Firma Zeitfracht hat Interesse an Air Berlin

Logistikunternehmen will Air Berlin komplett übernehmen

Dienstag, 05. September 2017 | 11:35 Uhr

Die Liste der Kaufinteressenten für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin wird immer länger. Das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht kündigte am Dienstag an, für die zweitgrößte deutsche Airline bis 15. September bieten zu wollen. Air Berlin solle möglichst als Ganzes erhalten bleiben, erklärte Geschäftsführer Wolfram Simon.

Insbesondere im Cargo-Bereich sehen man große Wachstumschancen und Erlöspotenziale. Zeitfracht hat nach eigenen Angaben 800 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Air Berlin beschäftigt mehr als 8.000 Mitarbeiter und schrieb im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 3,8 Milliarden Euro einen Rekordverlust von 782 Millionen Euro. Mitte August musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.

Zuletzt hatte der Berliner Hostelbetreiber Alexander Skora erklärt, mit dem Rückhalt eines internationalen Firmenkonsortiums einen Kauf in Betracht zu ziehen. Derzeit gilt die Lufthansa als aussichtsreichster Bieter für die Hauptstadt-Airline. Zu den weiteren Interessenten zählen die britische Easyjet und der deutsche Ferienflieger Condor.

Laut einem “Spiegel”-Bericht hat auch der ehemalige Energie-Topmanager Utz Claassen ein Auge auf Air Berlin geworfen. Der Billigflieger Ryanair hatte sich entgegen erster Ankündigungen aus dem Bieterrennen zurückgezogen aus Protest gegen das Verfahren, das nach Ansicht von Ryanair die Lufthansa bevorzugt. Auch der Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl stieg aus, weil die Lufthansa mit ihm keine Partnerschaft zum Kauf eingehen wollte.

Der ehemalige Formel-1-Weltmeister und Unternehmer Niki Lauda überlegt ein Angebot zum Rückkauf der zu Air Berlin gehörenden Fluggesellschaft Niki. Gebote können noch bis 15. September abgegeben werden. Eine Entscheidung über den Verkauf der Airline wird bis 21. September angepeilt.

Der kleine Konkurrent Germania hat indes seine Klage gegen staatliche Finanzhilfe für Air Berlin zurückgezogen. Nach der Genehmigung des staatlichen Kredits über 150 Millionen Euro durch die EU-Kommission sei gewährleistet, dass nur minimal in den Wettbewerb eingegriffen werde, erklärte Germania am Dienstag. Der vor dem Landgericht Berlin angestrengte Rechtsstreit mit der Bundesrepublik Deutschland sei damit erledigt. Die EU-Kommission hatte die Beihilfe am Montag genehmigt. Mit dem Überbrückungskredit soll der Betrieb von Air Berlin so lange aufrecht erhalten werden, bis die Airline neue Eigentümer gefunden hat.

Von: APA/ag.