"Kaufkraft der Familien unterstützen und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen bewahren"

Krieg und Inflation: Unternehmerverband besorgt

Mittwoch, 13. April 2022 | 11:01 Uhr

Bozen – Das Präsidium des Unternehmerverbandes hat sich in seiner letzten Sitzung ausführlich über die Auswirkungen des Ukrainekonfliktes unterhalten. Die humanitäre Notlage steht im Vordergrund, aber auch die Sorge um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Europa ist groß. Präsident Heiner Oberrauch fasst diese so zusammen: „Es besteht dringender Handlungsbedarf. Wir müssen an schnell wirksamen, zielgenauen Maßnahmen arbeiten, um die Kaufkraft der Familien zu unterstützen und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu bewahren. Jetzt gilt mehr denn je das “sowohl als auch“, denn soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit stärken sich gegenseitig.“

Unternehmen seien wegen der Energie- und Rohstoffpreise und der Lieferengpässen gezwungen, ihre Produktion zu reduzieren oder gar einzustellen. Hochwertige Arbeitsplätze seien davon betroffen und dies zu einem Zeitpunkt, an dem Familien wegen der andauernden Pandemie und der steigenden Inflation ohnehin schon stark belastet sind. „Wir müssen gemeinsam Lösungen finden, die unsere gesamte Gesellschaft stärken“, so das Präsidium.

Derzeit jagt eine Krise die andere. Die Coronapandemie ist noch nicht vorbei, Lieferengpässe bei Mikrochips, Getreide, Stahl oder Kupfer bremsen die Produktion ein, die Energiekosten sind außer Kontrolle geraten und die steigende Inflation bereitet Familien und Unternehmen große Schwierigkeiten. Laut einer Erhebung von Confindustria, haben 16 Prozent der italienischen Industrieunternehmen die Produktion schon gedrosselt; weitere 30 Prozent werden folgen, sollte der Krieg in der Ukraine noch länger andauern.

“Bisher haben die Unternehmen versucht, durch effizientere Produktionsprozesse und eine Reduzierung der Gewinnspannen die Preisanstiege abzufedern und diese nicht an ihre Kunden weitergegeben. Das wird so nicht mehr möglich sein. Wir sind gefordert Unternehmen, deren Mitarbeitern und Familien durch gezielte Maßnahmen gemeinsam zu stärken. Die beste Sozialpolitik ist eine gute, zukunftsweisende Wirtschaftspolitik. Hierfür benötigen wir mehr denn je ein starkes Europa, denn einige der anstehenden großen Herausforderungen werden nur auf europäischer Ebene zu lösen sein. Dies betrifft vor allem die Energiepolitik und die Heimholung strategischer Produktionen“, so Oberrauch weiter.

Schnelle und unbürokratische Genehmigungsverfahren für Investitionen in alternative Energien wie etwa Fotovoltaikanlagen; Beiträge für Investitionen in innovative Lösungen in Energieeffizienz; steuerliche Anreize für unterirdisches Bauen; Beschleunigung der öffentlichen Investitionen in E-Mobilität und die dafür notwendigen Infrastrukturen, seien zukunftsweisende Maßnahmen, um die Energiewende zu unterstützen und private Investitionen zu stärken, so Oberrauch.

Die von der Landesregierung angekündigte Überarbeitung des Landeshaushaltes werde vom Unternehmerverband sehr begrüßt. „Es wird große Investitionen brauchen, um Südtirol zu einer europäischen Vorzeigeregion im Bereich Nachhaltigkeit zu machen. Die öffentlichen Mittel müssen dort eingesetzt werden, wo sie den größten Mehrwert bringen. Verfahren müssen vereinfacht werden, Doppelgleisigkeiten können wir uns nicht mehr leisten“, so Oberrauch. Im Dialog mit den zuständigen politischen Institutionen werde man auch hier Vorschläge unterbreiten.

Ressourcen freimachen sei auch strategisch, um die Steuern auf Arbeit zu reduzieren. „Hier ist vor allem die italienische Regierung gefordert, aber auch auf lokaler Ebene gibt es Spielräume, um Familien und Unternehmen zu entlasten“, ist das Präsidium des Unternehmerverbandes in Hinblick auf IRAP oder GIS überzeugt.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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3 Kommentare auf "Krieg und Inflation: Unternehmerverband besorgt"


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TheRealFantozzi
TheRealFantozzi
Grünschnabel
1 Monat 14 Tage

Schwierige Zeiten rollen auf Europa zu

Mikeman
Mikeman
Kinig
1 Monat 14 Tage

@ TheRealFantozzi
das ist noch nix was da wohl noch folgen wird, Coronastillstand und Ukraine und wer weiss ob nicht noch was dazukommt 😳.

PhilGrill
PhilGrill
Grünschnabel
1 Monat 14 Tage

Die Reduzierung der IRAP wäre von mir aus zu begrüßen. Die GIS erhöhungen betreffen sowieso nur leerstehende Wohnungen in Gemeinden mit Wohnungsnot. Wer es sich leisten kann eine leerstehende Wohnung in so einer Gemeinde zu haben wird durch eine Senkung der GIS nicht maßgeblich an der Änderung des Konsumverhaltens beitragen, da er sich den Konsum ja trotzdem leisten kann. Ehr könnten sich diese sich doch entschließen die leerstehende Wohnung zu vermieten und dadurch die Mietpreise als gesamtes senken, da das Angebot dann größer ist.

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