesbezüglich auf einen aktuellen Beitrag von “ZDF frontal”. Dieser zeige, dass in deutschen Amazon-Lagern, die auch den österreichischen Markt bedienen, weiterhin retournierte Neuware vernichtet wird.

Die EU-Kommission hat im Frühjahr 2022 eine Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien vorgelegt. Diese soll Hersteller entlang der gesamten Wertschöpfungskette, bis hin zur Entsorgung, in die Verantwortung nehmen. Die Verbrennung und Deponierung von Textilien soll in Zukunft im Rahmen der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte untersagt werden.

Nach Angaben des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) verursacht die Modeindustrie bis zu 10 Prozent der weltweiten jährlichen Treibhausgas-Emissionen. Der EU-Kommission zufolge ist der Verbrauch von Textilien der viertgrößte Faktor, was Auswirkungen auf Umwelt und Klimawandel angeht. Hoher Wasserverbrauch, der Einsatz von Chemikalien im Färbeprozess und bei der Herstellung künstlicher Gewebe, die Wasserverschmutzung in Ländern des globalen Südens und die weiten Transportwege der Kleidungsstücke führen zur schlechten Umweltbilanz der Textilindustrie.

Von: apa

Kommentare

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14 Kommentare auf "Kosten von Kleidung für Umwelt enorm"


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Paladin
Paladin
Superredner
1 Monat 22 Tage

Also zurück zum Jute-Sack 😂

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 22 Tage

Jeder verursacht irgendwas.
Interessanter wäre, wie viel durch die Überproduktion von Kleidung entsteht.

Wie viel mehr Kleidung wird für die westliche Welt produziert, als dann letztendlich gekauft wird (von Tragen reden wir gar nicht erst)?
Zwei mal? Drei mal? Mehr?

Staenkerer
1 Monat 22 Tage

i pummel zum zeitvertrib gern durch de stodt und durchn morkt und frog mi jedesmoll wer um gottes willen de gonzn hudern und schuhe kafn und unlegn soll! welche müllberge aus neuer ware sich do unsommlen MÜSSEN konn sich jeder ausrechnen!

bleib de froge: MUSS de mode ständig geändert wern?
a wenn einige, so wie i, sich nit drum schärn, sein viele de sich danoch kleiden, damit wandern a do viele, kaum getrogne sochn, jährlich in den müllsock!

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 22 Tage

Es fängt schon beim Namen an. Der Begriff “Mode” aber bereits aus, dass der Zeitraum beschränkt ist, also eine betändige Änderung.

Ich versteh’s auch nicht.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 22 Tage

Leider wird NUR der CO2 Abdrücke angeprangert! Wieviele Menschen für Billig – Klamotten unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten müssen interessiert fast niemanden!
Läden in denen bestimmte Kleidung unter gewissen Preisen angeboten wird, gehöhren VERBOTEN! Es kann und darf nicht sein, daß die Verantwortung immer an die Kunden weiter gegeben wird und diese Druck machen sollten denn einige haben das Geld nicht und andere Interessent nicht woher und wie ihre Wahren produziert werden.

Paladin
Paladin
Superredner
1 Monat 22 Tage

@N.G. da hast du absolut Recht. Die Modeindustrie an sich müsste sich mal dringend revisioniert werden. Aber das wird kaum passieren. Die Konsum-Lobby ist viel zu viel daran interessiert, dass wir so weitermachen wie bisher. Und dazu gehören nicht nur Milliardenkonzerne, sondern auch Influencer und andere Profiteure. Traurig aber es handelt sich hierbei um ein Milliardengeschäft.

So ist das
1 Monat 22 Tage

Das ist nichts neues. Hauptsache die Kassen klingeln 😳

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 22 Tage

Nein , denn nicht die Verkäufer haben immer Schuld, nicht die Käufer, es wäre einfach per Gesetz von vorne herein gegen das vorzugehen! Da werden absichtlich Verkäufer gegen Käufer ausgespielt weils parteipoliisch unvorteilhaft ist dagegen vorzugehen! Wie in allen Bereichen von Klimaschutz oder Arbeitnehmer Schutz!
Würde DUR jemand verbieten sowas zu KAUFEN , wäre RUHE und viel getan! Du suchst NUR Schuldige an der falschen Stelle!

fingerzeig
fingerzeig
Grünschnabel
1 Monat 22 Tage

und wieviel % macht die weltweite rüstungsindrie

Der Wahrhaftige
Der Wahrhaftige
Grünschnabel
1 Monat 22 Tage

Mich würde interessieren wo die Friday for future Protestanten alle ihre Kleidung kaufen!!!

Gievkeks
Gievkeks
Superredner
1 Monat 22 Tage

Funktionale robuste Kleidung > fragiler Modeschnickschnack

Für Markenempfehlungen bin ich immer zu haben.

So sig holt is
So sig holt is
Universalgelehrter
1 Monat 22 Tage
brauchsch lei schaugen wos so monche leit inkafen… olle poor wochen an nuin pullover, Hose oder tshirt… 3 mol trogen und weck damit weil. isch dorweil jo wieder wos nuis im gwondkoschten… i kaf liaber eppes für 80 bis 100€ 1 mol es johr, heb ewig und schaug a noch 30 mol waschen olm no guat aus… nit so wia des billig zuig! ober hey, kleider machen leute und geld hoben die leit no genua wenn man in konsum in die Städte unschaug… ober jammern dass. olls tuier isch decht, weil wenn man sich nimmer mol a paar Hosen olle… Weiterlesen »
ieztuets
ieztuets
Superredner
1 Monat 22 Tage

I kaf schunn long niamar jedn nuimodischn Sch…, obr a die “Qualitäts”-Klamottn sein um kuen Deut besser wenn do in Forum jemand sell glab!

Bissgure
Bissgure
Tratscher
1 Monat 22 Tage

wenn die leit lame des kafatn wosnse wirklich brauchn , brauchats nimma gonza berge hudon und klamottn wosn la uan saison gitrogn wern .in geldbeitl und do umwelt war kolfn !!

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