Vorstandschef Spohr präsentierte starke Zahlen

Lufthansa gelingt Rekordgewinn nach Air-Berlin-Aus

Donnerstag, 15. März 2018 | 17:35 Uhr

Die AUA-Mutter Lufthansa hat im Jahr der Air-Berlin-Pleite den höchsten Gewinn ihrer Geschichte eingeflogen. Für 2018 erwartet Vorstandschef Carsten Spohr nur einen leichten Rückgang – und bis Sommer weiter steigende Ticketpreise. Das Flugangebot kann er nicht so stark ausweiten: Fehlende Piloten und Probleme bei neuen Airbus-Jets bremsen die Wachstumspläne von Europas größter Fluggesellschaft.

Die Lufthansa-Aktie legte bis zum frühen Nachmittag um 1,76 Prozent auf 26,66 Euro zu und war damit zweitstärkster Wert im DAX. Auf die vergangenen zwölf Monate gesehen hat sich die Aktie so gut entwickelt wie keine andere im deutschen Leitindex.

Die Aktionäre können sich auf eine überraschend hohe Dividende freuen. Für 2017 will die Lufthansa die Ausschüttung um 60 Prozent auf 80 Cent je Aktie anheben und sie in den kommenden Jahren mindestens auf dieser Höhe lassen, wie Finanzvorstand Ulrik Svensson bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Frankfurt sagte. Für die Jahre 2012 und 2014 waren die Aktionäre noch leer ausgegangen.

2017 übertraf die Lufthansa allerdings die bereits optimistischen Erwartungen der Analysten. Der Umsatz des Konzerns legte um gut 12 Prozent auf 35,6 Mrd. Euro zu. Der operative Gewinn sprang um 70 Prozent auf fast 3,0 Mrd. Euro nach oben. Der Nettogewinn wuchs um ein Drittel auf 2,4 Mrd. Euro. Dabei wirkte sich die Einigung mit den Piloten bei den Betriebsrenten positiv aus.

Zum guten Geschäftsverlauf trugen vor allem die Passagier-Airlines Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines und Eurowings bei. Zudem gelang der Frachttochter Lufthansa Cargo dank Sparkurs und guter Nachfrage mit einem großen Sprung die Rückkehr in die Gewinnzone.

Dass die Gewinne im laufenden Jahr nicht mehr ganz so üppig sprudeln werden, liegt Spohr zufolge an den um 700 Mio. Euro steigenden Kerosinkosten und den Engpässen beim Flottenwachstum. Aus der Übernahme großer Teile der Air-Berlin-Flotte erwartet der Vorstand 2018 noch leichte Verluste. Ab 2019 soll sich der Deal positiv auswirken. Finanzchef Svensson will die Stückkosten 2018 konzernweit um 1 bis 2 Prozent senken.

Dabei bleibt das Geschäft in der Luftfahrt hart umkämpft. Easyjet und Europas größter Billigflieger Ryanair drängen noch stärker auf den deutschen Markt – auch wenn die Lufthansa nach der Pleite von Air Berlin ihren Marktanteil deutlich ausbauen konnte. Als der einstigen Rivalin Mitte August das Geld ausging, rissen sich die Kunden um die Tickets des Kranich-Konzerns. Dieser schluckte die Air-Berlin-Tochter LGW und verleibte sich weitere Flieger und Besatzungen der einstigen Konkurrentin ein. Die Air-Berlin-Tochter Niki fiel jedoch an ihren Gründer, den ehemaligen Rennfahrer Niki Lauda.

Spohr rechnet derweil mit weiteren Airline-Pleiten in Europa. “Drei Insolvenzen im besten Jahr der Luftfahrt sind ein klares Signal, dass der Ausleseprozess noch nicht zu Ende ist.” Dabei sei die Lufthansa weiterhin an der bereits insolventen Alitalia interessiert, die sich seit 2017 nur noch dank Staatsgeld in der Luft hält. “Die Marke Alitalia würde toll zum Lufthansa-Konzern passen”, sagte Spohr. Politischen Druck auf die italienische Regierung wolle Lufthansa bei der EU aber nicht aufbauen. “Wir warten ab.”

Seine Wachstumspläne strich der Manager nun etwas zusammen. Das Flugangebot des Konzerns mit zuletzt 728 Maschinen soll im laufenden Jahr statt um 12 Prozent nur noch um 9,5 Prozent wachsen. Als Gründe nannte der Lufthansa-Chef Lieferprobleme der Flugzeughersteller beim Airbus A320neo und der neuen Bombardier C-Serie. Auch bei der Einstellung und Schulung neuer Besatzungen geht es nicht so schnell voran wie gewünscht.

Dabei sind Spohr zufolge bereits 77 Flugzeuge aus der einstigen Air-Berlin-Flotte zum Lufthansa-Konzern gewechselt. Einige Jets würden an andere Airlines weitervermietet – während Lufthansa wiederum Maschinen samt Besatzungen von Air Nostrum, Adria und TUI mietet. Nun steht der Konzern kurz vor einem Deal mit dem Niki-Nachfolger Laudamotion. Acht bis zehn Laudamotion-Jets könnten dann samt eigener Besatzung für die Lufthansa-Tochter Eurowings fliegen, die Niki aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht übernehmen durfte.

Spohr, dessen Vertrag gerade bis Ende 2023 verlängert wurde, will den Konzern im laufenden Jahr weiter straffen. So sollen die Buchungssysteme von Lufthansa, Swiss und Austrian vereinheitlicht werden. Beim Wachstumskurs der Eurowings auf 210 Flugzeuge im kommenden Jahr stehen die Integration der Air-Berlin-Flieger und der belgischen Brussels Airlines auf dem Programm. Bis 2020 soll Eurowings das Kostenniveau der Konkurrentin Easyjet erreichen, erklärte Finanzvorstand Ulrik Svensson.

Trotz Rekordgewinns zeigte sich Spohr mit der Tochter Austrian Airlines (AUA) noch nicht zufrieden. “Die AUA ist die schwächste unserer Netzwerkfluglinien”, wurde Spohr am Donnerstag auf dem Luftfahrtportal “Austrian Aviation Net” zitiert. Für die Investition in neue Langstreckenflugzeuge forderte Spohr eine weitere Gewinnsteigerung: “150 Millionen Euro Gewinn ist die Untergrenze.” Er forderte inmitten der stockenden Gehaltsverhandlungen mit den Piloten eine weitere Kostensenkung. Für Betriebsversammlungen habe er kein Verständnis, so Spohr laut dem Medienbericht.

Zum bevorstehenden Deal zwischen der Lufthansa-Tochter Eurowings und Niki Laudas Laudamotion sagte Spohr: “Wir schauen, dass wenigstens ein paar hundert frühere Mitarbeiter von Niki einen sicheren Job bekommen.” Eurowings wird aller Voraussicht nach acht bis zehn Laudamotion-Jets samt Personal leasen.

Von: APA/dpa