Interesse an Überseeflügen

Lufthansa plant mit Langstrecken von Air Berlin

Dienstag, 29. August 2017 | 20:48 Uhr

Die AUA-Konzernmutter Lufthansa will Insidern zufolge nach dem geplanten Kauf von Air Berlin viele Überseeflüge der Pleitefluglinie weiter betreiben. Geplant sei, Verbindungen von Berlin und von Düsseldorf aus weiter zu bedienen, sagte eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag.

Insgesamt wolle die Lufthansa für ihre Billigtochter Eurowings etwa ein Dutzend der 17 Langstreckenmaschinen der insolventen Konkurrentin übernehmen. “Die Planungen sehen vor, dass zwei der Flugzeuge in Berlin und bis zu zehn in Düsseldorf stationiert werden”, ergänzte der Insider. Vorstellbar seien Flüge von der Hauptstadt an die US-Ostküste, etwa nach New York oder Washington. Bisher bietet die Lufthansa keine Langstreckenflüge von Berlin aus an.

Insgesamt bietet die Lufthansa Insidern zufolge für bis zu 90 der rund 140 Maschinen. Damit würden bis zu 3.000 der rund 8.000 Beschäftigten zum deutschen Marktführer wechseln, und zwar ausschließlich fliegendes Personal. “Im jetzt vorliegenden Konzept geht es um die Crews”, sagte der Insider.

Interessenten haben bis zum 15. September Zeit, ihre Angebote abzugeben, wie die Niki-Mutter Air Berlin bestätigte. Sechs Airlines und Luftfahrtunternehmer wollen nach Informationen aus Unternehmens- und Branchenkreisen für Air Berlin bieten. Die Zahl dürfte wegen neuer Interessenten noch steigen.

Die Zeit drängt offenbar, da Air Berlin ab Mitte kommenden Monats einige Überseeflüge streicht, etwa von Berlin nach Abu Dhabi und Chicago. Zudem fallen die Strecken von Berlin nach Los Angeles und San Francisco sowie von Düsseldorf nach Boston früher weg als bis jetzt geplant, wie Air Berlin mitteilte. Die Passagiere der betroffenen Flüge sollten umgebucht werden. Weiter angeboten würden die Verbindungen von Berlin nach New York und Miami. Nach Aussagen von Air-Berlin-Chefsanierer Frank Kebekus gingen die Buchungen seit der Pleite zurück, insbesondere auf der Langstrecke.

Air Berlin hat sich schwer damit getan, ein profitables Langstreckengeschäft aufzubauen. Dafür war die Flotte mit 17 Jets zu klein. Zudem waren auf den Verbindungen von und nach Berlin Geschäftsreisende rar, die viel für ein Ticket ausgeben.

Interesse an einem Kauf von Air Berlin bekundet auch Ryanair. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) warnt jedoch vor einem solchen Schritt. “Ryanair ist ein arbeitnehmerfeindliches Unternehmen. Das Geschäftsmodell ist frühkapitalistisch”, sagte er dem “Tagesspiegel”. Er glaube vielmehr, “es ist für alle Beteiligten unstrittig, dass bei mehreren seriösen Bewerbern die Lufthansa für Verlässlichkeit steht”.

Ryanair-Chef Michael O’Leary hatte kritisiert, Air Berlin werde in einem mit der Politik “abgekarteten” Spiel zerschlagen, um die Lufthansa zu stärken. Der Ire kündigte ein Gegenangebot für Air Berlin an. Am Mittwoch will er dazu auf einer Pressekonferenz in Berlin Stellung nehmen.

Niki Lauda will indes nach eigenen Worten in den kommenden Wochen einen Kauf der von ihm gegründeten Gesellschaft Niki prüfen. “Also Mitte, Ende September sollte es Klarheit geben. Dann kann ich sagen, was machbar ist”, sagte der frühere Rennfahrer der Zeitung “Österreich” laut Vorabbericht vom Dienstag. Ab Mittwoch würden die Zahlen der Air-Berlin-Tochter geprüft, was zwei bis drei Wochen dauere.

“Dann wissen wir, was Sache ist, wie Niki dasteht, und können entscheiden”, so Lauda. Air Berlin hatte vor zwei Wochen einen Insolvenzantrag gestellt. Marktführer Lufthansa ist ein aussichtsreicher Bieter für einen Großteil des Flugbetriebs. Lauda hatte jedoch verlangt, er wolle die gleichen Chancen wie der Konzern. Auch die vergleichsweise kleine Gesellschaft Germania fürchtet, dass die Lufthansa bevorzugt wird und geht vor Gericht gegen einen 150 Millionen Euro schweren Staatskredit an Air Berlin vor.

Von: APA/ag.