Lkws im Stau auf der Autobahn

Lkw-Blockabfertigungen in Tirol werden zeitlich ausgedehnt

Freitag, 07. Juni 2019 | 16:03 Uhr

Die schwarz-grüne Tiroler Landesregierung verschärft die Lkw-Blockabfertigungen bei Kufstein Nord. Laut einem Bericht der “Tiroler Tageszeitung” können die Verkehrsdosierungen “so lange aufrechterhalten werden, wie es der Bedarf verlangt”. Die Landesregierung hatte in der Vorwoche ein diesbezügliches Prüfverfahren angekündigt, das nun abgeschlossen sei. Aus Deutschland kam dazu scharfe Kritik.

Mit der neuen Regelung könnte der Verkehr zukünftig auch über den ganzen Tag blockweise abgefertigt werden, hieß es aus Tirol. Bisher war das nur in der Früh zwischen 5.00 Uhr und 10.00 Uhr möglich. Zum ersten Mal könnte die Maßnahme bereits an diesem Wochenende angewandt werden. Das Land Tirol hatte am Donnerstag kurzfristig bekannt gegeben, am Freitag bereits ab 12.00 Uhr und am Samstag um 5.00 Uhr mit der Dosierung des Verkehrs zu beginnen.

Indes forderte der Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer eine Gewichtsbeschränkung für Fahrzeuge ab 28 Tonnen und schlug diesbezügliche Verhandlungen mit dem Verkehrsministerium vor. “Das Warten auf den Brennerbasistunnel, der erst Ende 2028 in Betrieb geht, hilft nicht, genauso wenig wie eine Blockabfertigung”, meinte Dornauer gegenüber der “TT”.

Vergangenen Donnerstag hatte die Landesregierung mitgeteilt, dass man Experten mit der Prüfung einer “Optimierung bzw. Erweiterung der Blockabfertigungszeiten” beauftragt habe. Besonders ins Auge gefasst hatte man Tage, die bezüglich der Verkehrsintensität vergleichbar mit der Woche rund um Christi Himmelfahrt seien. Am Tag vor diesem Feiertag habe man von 5.00 Uhr bis 10.00 Uhr rund 1.300 Lkw registriert, der Rückstau in Bayern habe teilweise 40 Kilometer betragen.

Unterdessen hat der Zentralverband Spedition & Logistik die Landesregierung hinsichtlich der Blockabfertigungen bei Kufstein Nord scharf kritisiert. Die “Verbotspraxis richtet immensen Schaden an” und habe keine nachhaltig positiven Auswirkungen für Umwelt, Verkehr und Wirtschaft, teilte der Verband am Freitag mit. Er forderte die Landesregierung auf, “ständige Ad-hoc-Aktionen” zu unterlassen.

“Kurzfristige und einseitige Lkw-Fahrverbote, wie sie dieses Wochenende wieder auf der A12 (Inntalautobahn) und der A13 (Brennerautobahn) verhängt werden, sind ökologisch und ökonomisch kontraproduktiv”, sagte Alexander Friesz, Präsident des österreichischen Zentralverbandes Spedition & Logistik. Es grenze schon an eine “Farce”, wenn man die Branche erst kurz vorher über die Blockabfertigungen informierte.

Nach Ansicht des deutschen Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) verstößt die Blockabfertigung von Lastwagen an der österreichischen Grenze gegen das EU-Recht: “Es ist absolut inakzeptabel, dass Tirol an Pfingsten kurzfristig zusätzliche Lkw-Blockabfertigungen anordnet. Die Tirol-Blockade ist nicht nur eine massive Störung des deutschen Urlaubsverkehrs, sondern auch ein klarer Verstoß gegen EU-Recht und den freien Warenverkehr”, sagte Scheuer am Freitag in Berlin. Deutschland sei sich bei der Bewertung mit Italien “vollkommen einig”.

“Ich fordere die österreichische Bundesregierung auf, sofort einzuschreiten und dem willkürlichen Treiben des Landes Tirol ein Ende zu bereiten”, betonte Scheuer. Auch die EU-Kommission dürfe sich nicht “ständig windelweich” um eine klare Position herumdrücken. “Sie muss endlich sagen, dass es mit Blick auf den gemeinsamen Wirtschaftsraum Europa so nicht weitergehen kann.”

Von: apa

Bezirk: Bozen