Digital funktioniert der kreative Prozess mit mehreren auch aus der Distanz

Kreativ mit virtuellen Mindmaps und Post-its

Freitag, 19. März 2021 | 11:29 Uhr

Das Buchprojekt, die Hochzeit oder eine neue Webseite: Kreative Ideen wollen erarbeitet und festgehalten werden. Mit einem Blatt Papier stößt man schnell an Grenzen. Digitale Helfer können es richten.

Es geht darum, aus der Distanz heraus kreativ zu werden, auch noch mit mehreren Menschen? Dann sind digitale Tools für das Ideenmanagement unentbehrlich. Mit ihnen hält man Gedanken, Assoziationen und Brainstormings fest. Und sie erleichtern das Organisieren, Strukturieren und Ändern.

Eine Möglichkeit, Ideen zu sammeln, sind Mindmaps. Das Konzept geht auf den Autor Tony Buzan zurück, weiß André Kramer vom Fachmagazin “c’t”. Diese Technik verbindet die Möglichkeit einer Gliederung mit Kreativität. “In der Mitte steht ein Thema, davon ausgehend entstehen Verzweigungen und Unterpunkte, die sich jeweils weiterverzweigen.”

Dabei sei keiner der Zweige untereinander verbunden. “Am Ende erhält man eine Gliederung, die jedes Objekt einem anderen Objekt unterordnet.” So kann aus einer Mindmap etwa ein Inhaltsverzeichnis oder eine Struktur für eine Präsentation entstehen.

Längst gibt es Möglichkeiten, digitale Mindmaps anzulegen. Eines der ältesten Programme dafür ist Kramer zufolge “Mindmanager”. Allerdings sei die Software längst kein reines Brainstorming-Tool mehr. “Man kann hier Diagramme aller Art erstellen und Projektmanagement inklusive Kostenabschätzung betreiben.”

Das analoge Blatt Papier simulieren

Zusätzlich gebe es einen Brainstorming-Modus, in dem alles andere ausgeblendet wird, um quasi das analoge weiße Blatt Papier zu simulieren, sagt Kramer. Je nach Abo-Modell ist auch eine Integration in “Microsoft Teams” möglich. Die Mindmaps lassen sich als Bild oder im pdf-Format exportieren.

Patrick Kurz ist Experte für effizientes Arbeiten. Er empfiehlt “Microsoft OneNote” als digitales Notizbuch. Hier ließen sich Videos, Texte oder Bilder, aber auch handschriftlich Geschriebenes und Zeichnungen hereinkopieren. “Wer zum Beispiel auf dem Tablet eine Mindmap per Hand skizziert, kann das in “OneNote” integrieren.”

So entstandene Ideen würden in To-do-Listen, Aufgaben oder Termine umgewandelt. “Häufig ist es extrem wichtig, dass das Ideenmanagement optimal in den Workflow einfließen kann”, sagt Kurz. Jeder könne die Anwendung auf seinem Endgerät nutzen, die Notizen ließen sich aber ebenso an die Wand projizieren. “Wenn alle im Homeoffice sitzen, kann einer den Bildschirm teilen und alle können parallel daran arbeiten.”

Digitale Pinnwände und Boards

Wer Ideen nicht nur sammeln, sondern auch strukturieren will, ist Cordula Nussbaum zufolge mit der digitalen Pinnwand “Padlet” oder der Board-basierten Projektmanagementsoftware “Trello” gut bedient. Hier ließen sich Ideen auf virtuellen Post-its festhalten und clustern. “Wird ein Post-it bewegt, sehen das alle”, erklärt die Zeitmanagement-Expertin aus Sauerlach bei München.

Als reine Browser-Anwendung für Mindmaps ist zudem “Mindmeister” beliebt, das in der Basisversion kostenlos ist. “Die Anwendung hat eine große Nutzercommunity und viele Mindmaps, die online zur Inspiration abrufbar sind”, sagt André Kramer. Sie zeichne sich durch eine frische visuelle Darstellung aus. Im Brainstorming-Modus könne online gemeinsam im Team gearbeitet werden. Die Ergebnisse würden allerdings in der Cloud gespeichert.

Für die Entscheidung, ob analoges Flipchart oder digitales Board sei relevant, ob und wie haptisch man veranlagt sei, meint Nussbaum. “Haptische Menschen sind viel entspannter und kreativer, wenn sie kritzeln können.” Das könne jedoch auch auf einem Tablet mit Stifteingabe passieren.

Mit einfachen Mitteln ausprobieren

Für einen ersten Austausch könne es schon reichen, ein “Word”- oder “Powerpoint”-Dokument anzulegen, in das alle hereinschreiben, sagt Cordula Nussbaum. Die Datei sollte auf einem Server liegen, um gleichzeitiges Bearbeiten zu ermöglichen. Eine weitere Option sei das Einrichten eines Channels in Chat-Programmen wie “Microsoft Teams” oder “Slack”, in dem alle ihre Gedanken gemeinsam sammeln.

Um sich für das oder die richtigen Tools zu entscheiden, regt Patrick Kurz an, vorab folgende Fragen zu klären: Was kann das Tool an sich und was brauche ich? Wie gut lässt sich das Tool verknüpfen, wo gibt es Schnittpunkte? Arbeiten meine anderen Programme damit zusammen, wenn ich das will?

Und: “Idealerweise kennen die Gruppenmitglieder das Tool schon aus ihrem jetzigen Alltag oder zumindest die Anmutung”, sagt Cordula Nussbaum. Sie rät zudem, bei digitaler Zusammenarbeit mehr Pausen zu machen als sonst vielleicht: “Alle 60 Minuten sollten die Beteiligten den Bildschirm ausmachen, aufstehen, lüften und etwas trinken.”

Von: APA/dpa

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