Warnstreiks in Bayern und Baden-Württemberg

Metaller-Warnstreiks treffen BMW, Daimler, Audi und Porsche

Freitag, 02. Februar 2018 | 08:52 Uhr

Im Tarifkonflikt der deutschen Metall- und Elektroindustrie ist die dritte Runde der ganztägigen Warnstreiks angelaufen. Zum Höhepunkt der 24-Stunden-Ausstände hat die IG Metall vor allem die Autoindustrie ausgewählt. In Baden-Württemberg waren Daimler und Porsche betroffen, in München BMW.

“Im Daimler-Werk in Sindelfingen sind alle Zufahrtstore mit Streikposten besetzt”, sagte Rebekka Henschel, Sprecherin der IG Metall Stuttgart am Freitagmorgen. In den Daimler-Werken Untertürkheim und Sindelfingen sowie im Porsche-Werk Zuffenhausen habe sich die komplette Nachtschicht an dem Warnstreik beteiligt. Insgesamt hätten damit an den drei Produktionsstandorten in der Nachtschicht rund 3.600 Metaller ihre Arbeit ruhen lassen.

Seit Mitternacht legten rund 7.000 Beschäftigte auch bei BMW in München ihre Arbeit nieder, wie Gewerkschaftsmitglied Horst Lischka sagte: “Das ganze Stammwerk steht still.” Mehrere hundert Mitarbeiter versammelten sich vor den Werkstoren.

Auch beim größten deutschen BMW-Werk in Dingolfing stand die Produktion ab 5 Uhr früh still. 13.700 Beschäftigte beteiligten sich nach Aussage von Robert Grashei von der IG Metall an dem Warnstreik. “1.600 Autos können heute nicht gebaut werden”, sagte er Freitagfrüh. Das sei die Tagesproduktion des Werks. Bei einer Kundgebung um 13 Uhr wurden tausende Streikende erwartet.

Bei Audi in Ingolstadt und Münchmünster soll ebenfalls 24 Stunden lang kein Auto vom Band rollen, wie Bayerns IG-Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler am Donnerstag angekündigt hatte. Bereits an diesem Tag hatten rund 23.000 Beschäftigte der Branche in Bayern die Arbeit ruhen lassen.

Mit den ganztägigen Aktionen bei den Autoherstellern steuert die IG Metall auf den Höhepunkt ihrer Ausstände zu. Erwartet werden rund 300.000 Teilnehmer bei Aktionen unter anderem bei BMW, Audi, Daimler und Porsche. An den beiden Tagen zuvor hatten bereits rund 200.000 Beschäftigte die Arbeit liegen lassen.

Die Gewerkschaft will den Druck auf die Arbeitgeber vor weiteren Verhandlungen erhöhen, die frühestens am Montag in der dann sechsten Runde beginnen dürften. Die IG Metall Baden-Württemberg hat den Arbeitgebern erst für Beginn kommender Woche eine Fortsetzung der Gespräche in Stuttgart angeboten. Zuvor müsse sich Südwestmetall aber noch deutlich bewegen, hatte Bezirkschef Roman Zitzelsberger in Stuttgart erklärt.

Die IG Metall verlangt deutschlandweit sechs Prozent mehr Geld und das Recht für die rund deutschlandweit 3,9 Millionen Beschäftigten, die Wochenarbeitszeit zeitweise auf 28 Stunden abzusenken. Schichtarbeiter, Eltern kleiner Kinder und pflegende Familienangehörige sollen dabei einen Teillohnausgleich erhalten, den die Arbeitgeber bis jetzt strikt ablehnen und für rechtswidrig halten. Bisher ist es ihnen nicht gelungen, die Aktionen vor Arbeitsgerichten zu stoppen.

Der deutsche Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat indes Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Tarifkonflikts in der Metallindustrie genährt. “Wir hoffen, dass wir Anfang nächster Woche diesen Konflikt beilegen können”, sagte Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger am Freitag im ZDF-Morgenmagazin.

Das Gewerkschaftsangebot, am kommenden Montag nach tagelangen Warnstreiks in ganz Deutschland die Verhandlungen wieder aufzunehmen, will Gesamtmetall folgen. “Wir wollen zurück an den Verhandlungstisch, wir wollen den Konflikt lösen”, unterstrich Dulger. Die aktuellen Streiks sind nach seiner Darstellung “unnötig”. Sie schadeten der Branche und auch den Lieferantenverhältnissen zu ausländischen Kunden. Der Gewerkschaftsforderung nach einer Verkürzung der Arbeitszeit mit Lohnausgleich aber will Gesamtmetall nicht folgen.

Die Arbeitgeber seien bereit, beim Geld die Beschäftigten am Erfolg der Branche zu beteiligen. Sie hätten schon angeboten, “deutlich über sechs Prozent” mehr Lohn zu zahlen, wobei es mit den Gewerkschaften aber noch unterschiedliche Auffassung zu den Laufzeiten gab. Die Forderung aber, den Beschäftigten unter bestimmten Umständen, etwa zur Pflege kranker Familienmitglieder, einen Anspruch auf Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden bei vollem Lohnausgleich zu gewähren, passe überhaupt nicht in die Zeit und sei auch ungerecht, sagte Dulger. Einen Vertrag mit einer solchen Regelung könnten die Arbeitgeber nicht zustimmen.

Vergangenes Wochenende hatten die Vertreter der IG Metall Baden-Württemberg und des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall die fünfte Verhandlungsrunde im laufenden Tarifkonflikt ergebnislos abgebrochen. Die IG Metall entschied daraufhin, 24-stündige Warnstreiks in bundesweit rund 275 Betrieben mit 500.000 Beschäftigten zu organisieren.

Von: APA/dpa

Kommentare

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1 Kommentar auf "Metaller-Warnstreiks treffen BMW, Daimler, Audi und Porsche"


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Amadeus
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Grünschnabel
15 Tage 5 h

Schei….dreck. Und wos wert jatz mit mein nuien Porsche? I will jo in Zukunft mit 30 Sochn durch Meran düsn.

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