Gebäude geht an Benko

Leiner-Flagshipstore in Wien an Benko verkauft

Freitag, 05. Januar 2018 | 16:28 Uhr

Der Bilanzskandal beim Kika/Leiner-Eigentümer Steinhoff hat bereits deutliche Auswirkungen in Österreich. Steinhoff hat den Leiner-Flagshipstore auf der Wiener Mariahilfer Straße an Immobilienmilliardär Rene Benko verkauft, um zu Geld zu kommen. Die Leiner-Filiale bleibt im Gebäude, “Kika/Leiner hat für das Haus einen bestehenden Mietvertrag bis zum Jahr 2030”, so eine Firmensprecherin.

“Für unsere Kunden bleibt alles, wie es ist.” Der Verkauf sei Teil der Restrukturierung des Kika/Leiner-Eigentümers Steinhoff. Ein Bilanzskandal und der darauffolgende Aktienabsturz erschüttern seit Anfang Dezember den deutsch-südafrikanischen Möbelriesen mit zuletzt 13,5 Mrd. Euro Jahresumsatz. Nach dem Auffliegen von Bilanzunregelmäßigkeiten mussten der Steinhoff-Vorstandsvorsitzende, der Aufsichtsratschef und der Finanzvorstand ihre Posten räumen.

Ob Benko an weiteren Leiner/Kika- oder Steinhoff-Immobilien interessiert ist, wollte ein Sprecher von Benkos Immobilienfirma Signa auf APA-Anfrage am Freitag nicht kommentieren. Marktbeobachter erwarten, dass, um die Liquidität von Kika/Leiner zu sichern, in den nächsten 10 Tagen noch intensiv an verschiedenen Fronten verhandelt wird. Sogar Kanzler Sebastian Kurz und Justizminister Josef Moser sollen in die Rettungsaktion eingebunden gewesen sein, schreibt das Magazin. Der Termindruck vor dem für die Rettungsaktion bilanztechnisch wichtigen Jahreswechsel wäre offenbar sonst nicht bewältigbar gewesen.

Zu diesem Zeitpunkt mussten auch die Löhne und Gehälter von fast 6.000 Beschäftigten in Österreich bezahlt werden. Bei der Auszahlung der Dezember-Gehälter soll es zu einer Verspätung von einigen Tagen gekommen sein, hieß es aus Mitarbeiterkreisen gegenüber der APA.

Der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) sieht bei Kika/Leiner ein “leicht erhöhtes Risiko” und empfiehlt Lieferanten der Möbelkette, vorübergehend nicht unbesichert auf offene Rechnung zu liefern. Auch unter den Kunden soll es vermehrt Anfragen geben, ob bereits getätigte Anzahlungen sicher seien. Österreich-Chef Gunnar George versicherte im APA-Gespräch, dass die Anzahlungen der Kunden auf einem Treuhandkonto liegen.

Von: apa