NGO kümmert sich um Augengesundheit und noch mehr

“Licht für die Welt” ermöglichte 2016 über 100.000 Augen-OPs

Sonntag, 02. April 2017 | 10:30 Uhr

Die Hilfsorganisation “Licht für die Welt” hat im Vorjahr erstmals mehr als 100.000 Augenoperationen in Entwicklungsländern ermöglicht. 52.000 der rund 106.000 Eingriffe betrafen den Grauen Star, der für die meisten Fälle von Blindheit in der Dritten Welt verantwortlich ist. “Jede einzelne OP bedeutet enorm viel”, sagte die Geschäftsführerin von “Licht für die Welt” Österreich, Johanna Mang.

“Licht für die Welt” begann vor 28 Jahren als Hilfsorganisation für die Augengesundheit, nicht zuletzt deshalb zeigte sich Mang im APA-Gespräch durchaus stolz. Augengesundheit mache auch nach wie vor einen wichtigen Teil der Arbeit aus. Die NGO hat aber in den vergangenen Jahren ihre Agenden deutlich erweitert und ist zu einer nach eigenen Angaben Fachorganisation für inklusive Entwicklung geworden.

Das war, wie Mang erläuterte, ein mehr oder weniger automatischer Prozess. Der Aufbau der Strukturen zur Hilfe bei der Augengesundheit führte zum Erkennen der Notwendigkeiten für die Menschen in den Gebieten, in denen “Licht für die Welt” tätig ist. So war bald klar, dass man die Menschen in den kleinen Dörfern erreichen muss. Vor allem gute Diagnostiker, auch beim Pflegepersonal, waren gefragt, weil die Dichte an Augenmedizinern in Entwicklungsländern viel kleiner ist. Das führte dazu, dass ein Schwerpunkt in die Ausbildung von Personal gelegt wurde – quantitativ und qualitativ. “Ein Beispiel: In Mosambik gibt es 25 Millionen Einwohner und 25 Augenärzte. In Österreich würde diese Quote bedeuten, dass wir acht Augenärzte hätten – im ganzen Land”, schilderte Mang.

Diese Strategie hat auch bereits Erfolge erzielt: In Uganda gibt es ein flächendeckendes Programm, bei dem Kinder in den Schulen auf Sehschärfefehlern untersucht werden. Wenn optische Brillen gebraucht werden, schicken die Spezialisten die Daten an eine Optikerwerkstatt in Kampala, wo die entsprechenden Behelfsmittel hergestellt und dorthin zurückgesendet werden, wo der Bedarf besteht. “Wir haben das System aufgebaut, das Personal ausgebildet”, sagte Mang. Das Projekt wird demnächst von “Licht für die Welt” abgegeben. “Das Modell schauen wir uns nun in Burkina Faso an, in Äthiopien.” Ziel ist in jedem Fall, solche Projekte selbsterhaltend zu machen.

Und so hat sich das Spektrum auch weiterentwickelt: “Man hat angefangen mit den Katarakt-Operationen. Dann merkt man, wir brauchen Ärzte und Personal. Dann bekommt man mit, wir brauchen ein umfassendes Augengesundheitsprogramm. Und dann merkten wir, wie Blindheit in der Gesellschaft gesehen wird”, schilderte Mang den Prozess. Bis es irgendwann nicht mehr nur um die Augen ging, sondern um verschiedene Behinderungen, mit denen die Mitarbeiter in Entwicklungsländern ohnehin viel öfter als in Industrienationen konfrontiert sind. “Da kann man nicht wegschauen und sagen, wir kümmern uns um die Augengesundheit und der Rest interessiert uns nicht.”

Der nächste Schritt war die sogenannte gemeindenahe Rehabilitation. In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern kümmern sich die “Licht für die Welt”-Mitarbeiter um Menschen mit Behinderungen in deren unmittelbarem sozialen Umfeld. Recherchiert werden die Bedürfnisse der Betroffenen und deren Familien, deren Einkommensverhältnisse. Danach wird ein Unterstützungsprogramm ausgerichtet. Ein Beispiel: “Wenn ein Wasserprojekt umgesetzt wird, wird mitgedacht, dass Menschen mit Behinderungen Zugang haben.”

Mittlerweile liegt der Fokus von “Licht für die Welt” auch sehr stark auf anwaltschaftlicher Arbeit für Menschen mit Behinderungen. Die Organisation unterstützt ihre Klienten zum Beispiel auch gemeinsam mit lokalen Partnern in den jeweiligen Ländern, wenn es um Arbeitskämpfe geht. Ebenso kümmert sich “Licht für die Welt” massiv um die Umsetzung inklusiver Bildung – Kinder mit und ohne Behinderung besuchen ein und die selbe Schule.

Dabei ortetet Mang aber auch in Österreich nach wie vor massive Probleme. “Ich habe in meiner Schule kein Kind mit Behinderung gehabt. Mir wurde die Chance genommen, mit Diversität zu leben”, sagte sie und forderte die Abschaffung der Sonderschule. Das speziell ausgebildete Personal müsse keine Angst um seine Jobs haben, “diese Leute werden dringend benötigt”, betonte Mang.

Außerdem kritisierte sie massiv Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) wegen seiner Aussagen zu NGOs, die an Rettungsaktionen für Flüchtlinge im Mittelmeer beteiligt sind. “Die Sachen von Kurz werden von den Identitären retweeted, da brauche ich nicht mehr dazu sagen”, so Mang.

Von: apa