Kroatien empfing China mit allen Ehren

Kroatien zeigt sich offen für Investitionen aus China

Donnerstag, 11. April 2019 | 06:41 Uhr

Das jüngste EU-Mitglied Kroatien zeigt sich im Vorfeld des diesjährigen China-Mittel-OstEuropa-Gipfels, der am Donnerstag in der kroatischen Adriastadt Dubrovnik beginnt, offen für chinesische Investitionen. Die Regierungen der beiden Länder werden laut Medienberichten insgesamt zehn bilaterale Abkommen unterzeichnen.

Einige Kooperationsabkommen, darunter im Bereich der Bahninfrastruktur und Landwirtschaft, wurden bereits beim bilateralen Treffen am Mittwoch in Zagreb unterzeichnet, weitere sollen beim sogenannten 16+1-Gipfel folgen. Die chinesische Seite hat Berichten zufolge auch ganz konkrete Projekte hervorgehoben, unter anderem in der Bahn- und Hafeninfrastruktur sowie im Schiffsbau, berichteten kroatische Medien.

Chinas Premierminister Li Keqiang bezeichnete die bilaterale Gespräche mit dem kroatischen Amtskollegen Andrej Plenkovic als “fruchtbringend”. Die beiden Länder seien bereit, eine “diamantene Ära” in ihren Beziehungen zu eröffnen. Der kroatische Premier sprach von einer “großen Chance” für Kroatiens Wirtschaft.

Nach informellen Informationen der Tageszeitung “Jutarnji list” zeigten die Chinesen Interesse an der Bahnstrecke zwischen der Hafenstadt Rijeka und der Hauptstadt Zagreb. Wirtschaftsminister Darko Horvat bestätigte gegenüber dem Regionalsender N1, dass ein entsprechendes Angebot an chinesische Unternehmen übermittelt werde. Mit der Erneuerung der Strecke, die den Hafen über Zagreb mit Budapest verbinden würde, würde der Hafen Rijeka zum größten Exporthafen für europäische Produkte nach China werden, sagte der Minister.

Chinesische Firmen wollen sich auch an einer laufenden Ausschreibung für die 50-jährige Konzession für den Containerterminal im Hafen Rijeka bewerben, berichtete “Jutarnji list”. Darüber hinaus sollen Chinesen auch am angeschlagenen Schiffsbauunternehmen Uljanik interessiert sein. Der größte kroatische Schiffsbauer, der Werften in Rijeka und Pula betreibt und am Rande des Bankrotts steht, bräuchte dringend einen finanzkräftigen strategischen Partner.

Das jüngste EU-Mitglied teilt offenbar die Sicherheitsbedenken anderer EU-Staaten gegen den chinesischen Technologiekonzern Huawei nicht. Die staatliche kroatische Digitalbehörde hat am Mittwoch mit Huawei eine Absichtserklärung unterzeichnet, mit der die Kooperation in Bereich der Digitalisierung und digitalen Transformation gestärkt werden soll.

Die Tür für Kooperationen mit China hat Kroatien bereits im Vorjahr geöffnet, als das staatliche chinesische Bauunternehmen China Road and Bridge Corporation (CRCB) den Zuschlag für den Bau der Peljesac-Brücke erhielt und bei dem Großprojekt die Mitbewerber aus der EU aus dem Feld schlug. Die Brücke soll insgesamt 420 Mio. Euro kosten, wovon 85 Prozent aus EU-Fonds finanziert werden. Die Bauarbeiten haben im vergangenen Juli begonnen.

Von dem Gipfeltreffen, das am Donnerstag und Freitag in Dubrovnik stattfinden wird, erhoffen sich auch andere Länder laut Medienberichten große Investitionen aus China. Die Regierungschefs aus elf ost-südosteuropäischen EU- und fünf Nicht-EU-Mitgliedsstaaten treffen seit 2012 jährlich mit ihren chinesischen Amtskollegen zusammen. Zusätzlich zum Gipfeltreffen wird auch ein Unternehmerforum abgehalten.

Österreich nimmt an dem Treffen als Beobachter teil und wird durch Regierungssprecher Peter Launsky-Tieffenthal vertreten sein, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Außenministerium. “Uns ist wichtig, dass die EU China gegenüber mit einer Stimme spricht”, sagte ein Sprecher des Außenamts, der zugleich auf die “sehr guten bilateralen Beziehungen” Österreichs zu China verwies.

Von: apa