Pflegeleistungen 2021

Mehr Pflegegeld für Pflege zu Hause

Donnerstag, 21. April 2022 | 15:15 Uhr

Bozen – Ein umfassendes Angebot steht älteren und pflegebedürftigen Menschen in Südtirol offen: 2021 wurden 255 Millionen Euro Pflegegeld ausbezahlt, unterstützt wird zudem u. a. über den Hauspflegedienst.

Das Jahr 2021 war – ähnlich wie 2020 – ein Jahr, das wiederum im Zeichen der Coronapandemie stand. Dies machen auch die heute (21. April) präsentierten Daten und Zahlen zu den Pflegeleistungen des Landes Südtirol deutlich. “Das soziale Netz war sehr gefordert, aber es hat gehalten und vieles geleistet”, stellte Soziallandesrätin Waltraud Deeg bei der Vorstellung der Daten 2021 fest. Erfreulich sei, dass in einigen Bereichen, wie dem begleiteten und betreuten Wohnen, das Angebot ausgebaut wurde. Deeg nannte dabei beispielhaft das Pilotprojekt “Betreutes Wohnen+”, welches derzeit in Prad am Stilfserjoch realisiert wird. Es gelte die Rahmenbedingungen zu setzen, um gut für die Zukunft gerüstet zu sein. Zu den Herausforderungen zählte die Landesrätin die Umsetzung einer wohnortnahen, berufsbegleitenden Ausbildung für Pflegeberufe, die Aufwertung der Pflegeberufe und die Absicherung der Pflegequalität. In allen drei Punkten sei man bereits unterwegs, so laufen derzeit beispielsweise die Verhandlungen für den Bereichsvertrag der Mitarbeitenden der Seniorenwohnheime und der Sozialdienste, für die bereits 50 Millionen Euro bereit gestellt wurden.

Öffentliche Unterstützung bei rentenmäßiger Absicherung der Pflegezeiten nutzen

Der Blick auf die Daten bestätige, dass die Menschen in Südtirol länger fit bleiben und sich zum Teil auch im höheren Alter noch bei der Pflege von Familienangehörigen einbringen, betonte Amtsdirektorin Brigitte Waldner. “Die Familie ist ein wichtiger Partner bei der Pflege, bei der die Dienste der Hauspflege eine wichtige Unterstützungsleistung bieten”, betonte die Direktorin des Amtes für Senioren und Sozialsprengel. Während die Hauspflege mit Diensten unterstütze, stellt das Pflegegeld einen entscheidenden finanziellen Beitrag für die Pflege zu Hause dar. Mit 255 Millionen Euro gab es im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg bei den Ausgaben, informierte ASWE-Direktor Eugenio Bizzotto: “Vor allem Frauen in der ersten Pflegestufe werden zu Hause gepflegt, kostenmäßig hingegen ging der größte Anteil an die Seniorenwohnheime, die vor allem Pflegebedürftige der dritten und vierten Stufe betreuen und pflegen.” Die Pflege zu Hause übernehmen vor allem Familienangehörige, oftmals unterstützt von familienexternen Pflegehilfen (badanti). Für die pflegenden Angehörigen gebe es die Möglichkeit, die Pflegezeiten rentenmäßig abzusichern. Die öffentliche Hand unterstütze dies mit Beiträgen: “Derzeit nutzen kaum 500 Personen diese Möglichkeit. Doch gerade hier müssen wir verstärkt informieren, damit vor allem die pflegenden Frauen und Töchter diese Gelegenheit nutzen und für ihre eigene Rente vorsorgen”, appellierte Landesrätin Deeg. Informationen dazu gibt es auf den Landeswebseiten.

Pflegeleistungen 2021: Die Daten im Überblick

Im Bereich der Hauspflege wurden im Vorjahr über 287.812 Stunden bei 6180 betreuten Personen erbracht. Vor allem Seniorinnen und Senioren, aber auch chronisch kranke Menschen nutzten die diversen Dienste der Hauspflege. Es fällt auf, dass vor allem alleinlebende Personen oder Zwei-Personen-Haushalte zu den Betreuten zählen. Das Personal der Sozialdienste (und damit auch im Hauspflegedienst) ist überwiegend weiblich (83 Prozent), im Vorjahr gab es einen leichten Rückgang bei den Vollzeitäquivalenten (von 7141,2 im Jahr 2020 auf 7079,6 im Jahr 2021). Insgesamt steht den älteren Menschen in Südtirol eine große Vielzahl an unterschiedlichen Diensten und Leistungen zur Verfügung, diese reichen von der Unterstützung des selbstständigen Lebens im familiären Umfeld über teilstationäre Angebote der Tagespflege bis hin zu den stationären Diensten des begleiteten und betreuten Wohnens und der Seniorenwohnheime.

Beim Pflegegeld gibt es vier Stufen, die den unterschiedlichen Pflegebedarf berücksichtigen. Die Beiträge reichen dabei von 569 Euro bis zu 1800 Euro im Monat. Das Pflegegeld wird sowohl für die Pflege zu Hause, als auch für jene im Seniorenwohnheim ausbezahlt, wobei in diesem letzten Fall das Pflegegeld direkt an die Träger der Senioreneinrichtungen ausgezahlt wird. Der Pflegebedarf steigt mit zunehmendem Alter, dementsprechend steigt auch die Pflegestufe und der Beitrag des Landes. Insgesamt wurden 2021 255 Millionen Euro ausbezahlt (im Jahr 2020 waren es 242 Millionen Euro gewesen).

