Urlaub in den eigenen vier Wänden im Trend

Markt für Wohnmobile boomt in Deutschland und Österreich

Mittwoch, 17. August 2016 | 16:57 Uhr

In den Urlaub fahren, ohne auf die eigenen vier Wände zu verzichten: Das wollen immer mehr Deutsche und Österreicher. Deshalb boomt das Geschäft mit Reisemobilen und Caravans wie lange nicht mehr. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der zugelassenen Reisemobile in Deutschland nach Angaben des Caravaning Industrie Verbandes CIVD um mehr als 25 Prozent auf mehr als 417.000.

In Österreich waren Ende Juni laut Statistik Austria 24.839 Wohnmobile zugelassen. Zum Vergleich: Ende 2012 waren es 21.729 Reisemobile. Die Zahl der Wohnmobile legte damit also in den vergangenen dreieinhalb Jahren um 14 Prozent zu.

Auch die Zahl der Wohnanhänger nahm in Deutschland in den letzten fünf Jahren um mehr als 10 Prozent auf über 616.000 zu. Und heuer erwartet die Branche ein weiteres Rekordjahr. “Immer mehr Leute möchten auch im Urlaub überall das Zu-Hause-Gefühl haben: das eigene Bett, die eigenen Hygienestandards und dazu das kleine Abenteuer unterwegs”, beschreibt CIVD-Geschäftsführer Hans-Karl Sternberg die Motive hinter dem Caravaning-Erfolg.

Ein Ende der Entwicklung scheint vorläufig nicht in Sicht. Mehr als ein Viertel der Deutschen könnte sich nach Branchenschätzungen theoretisch einen Urlaub im Reisemobil oder im Caravan vorstellen. Das wären über 20 Millionen Menschen.

Sternberg verweist auf eine Studie der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen, nach der das Interesse an einem Urlaub im Reisemobil in den vergangenen zehn Jahren deutlich – nämlich um 34 Prozent – angestiegen ist. Noch stärkere Zuwachsraten hätten lediglich Städtereisen und Wellnessurlaub zu verzeichnen, sagt er.

Dabei ist der Urlaub im Mobilheim oder im Wohnanhänger beileibe kein billiges Vergnügen. Die Preise für fabriksneue Wohnanhänger beginnen Sternberg zufolge zwar bei knapp über 10.000 Euro für ein kleineres Exemplar. Doch durchschnittlich zahlen die Käufer am Ende für ihren Wohnanhänger fast doppelt so viel. Wohnmobilkäufer müssen noch tiefer in die Tasche greifen. Zwar gibt es schon Angebote für 35.000 Euro. Doch tatsächlich liegt der Kaufpreis am Ende durchschnittlich bei über 66.000 Euro, wie der CIVD berichtet.

Allerdings bremsen die üppigen Preisschilder die Kauflust offenbar nicht. In diesem Jahr dürften nach Schätzungen des Branchenverbands in Deutschland so viele Reisemobile neu zugelassen werden wie nie zuvor: rund 33.000 Stück, fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den Caravan-Anhängern rechnet der CIVD mit einem Plus von 10 Prozent auf rund 20.000 Exemplare.

Die teuren Reisemobile sind Sternberg zufolge nicht zuletzt bei betuchten Senioren beliebt, die ihre Freizeit für ausgedehnte Reisen nutzen. Bei den preisgünstigeren Wohnanhängern beobachtet die Branche ein wieder erwachtes Interesse vor allem von jungen Familien.

Die steigende Neugierde am Urlaub in den eigenen, mobilen Wänden spiegelt sich auch im Erfolg des Caravan Salons. Als die Messe 1962 zum ersten Mal – damals noch in Essen – ihre Tore öffnete, kamen gerade einmal 34.500 Besucher um die Produkte der 61 Aussteller zu begutachten. Beim 55. Caravan Salon in Düsseldorf werden heuer zwischen dem 27. August und dem 4. September rund 200.000 Besucher erwartet. Ihnen präsentieren insgesamt 590 nationale und internationale Aussteller ihre Produkte. Der Caravan Salon Düsseldorf ist damit nach Angaben von Direktor Stefan Koschke inzwischen unangefochten die weltgrößte Messe für mobile Freizeit.

Von: APA/dpa

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