Projekt beim Wettbewerb Micro Data Center Design Challenge eingereicht

Mit Himbeeren die digitale Kluft überwinden

Dienstag, 23. Juni 2015 | 12:59 Uhr

Bozen – Ein Projekt, das Schulen auf der Südhalbkugel Unterrichtsmaterial für den Informatikunterricht kostengünstig zur Verfügung stellt: das ist das Projekt von Sven Helmer, Professor an der Fakultät für Informatik der Freien Universität Bozen, und seinem Team aus Forschern und Studierenden. Unter dem Namen Berry Hunters, also „Himbeerjäger“, haben sie ihr Projekt beim Wettbewerb Micro Data Center Design Challenge in Kalifornien eingereicht, der von der Non-Profit-Organisation Inveneo in San Francisco initiiert wurde.

Die Non-Profit-Organisation Inveneo hat ihren Sitz in San Francisco und arbeitet daran, Menschen in ärmeren Ländern den Zugang zu Computern, Software und Breitbandverbindung zu ermöglichen. Dabei wird nach nachhaltigen Lösungen gesucht – sei es aus Umwelt- wie aus ökonomischer Sicht. Kürzlich hat Inveneo einen internationalen Wettbewerb ausgeschrieben, um ein Projekt eines Micro Data Centers umzusetzen: Bedingung war der Einsatz von Solarzellen, was auf der Südhalbkugel auch bei rauen Außenbedingungen leichter umsetzbar ist.

Eine Jury von Telekommunikationsexperten wird die eingereichten Vorschläge auf ihre Umsetzbarkeit hin prüfen. Das beste Design wird realisiert und auf einer abgelegenen Insel im Pazifik installiert. Bei dem mit 10.000 Dollar dotierten Wettbewerb sollen, aufbauend auf einer ARM-Architektur, kleine Datencenter mit einem äußerst hohen Energieeffizienzgrad umgesetzt werden. Zudem soll die informationstechnologische Alphabetisierung in abgelegenen kleinen Schulen und Gemeinschaften erreicht werden, denen ansonsten die finanziellen Mittel dazu fehlen.

Das Team der Freien Universität Bozen ist ausdrücklich eingeladen worden, an diesem internationalen Wettbewerb teilzunehmen. Die Mannschaft rund um Prof. Helmer hat sich dazu auch einen originellen Namen einfallen lassen, die Berry Hunters, also die Himbeerjäger. Die Himbeeren, mit denen sie sich befassen, sind die des Rasperry Pi. Dabei handelt es sich um einen Open-Source Mikro-Computer, der nur aus elementarsten Teilen besteht und nicht einmal 50 Euro kostet. Prof. Helmer, der an der unibz das Fach Database Systems e Data and Knowledge Engineering lehrt, verbindet mehrere Rasperry Pis zu einem Cluster, sollte mehr Kapazität erforderlich sein. Der Raspberry Pi ebenso wie sein Nachfolger, der Banana Pi, stellen eine ideale Lösung dar, um Datenzentren in kleinen Schulen zu errichten, die sich andernfalls keine Computer leisten könnten. Dabei hat sich das Team um Hard- wie Software gleichermaßen gekümmert

Das Modell eines Low-Cost-Datacenters der unibz-Forscher sieht eine Holzkonstruktion vor, in deren Fächern die einzelnen Raspberry Pies positioniert werden, die Festplatten, Kabel, Schalter und die Batterien, die einen kleinen Server zusammen setzen. „Wir haben dazu eine Konstruktion entworfen, die auch von Handwerkern vor Ort gebaut werden kann“, erläutert Prof. Helmer. „Somit werden die Kosten wie auch der CO2-Fußabdruck bewusst niedrig gehalten, da es uns nicht darum geht, Material rund um den Erdball zu versenden, wenn es bereits vor Ort vorhanden ist.“

Der Vorteil des unibz-Clusters ist, dass beschädigte Einzelteile leicht vor Ort ausgetauscht werden können und somit das Gesamtprojekt keinen Schaden nimmt. Die Kapazität kann durch einfaches Zusammenschließen mit weiteren Rasperry Pies erhöht werden; gespeist wird das Ganze aus Solarzellen. „Die Wartungsarbeiten sind extrem einfach durchzuführen”, fügt Sven Helmer an. „Ein einfacher Schraubenzieher zum Montieren der Komponenten genügt.“

Das Projekt der Freien Universität Bozen möchte Schulen und Forschungszentren in ärmeren Ländern helfen, die digitale Kluft zur westlichen Welt hin zu schließen. Am 15. Juli werden die Himbeer-Jäger wissen, wie ihr Projekt bewertet wurde.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen