Mahrer wünscht sich bessere Lehrlingsausbildung

Mahrer kritisiert Bundesregierung wegen Fachkräftemangel

Dienstag, 11. September 2018 | 17:35 Uhr

Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer reichen die Maßnahmen der Bundesregierung zur Bekämpfung des Fachkräftemangels nicht. Es fehlt eine “verdammt große Zahl” an qualifizierten Arbeitskräften, so Mahrer am Dienstag. Seine Schlussfolgerung daraus: “Wer glaubt, ohne qualifizierte Zuwanderung auszukommen, der irrt.”

Ob der Zuzug von Menschen aus Drittstaaten, also außerhalb der EU, auch für Lehrlinge gelten soll, beantwortete Mahrer so: Dies sei die “letzte Möglichkeit”. Wie durch die Zuwanderung durch qualifizierte Fachkräfte das Problem des Personalmangels in einfachen Tätigkeiten, z.B. in der Gastronomie, gelöst werden soll, beantwortete Mahrer nicht konkret, verwies aber darauf, dass diese Jobs ohnehin weniger würden.

Die von der Regierung gepriesene Rot-Weiß-Rot-Card für die Zuwanderung aus Staaten außerhalb der EU sei zu bürokratisch und die Mangelberufsliste ebenso, kritisierte der ehemalige Wirtschaftsminister Mahrer. “Kleine Einzelmaßnahmen” würden jedenfalls nichts helfen. Vielmehr sieht Mahrer die Notwendigkeit einer Schwerpunktsetzung, etwa bei der Lehrlingsausbildung. Der von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) angekündigte “Jobgipfel” könne nur ein “erster Schritt” sein, so Mahrer.

Dass es in manchen angeblichen Mangelberufen mehr Bewerber als offene Stellen gebe, wie die Arbeiterkammer und die Gewerkschaften argumentieren, ließ der WKÖ-Chef so nicht gelten. Dies sei “polemisch”, wenn den Betrieben de facto das Personal fehle.

Die Wirtschaft beklagt demnach einen massiven Fachkräftemangel, es sollen rund 162.000 Personen fehlen. Ein Blick auf die Statistiken der Wirtschaftskammer auf deren Homepage offenbart ein differenziertes Bild: So kommen in Wien 15 Bewerber auf eine Stelle, im Burgenland sind es 7,4 und in Kärnten 5,2. In “Industrieland” Oberösterreich sind es hingegen 1,6 und in Salzburg 1,7 Suchende pro offener Stelle. Demgegenüber steht ein besonders großer Rückgang bei den Lehrlingen in Westösterreich. So verzeichnete Vorarlberg bei Lehrlingsausbildungen im Bürobereich zwischen 2012 und 2017 ein Minus von 25,7 Prozent, Kärnten und Tirol lagen nur knapp darunter. In Wien hingegen sank die Zahl “nur” um 12,2 Prozent.

Susanne Hofer, Vorsitzende der Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), sieht die Wirtschaft beim Lehrstellenmangel gefordert. Es reiche nicht den Lehrlingen den “Schwarzen Peter” zuzuschieben weil diese angeblich nicht mobil genug seien, es müsse auch verpflichtende Kompetenzchecks für die Betriebe geben. “Wir wissen aus unserer Beratungspraxis, dass viele Lehrlinge als billige Hilfskräfte eingesetzt werden, denen wenig Wissenswertes vermittelt wird”, so Hofer. Ihr Vorschlag: Unternehmen, die alle Kapazitäten für Lehrlinge hätten, aber keine aufnehmen wollen, sollen in einen Fonds einzahlen, der ausbildenden Betrieben zugutekommt.

Kürzlich hat SPÖ-Geschäftsführer Max Lercher noch vor allem eine zum Teil mangelhafte Bezahlung für einen Fachkräftemangel in Österreich hauptverantwortlich gemacht. Heute sagte er in Reaktion auf die Forderung von WKÖ-Präsident Harald Mahrer (ÖVP), zur Deckung des Mangels auch Zuzug aus Drittstaaten zu ermöglichen, dass die EU groß genug sei, um den tatsächlichen Facharbeiterbedarf zu decken.

Lercher kritisierte Mahrer und auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) insofern weiters, als dass es ihnen “ganz allein darum geht, den Unternehmen Billiglohnarbeit zur Verfügung zu stellen. Solange es in Österreich und in der gesamten EU noch eine so hohe Arbeitslosigkeit gibt, muss es darum gehen, diese zu bekämpfen”, so der Sozialdemokrat. Die Diskussion um den Fachkräftemangel sei nur eine “Scheindiskussion”: Menschen, die hier seien, müssten für den Arbeitsmarkt qualifiziert werden, und es gehöre stark in die Jugend-Ausbildung investiert.

Eines der “Handlungsfelder” ortet die Wirtschaftskammer bei den Krankschreibungen. Sie fordert hier eine “tätigkeitsbezogene Krankschreibung für Phasen kürzerer Krankenstände”. Als Beispiel nannte heute WKÖ-Arbeitsmarktexperte Martin Gleitsmann ein gebrochenes Bein, das trotzdem gewisse Bürotätigkeiten zulasse.

Bei der Einführung der Möglichkeit des 12-Stunden-Tages und der 60-Stunden Woche mit 1. September gebe es bisher noch keine Erfahrungswerte, so Mahrer. WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf meinte, es werde sich an der betrieblichen Praxis ohnehin kaum etwas ändern. Zum Teil sei nun legalisiert worden, was ohnehin schon auf betrieblicher Ebene ausgehandelt wurde, so Kopf am Dienstag vor Journalisten.

Von: apa

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