Aus TUIfly und Air Berlin soll ein neues Unternehmen werden

Massen-Krankmeldungen bei TUIfly beschäftigen die Politik

Freitag, 07. Oktober 2016 | 11:58 Uhr

Die Flugausfälle nach massenhaften Krankmeldungen beim Ferienflieger TUIfly beschäftigen nun die Politik. Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) rief Beschäftigte und Management auf, interne Probleme am Verhandlungstisch zu lösen. Bei dem Ferienflieger fallen am Freitag fast alle geplanen Verbindungen aus, weil sich Piloten und Kabinenpersonal massenhaft krankgemeldet haben.

Der “Bild”-Zeitung sagte Dobrindt: “Das ist keine akzeptable Situation. Die Airlines müssen ihrer Verantwortung gegenüber den Fluggästen nachkommen. Interne Konflikte müssen am Verhandlungstisch ausgetragen werden und nicht auf den Rücken der Passagiere.” Auch der CSU-Abgeordnete Peter Ramsauer kritisierte die Krankmeldungen und Flugausfälle. “Das ist verantwortungslos gegenüber den Kunden”, sagte er der Zeitung.

Die TUIfly-Beschäftigten reagieren mit den Krankmeldungen nach Aussagen von Gewerkschaftern auf die Pläne der Konzernführung, aus Tuifly und Teilen von Air Berlin ein neues Ferienflugunternehmen zu schmieden. Der neue Airline-Verbund soll insgesamt gut 60 Flugzeuge haben, 20 von der Air-Berlin-Tochter Niki und 40 von TUIfly.

Um Urlauber trotzdem aus den Feriengebieten nach Hause zu bringen, muste die Konzernmutter TUI Flugzeuge anderer Airlines mieten. In den nächsten Tagen sei mit weiteren Annullierungen zu rechnen. Bereits am Donnerstag musste jede zweite Verbindung gestrichen werden. TUIfly versucht mit gemieteten Maschinen und Besatzungen einen Teil der Flugausfälle aufzufangen. Zehn Flüge könnten am heutigen Freitag auf diese Weise stattfinden, teilte die Fluggesellschaft in der Nacht zum Freitag auf ihrer Internetseite mit.

Dabei handelt es sich um vier Flüge von deutschen Flughäfen ins türkische Antalya, einen nach Palma de Mallorca sowie die zugehörigen Rückflüge – mit teils geänderten Abflugzeiten. Außerdem plant man für Touristen Rückflüge, überwiegend aus Urlaubsregionen wie Mallorca und der Türkei sowie den Kanarischen Inseln.

Zum Teil sollen mehrere Flüge zusammengefasst werden. Gäste in Urlaubsgebieten, deren Rückreise eigentlich bereits am Donnerstag angestanden war, sollen so am Freitag nach Hause fliegen können. Aktuell sind nach dem Stand vom Vormittag insgesamt 22 Verbindungen “absehbar”, wie aus den fortlaufend aktualisierten Informationen von TUIfly hervorgeht. Allerdings seien die Angaben “aufgrund der aktuellen Situation” unter Vorbehalt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende von TUIfly, Henrik Homann, lehnte eine Entschädigung der betroffenen Kunden ab. Der”Bild”-Zeitung sagte er: “Entschädigungen sind für die meisten Kunden nicht die Priorität, sie wollen ja schließlich Ferien machen. Wir versuchen alles, um die Auswirkungen auf die Gäste so gering wie möglich zu halten. Wir wissen, dass das leider momentan nicht bei allen Kunden gelingt.” Homann betonte, er wolle sich nicht an Spekulationen, über mögliche Ursachen der Krankmeldungen beteiligen. Auf die Frage, ob es sich wirklich um Krankmeldungen oder vielmehr um verdeckte und damit wilde Streiks handle, sagte Homann: Das möchte ich nicht bewerten.”

Nach früheren Aussagen eines TUI-Sprecher sind die Tarifverträge bei TUIfly sowie der Standort Hannover durch die Neuordnung nicht gefährdet. Bei der Airline arbeiten 2.400 Menschen. An der neuen Holding sollen der Reisekonzern TUI sowie Air-Berlin-Großaktionär Etihad jeweils ein Viertel der Anteile halten. Die Mehrheit läge einer mit den Planungen vertrauten Person zufolge bei einer österreichischen Stiftung.

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo kritisiert die Job-Zusagen. “Die Tuifly und die Air Berlin können gar keine Garantien geben, weil sie selbst sagen: Sie werden dort nur Minderheitseigner sein”, sagte Ufo-Tarifexperte Nicoley Baublies dem Radiosender “SWR Info”. Wegen der Krankschreibungen fordere er nun gewerkschafts- und unternehmensübergreifend Gespräche, um die Lage in den Griff zu bekommen.

Massenhafte Krankmeldungen von Arbeitnehmern als Druckmittel auf den Arbeitgeber sind als Streitfälle vor deutschen Gerichten eher die Ausnahme. In der jüngsten Vergangenheit hatte kein deutsches Arbeitsgericht über eine derartige Auseinandersetzung zu entscheiden, wie sie derzeit bei der Fluggesellschaft TUIfly läuft.

Von: APA/ag.