Im Innovationsbereich darf laut Mahrer auf keinen Fall gespart werden

Mahrer: Transformationskraft der Kreativwirtschaft nutzen

Donnerstag, 04. Oktober 2018 | 10:00 Uhr

Die Transformationskraft der Kreativwirtschaft nutzen, um durch eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe die Innovationsfähigkeit und Expansion der klassischen exportorientierten Wirtschaft, Gewerbe und Handwerk zu stärken: Das will Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer vorantreiben, betonte er am Donnerstag im Gespräch mit der APA aus Anlass des European Creative Industries Summit in Wien.

“Da geht es ganz stark um die Weiterentwicklung bestehender Geschäftsmodelle”, sagte Mahrer. “Das Schaffen neuer Geschäftsmodelle, Produktionsmethoden und neuer Märkte sowie das Erschließen neuer Kundengruppen wird für die österreichische und europäische Volkswirtschaft essenziell in den kommenden zehn Jahren.”

Die EU sei eine der reichsten Regionen der Welt, die Dynamik anderer Länder – vor allem in Südostasien – fordere Österreich und Europa jedoch heraus, so Mahrer. Österreichs Firmen müssten weiter voll in den Export gehen, das sei das wichtigste überhaupt in der Zusammenarbeit zwischen “traditionell” und “kreativ”, die hierbei einen großen Nutzen bringen soll, hob er als “wichtigsten Punkt für Österreichs Wirtschaft hervor”.

Österreich und die EU müssten als innovative Region wettbewerbsfähig bleiben, so Mahrer. Es gehe um Modernisierungen und Effizienzsteigerungen durch den Einsatz neuer Technologien. “Der Wettbewerbsvorteil für Österreich: Die Kreativität steckt in unserer DNA.” Die Kammer helfe Unternehmen im In- und Ausland beim Vernetzen untereinander, sagte der Kammerpräsident. “Wir wollen Pfadfinder, Tippgeber und Verbinder sowie Unterstützer sein in der Überarbeitung und Entwicklung von Geschäftsmodellen. Die Kreativwirtschaft hat dabei eine Schlüsselfunktion, das ist die super-transformierende Kraft.”

“Wenn wir uns zurücklehnen, können wir das Licht abdrehen”, sagte Mahrer. Wo gibt es gegebenenfalls Aufholbedarf in Österreich? “Bildung, Bildung, Bildung”, so Mahrer. “Beginnend im Kindergarten: Je früher wir Talente und Neugier der Kinder fördern, umso besser. Wir müssen weg von einem Abtrainieren der Neugier und der Kreativität und des Gleichmachens und der Durchschnittsorientierung hin zu individueller Talentförderung und – siehe Asien – Leistungsorientierung.” Passt das zur aktuellen Bildungsreform? “Ja”, meinte Mahrer.

Bei der am Donnerstag stattfindenden Versammlung in Wien – “ECIS 2018 – Beyond: Cross-Innovation als Treiber für Wachstum im europäischen digitalen Binnenmarkt” – geht es ebenso um die Etablierung eines Geschäftsmodells “Innovation” in Europa. Neben Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck ist auch EU-Bildungskommissar Tibor Navracsics an Ort und Stelle.

Schramböck hob hervor, dass aus jedem Euro an Wertschöpfung aus der Kreativwirtschaft 0,84 Euro zusätzliche Wertschöpfung in der restlichen Wirtschaft entstehe. “Es ist gut und wichtig, dass wir dieses Thema erörtern, während wir über den nächsten EU-Haushalt für die Finanzperiode 2021 bis 2027 verhandeln”, sagte Navracsics.

Mahrer forderte im Zusammenhang mit der nächsten EU-Finanzperiode, dass im Innovationsbereich auf keinen Fall gespart werden dürfte. “Die europäische Zukunft hängt am seidenen Schicksalsfaden der Innovationsfähigkeit am Kontinent. Wenn man erkennt, dass unser kreatives Potenzial einer der Haupttreiber ist, dann sollte man da hineininvestieren. Alte Programme gehören tabulos überdacht”, fordert der Präsident der Wirtschaftskammer.

In Österreich hängen rund 160.000 Jobs (unselbstständig und selbstständig) an der Kreativwirtschaft. 12 Prozent aller Unternehmen gehören zu dieser Branche und erwirtschaften knapp 3 Prozent des gesamten Umsatzvolumens österreichischer Unternehmen. Die Bruttowertschöpfung liegt laut dem druckfrischen Kreativwirtschaftsbericht bei 3,07 Mrd. Euro. In Europa gibt es 3 Millionen Kreativwirtschaftsunternehmen, die mit 7,5 Prozent aller Beschäftigten in der EU 1.500 Milliarden Euro pro Jahr umsetzen. Beim heutigen Summit diskutieren rund 150 Branchenvertreter und EU-Verantwortliche über die Ausrichtung und Schwerpunkte der europäischen Innovations- und Kreativpolitik.

Von: apa