Auch Zivilinvaliden, blinde und gehörlose Menschen werden in Südtirol unterstützt. 4965 Personen haben Pensionen als Teil- und Vollinvaliden, als Teil- und Vollblinde oder als Gehörlose eine finanzielle Leistung des Landes erhalten. Insgesamt wurden dafür 31,9 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. 1998 Leistungsbezieherinnen und -bezieher erhielten 13 Millionen Euro in Form des Begleitgeldes, 682 Menschen bezogen 889.000 Euro als Ergänzungszulage für Teil- und Vollblinde.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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16 Kommentare auf "Mehr Pflegegeld für Pflege zu Hause"


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ebbi
ebbi
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage
Der übliche Politik-Schönrederei-Bericht zur Pflegesituation….ich würde den Bericht so formulieren (Kurzfassung): – 6 Monate warten auf die Pflegeeinstufung – viele Tagesstätten seit bald 2 Jahren geschlossen – eklatanter Personalmangel – Wartelisten beim Hauspflegedienst – Unendliche Wartelisten für eine Heimaufnahme – Wartelisten für Kurzzeitpflege (wenn überhaupt möglich) – 2 Heime in Südtirol geschlossen, Bettenabbau durch Umbauarbeiten in anderen – Betreutes Wohnen für Senioren – wo bitte gibt es das? – Spezielle Angebote für Menschen mit Demenz sind entweder nicht vorhanden oder es bestehen so lange Wartelisten, dass eine Aufnahme aussichtslos ist. – Keine angepassten Angebote für junge, pflegebedürftige Menschen – Viele… Weiterlesen »
Trina1
Trina1
Kinig
1 Monat 4 Tage

ebbi du hast es auf den Punkt gebracht, leider stimmt es!

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

@Trina1 es ist so. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, in welcher Situation wir wären, wenn plötzlich alle Osteuropäischen Badanti nun entschließen würden, die Arbeit hier niederzulegen und nach Hause zurück zu kehren. Ich hoffe, ich werde nie pflegebedürftig.

Tina1
Tina1
Superredner
1 Monat 4 Tage

ebbi…es gäbe genug einheimische “Badante” wenn das Berufsbild anerkannt würde, aber um Geld zu sparen, wie bei allen diesen Berufsbildern, niemand gut genug ist. Man gr

Trina1
Trina1
Kinig
1 Monat 4 Tage

@ebbi Das sind Frauen die wir dringend brauchen. Auf das Alter brauchen wir uns trotzdem nicht freuen so wie die Situation ist!

Trina1
Trina1
Kinig
1 Monat 5 Tage

Kann mir das schlecht vorstellen, wenn man mit über 90 Jahren und 100 prozent Invalidät zweimal die erste Pflegestufe bekommt , muss man für die zweite in der Nähe des Friedhofes wohnen! Viel Gerede für nichts!

Tina1
Tina1
Superredner
1 Monat 5 Tage

Trina, ganz genau. Hab genug erlebt um sagen zu können alles Sch….e!

Trina1
Trina1
Kinig
1 Monat 4 Tage

@Tina1 ich idem und ärgere mich jeden Tag mehr! Südtirol haben unsere Grosseltern und Eltern aufgebaut und jetzt ist es der meist fallengellasene Teil der Gesellschaft!

thomas
thomas
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

ein zu großer Anteil des Pflegegeldes geht an die Altersheime.

Trina1
Trina1
Kinig
1 Monat 4 Tage

thomas gscheider überweisen sie den redito di cittadinanza an die Altersheime als den vielen Taugenichts!

Wunder
Wunder
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Tatsache ist, dass man quasi bestraft wird, wenn man Angehörige daheim pflegt.
Die Einstufungsgespräche waren (zumindest bei uns) Eibe mittlere Katastrophe, wenig professionell und völlig unempathisch…

Trina1
Trina1
Kinig
1 Monat 4 Tage

Wunder, ich pflichte dir bei und viele der gestellten Fragen verletzen die Menschenwürde! Muss man das wirklich alten Menschen zumuten? Ein Beispiel eine Frage an eine über 90 jährige Frau: wer macht ihnen die Intimwäsche. Geschulte Feinfühlende Menschen brauchen eine Frau nur anzuschauen, wenn sie nicht mehr gehen kann wird sie auf einem Bidet sitzen auch nicht können! Traurig traurig was die sich erlauben!

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 4 Tage

Ihr kapierts nicht oder Euch gehts am A….vorbei!Nicht das Geld löst das Problem.Es braucht Pfleger!Was hilft sden Menschen Die aus gesundheitlichen Gründen oder aus Zeitgründen Ihre Angehörigen nicht selbst pflegen können?!Soviel Geld kriegst nie dass Einheimische Pfleger anstellen kannst.

Tina1
Tina1
Superredner
1 Monat 4 Tage

Sag mal..Pfleger sind nicht gut genug.Da brauchts einen Dr.Titel😡

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 4 Tage

@Tina1 haben andere Erfahrungen gemacht.

Bissgure
Bissgure
Tratscher
1 Monat 4 Tage

hatten 3 verschiedene bedanten , eine hat viel geweint , die zweite hat unsre mutter geschlagen , die 3 hat kaum gekocht . trotz grosser mithilfe von uns kindern mussten wir si zuletzt ins altersheim geben . geld nützt nicht immer !!

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