Ein Tablet? Ein Notebook? Beides, sagt Microsoft

Microsofts Surface Pro im Test

Donnerstag, 06. Juli 2017 | 12:25 Uhr

Mit der neuesten Ausführung des Surface Pro tritt Microsoft gegen Apples und Samsungs High-End-Tablets, aber auch gegen vollwertige Notebooks an. Ein schwieriger Spagat, der aber erstaunlich gut gelingt. Wenn da nicht ein paar kleine Details wären.

Das soll also die Zukunft von Laptops sein: ein Tablet, dazu eine Anstecktastatur aus Plastik, eventuell noch eine Maus oder ein Stift. “Vielseitiger Laptop” nennt Microsoft sein neues Surface Pro. Doch tatsächlich ist es ein sogenanntes Convertible, das mit Tastatur inklusive Trackpad erst zum Laptop wird.

Äußerlich hat sich beim fünften Surface Pro im Vergleich zum Vorgänger kaum etwas verändert. Auf der Vorderseite ist ein 12,3 Zoll großer Bildschirm mit einer Auflösung von 2.736 mal 1.824 Pixel. Anschlüsse gibt es je einmal für USB 3.0, Micro-SD-Karte und Mini-DisplayPort, hinzu kommt eine 3,5-Millimeter-Kopfhörerbuchse. Für Strom- und Tastaturanschluss setzt Microsoft auf eigene Schnittstellen. USB-C sucht man nach wie vor vergeblich.

Im Inneren des Tablets ist allerdings viel passiert – vor allem bei der Akkulaufzeit. Kam das Surface Pro 4 gerade einmal vier bis fünf Stunden mit einer Ladung aus, schafft das aktuelle Modell unter normaler Arbeitslast locker sieben bis acht Stunden. Microsoft spricht gar von 12,5 Stunden Videowiedergabe mit einer Akkuladung.

Die günstigeren Modelle mit Intel-Core-m3- und i5-Prozessoren kommen ohne aktive Lüftung aus. Das macht die Rechner quasi lautlos. Beim großen i7-Prozessor pusten unter hoher Last die Lüfter – jedoch angenehm leise. Die Lautsprecher schaffen es außerdem, die Lüftungsgeräusche gut zu übertönen.

Das Surface Pro gibt es in sechs verschiedenen Ausführungen: Angefangen bei einem Intel Core m3 mit 128 Gigabyte (GB) SSD-Festplatte und 4 GB RAM für 949 Euro bis hin zur Ausstattung mit i7, 1 Terabyte (TB) Speicher und 16 GB RAM für satte 3.099 Euro.

Für Tastatur und Zeichenstift werden Kunden extra zur Kasse gebeten. Der beim Vorgänger noch enthaltene Surface Pen kostet rund 110 Euro, die Tastatur rund 180 Euro. Bei letzterer hat sich auch im Design etwas getan: Sie ist mit sogenanntem Alcantara überzogen. Dieser Überzug hinterlässt schon beim Auspacken einen bleibenden Eindruck: Das wildlederartige Material hat einen stark chemischen Geruch, der auch nach einer guten Woche Nutzung noch nicht vollständig verflogen ist.

Der größte Nachteil: Die Tastatur lässt sich nicht reparieren. Bastler von ifixit.com haben das Surface Pro auseinandergenommen und gaben ihm 1 von 10 möglichen Punkten, was die Reparierbarkeit angeht. Darüber hinaus ist ifixit.com zufolge der Akku fest verklebt und damit quasi nicht austauschbar, das Display löst sich nur mit Hitze und die Festplatte lässt sich nicht ersetzen. Surface-Nutzer sollten das Gerät also in Watte packen.

Seine Stärken spielt das Surface Pro in der Mobilität aus: Das größte Modell wiegt an sich lediglich 786 Gramm – mit Ladegerät, Tastatur und Stift rund 1.350 Gramm. Damit passt es gut in den Rucksack oder eine Aktentasche. Die Peripherie klebt über Magnete am Tablet – Stift, Tastatur und Ladekabel schnappen an das Gehäuse und lassen sich mit etwas Widerstand wieder entfernen.

Ein weiterer Vorteil: Auf dem Tablet läuft ein vollwertiges Windows 10 Pro, mit dem man nicht nur mobile Apps wie beim Konkurrenten iPad Pro installieren kann, sondern auch vollwertige Programme. Sogar einige neuere Spiele wie “Overwatch” laufen auf dem Testgerät – allerdings nur mit reduzierten Grafikeinstellungen.

Für einen Flugzeugtisch ist das Tablet mit Tastatur etwas zu groß. Als Alternative überzeugt hier allerdings die Bedienung mit dem Surface Pen: Auch eine krakelige Handschrift wird fast problemlos erkannt. Passt ein Wort nicht, streicht man es einfach durch. Spaß bringt auch das Zeichnen von Folien auf dem Skizzenblock – so kann man etwa Bildschirmfotos mit dem Stylus bearbeiten oder mit Kommentaren versehen und auf Notizzetteln wichtige Dinge festhalten.

Das Surface Pro macht trotz seiner kompakten Form nur wenige Kompromisse. Leistung und Alltagstauglichkeit lassen keine Wünsche offen. Das Convertible ist leicht und leise und hält mit einer Akkuladung deutlich länger durch als sein Vorgänger – hier hat Microsoft ordentlich nachgebessert. Das lässt sich der Konzern mit Preisen von bis zu über 3.000 Euro allerdings vergolden. Wer es nicht so klein braucht oder auch ohne vollwertiges Windows auskommt, fährt mit vielen Tablets ähnlich gut, aber deutlich günstiger.

Von: APA/dpa

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