Verbrennermotoren sind in Verruf gekommen

Leichtfried will Verkehrsemissionen bis 2030 deutlich senken

Dienstag, 26. September 2017 | 16:16 Uhr

Am Dienstag ist der Startschuss für die Erarbeitung des “Aktionsplan für Sauberen Verkehr – Mobilitätswende 2030” gefallen. Das Verkehrsministerium will die Emissionen aus dem Verkehr bis 2030 um ein Viertel senken. Ein Verbot von Autos mit Verbrennermotoren schloss Minister Jörg Leichtfried (SPÖ) nach dem ersten Arbeitstreffen mit verschiedenen Dialogpartnern einmal mehr dezidiert aus.

Der Plan soll dazu dienen, dass Österreich die Klimaziele im Verkehrsbereich schafft. Leichtfried will, dass es gelingt, abgasfreie Autos bis 2030 derart leistbar und praxistauglich zu machen, damit dann freiwillig – und ohne irgendwelche Verbote – nur mehr emissionsfreie Fahrzeuge zur Neuzulassung angemeldet werden. Dafür soll es bis 2020 rund 5.000 öffentlich zugängliche E-Auto-Ladestationen geben. Derzeit sind es laut Ministerium rund 2.600. Abseits des Individualverkehrs sieht der Aktionsplan laut Ministerium vor, dass die Fahrzeugflotten von Bund und Ländern abgasfrei und der öffentliche Verkehr ausgebaut werden.

2030 soll sich “eine Familie, die über den Kauf eines Neuwagens nachdenkt, freiwillig für ein E-Auto entscheiden, weil es alltagstauglich, zuverlässig und leistbar ist'”, so Leichtfried. “Wir wollen die Mobilitätswende für Österreich. Dazu müssen wir jetzt die Pflöcke einschlagen. Es braucht dafür saubere Autos, aber auch mehr Geld für die Öffis und eine bessere Infrastruktur, etwa E-Tankstellen flächendeckend in ganz Österreich.”

Summen wurden nach dem ersten Arbeitsgespräch – der Plan soll bis Herbst 2018 stehen – noch keine genannt. Unabhängig von den Neuwahlen soll der Prozess weiterlaufen. Es geht um E-Mobilität, Investitionen in öffentlichen Verkehr und Infrastruktur, Güterverkehr, Rad- und Fußgängerverkehr, Carsharing-Modelle, Raumordnung sowie Anreiz- und Finanzierungssysteme für den Umstieg auf umweltfreundliche Mobilität.

Im Oktober wird von Leichtfried erst einmal ein sogenannter Sachstandsbericht beauftragt. Dieser erfasse den Status quo und prüfe, welche Maßnahmen sich eigneten, um die im Aktionsplan genannten Ziele zu erreichen. “Dabei werden Wirkung, soziale Verträglichkeit und Kosten analysiert, zum Beispiel ob die Zahl der E-Ladestationen ausreicht, welche rechtlichen Änderungen es braucht, um Heim-Ladestationen auch in Mehrfamilienhäusern zu ermöglichen und wie das finanziert werden kann”, teilte das Ministerium mit.

Statt Wahlkampfgetöse forderte der SPÖ-Minister “eine sachliche Diskussion und vernünftige Lösungen für die Österreicher”. Die Autofahrer, die “im guten Glauben” einen Diesel gekauft hätten, müssten geschützt werden, daher werde es keine Verbote geben. “Wir müssen aber mit den Abgaswerten herunterkommen.” Das bedeute “strengere Vorgaben für die Hersteller und scharfe Kontrollen in ganz Europa”. Damit die Autofahrer zu ihrem Recht kommen könnten, brauche es die Gruppenklage, bekräftigte Leichtfried den Ruf der Sozialdemokraten nach einer solchen Möglichkeit.

Grundlage für den Aktionsplan Sauberer Verkehr ist die – allerdings auf Eis liegende – Energie- und Klimastrategie der Bundesregierung. “Wir starten nicht von null weg: Das Verkehrsministerium hat seine Hausaufgaben erledigt und seinen Teil der Klimastrategie zum Verkehr fertiggestellt”, so Leichtfried. Dieser werde breit diskutiert und weiterentwickelt. Aber: “Die ÖVP hat die Klimastrategie versenkt. Wir können es uns aber nicht leisten, ein weiteres Jahr zu verlieren”, teilte Leichtfried an den scheidenden Koalitionspartner aus.

An der heutigen Auftaktveranstaltung nahmen Vertreter des Verkehrs-, Wirtschafts-, und Umweltministeriums, der Verkehrsreferate der Bundesländer, der Autofahrerklubs, der Automobilindustrie, der Umweltmedizin sowie von Nichtregierungsorganisationen (NGO) teil.

Anders als die Autofahrerklubs ÖAMTC und ARBÖ hält der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) einen Ausstieg aus Verbrennungsmotoren bei Neuwagen bis 2030 für “nötig und möglich, um die Klimaziele zu erreichen”. Das teilte der VCÖ mit. ARBÖ und ÖAMTC sind gegen ein Fahr- oder Zulassungsverbot für ältere Fahrzeuge nach dem Jahr 2030, da sonst ein “schlagartiger” Verlust an Wert der Fahrzeuge drohe. Der VCÖ hält dem entgegen, dass es mehr emissionsfreie Mobilität brauche, “auch um die zu hohe Stickstoffdioxid-Belastung in vielen Städten Österreichs zu verringern”.

Da die Klimaziele einen Ausstieg aus fossilen Energieträgern bis 2050 vorsehen, “ist klar, dass Benzin und Diesel langfristig keine Zukunft haben. Damit der Verkehr im Jahr 2050 von Erdöl unabhängig ist, muss rund 20 Jahre vorher der Ausstieg bei den Neuwagen beginnen. Sonst geht sich das nicht aus”, so VCÖ-Mann Markus Gansterer.

Die Grünen Klimaschutzlandesräte haben sich unterdessen in der Dieseldebatte mit einem Brief an Verkehrsminister Leichtfried und Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) gewandt. Sie benannten Forderungen an die bundespolitisch zuständigen Player. Im Schreiben der Grünen stellen die Grünen Landespolitiker dar, was aus ihrer Sicht eine Abgasstrategie bis 2030 beinhalten müsse. Das sei einerseits das “Abarbeiten der durch den Dieselskandal nochmals zugespitzten Problemstellungen rund um die Schadstoffe aus dem Verkehr”. Und andererseits eine schnelle “Einigung auf rasche, auch lenkende und nicht nur fördernde Maßnahmen mit Blickrichtung abgasfreie Mobilität ab 2030”. Nur so könne man auf aktuelle und kommende Herausforderungen reagieren, eine Mobilitätswende sicherstellen und eine Überforderung der öffentlichen Haushalte vermeiden.

Die Grünen wollen den Umstieg auf die Zeit nach dem Verbrennungsmotor zügiger vorantreiben”, schreiben sie. Es brauche eine “Elektromobilitätsoffensive nach dem Muster Norwegens mit dem Abbau der Steuervorteile und Subventionen für Fossile” samt ökosozialer Steuerreform als Ausgangspunkte. Ab 2030 soll es keine Neuzulassung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren (Pkw und leichte Nutzfahrzeuge) mehr geben.

Von: apa

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