"Unterstützung für Arbeitnehmer muss ausgebaut werden"

Mobbing: Vor allem Frauen betroffen

Freitag, 30. September 2022 | 11:26 Uhr

Bozen – Großes Interesse und breite Beteiligung gab es gestern im Palais Widmann bei der ersten von zwei Tagungen zum Mobbing, zu der die Südtiroler Gleichstellungsrätin, ihr Trentiner Kollege und die beiden Landesbeiräten für Chancengleichheit eingeladen haben.

Am 29. September fand im Palais Widmann in Bozen das erste von zwei Treffen zum Thema Mobbing am Arbeitsplatz statt. Dieses hat sich vor allem an Arbeitnehmer:innen gewandt. Die Tagungsreihe ist eine Zusammenarbeit zwischen der Gleichstellungsrätin Michela Morandini, dem Gleichstellungsrat der Autonomen Provinz Trient Matteo Borzaga und den Kommissionen für Chancengleichheit der beiden Provinzen Bozen und Trient. Das Interesse und die Teilnahme an der Veranstaltung waren groß.

Die Grußworte sprachen der Landeshauptmann und Landesrat für Chancengleichheit Arno Kompatscher und die Vizepräsidentin des Trentiner Landeskomitees für Chancengleichheit Donatella Califano. Kompatscher unterstrich die Bedeutung des Anti-Mobbing-Gesetzes und betonte, dass den Unternehmen eine grundlegende Rolle in der Prävention zukommt. Califano wies darauf hin, dass vor allem Frauen Opfer von Mobbing sind und dass die Schikanen oft mit der Mutterschaft in Zusammenhang stehen. Michela Morandini, Gleichstellungsrätin und Verantwortliche des Anti-Mobbing-Dienstes, unterstrich, dass sich bereits an den hohen Anmeldezahlen gezeigt hat, wie groß der Bedarf vonseiten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und dass diese Veranstaltungsreihe ein Auftakt für weitere ist. Sie betonte die Wichtigkeit der Arbeit im Netzwerk, um die Mobbing-Opfer zu unterstützen.

Ziel dieser ersten Veranstaltungen war es, das Phänomen Mobbing von all seinen Seiten zu beleuchten, daher auch der Untertitel „psychologische, rechtliche und organisatorische Aspekte“ des Mobbings. Raffaele Virgadaula, Arbeitspsychologe und Experte in den Bereichen Mobbing, Stress, Konflikte und Gesundheit am Arbeitsplatz, gab eine Erklärung zum Begriff des Mobbings, zeigte verschiedene Formen und Phasen des Mobbings und zeigte Handlungsmöglichkeiten auf. „Mobbing ist ein komplexes Phänomen, das erhebliche Auswirkungen auf das Wohlbefinden der betroffenen Person hat. Für den Betrieb ist Mobbing wie ein Virus“, erklärte Virgadaula und betonte die Verantwortung der Unternehmen, im Falle von Mobbing zu handeln. Einen geschlechterspezifischen Blick auf das Phänomen des Mobbings warf die Professorin für Soziologie der ökonomischen Prozesse und Arbeit Barbara Poggio. Sie unterstrich, dass Frauen am Arbeitsmarkt verletzlicher sind und ein dementsprechend höheres Risiko haben, von Mobbing am Arbeitsplatz betroffen zu sein und zeigte die Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen von Mobbing auf. Die rechtlichen Möglichkeiten für die Betroffenen beleuchtete die assoziierte Professorin für Arbeitsrecht Francesca Malzani, die aber die derzeitige Gesetzeslage als unzureichend für den Schutz der Opfer einschätzte. Am Ende der Veranstaltung konnten die Teilnehmenden Fragen an die Vortragenden stellen.

Michela Morandini und Matteo Borzaga rundeten dieses erste Informationstreffen ab, indem sie aufzeigten, wohin und an wen sich Betroffene wenden können: in Bozen (nach Terminvereinbarung) an das Büro der Gleichstellungsrätin in der Cavourstraße 23/c, telefonisch unter 0471.946003, per E-Mail info@gleichstellungsraetin-bz.org und auf der Webseite www.gleichstellungsraetin-bz.org. Unter diesen Kontaktmöglichkeiten gibt es auch weitere Informationen zur zweiten Tagung am 13. Oktober im Palazzo Geremia in Trient.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare
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Goennenihrwichtigtuer
2 Monate 2 Tage

Vor allem Frauen betroffen trifft gut… Auch Täter in den meisten bzw allen meinen Erfahrungen…

doco
doco
Tratscher
2 Monate 2 Tage

das grösste Mobbing Potential am Arbeitsplatz ist laut meiner Erfahrung zwischen Frauen.

Ninni
Ninni
Kinig
2 Monate 2 Tage

Dies ist ein alter Hut,
wenn eine Frau sich nicht wehren und durchsetzen kann, kriegt man es hinterher zu spüren…🤪

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
2 Monate 2 Tage

Ein grausames, perfide Verhalten bei dem die Betroffenen richtig viel Kraft und Mut brauchen um ihm sich entgegen zu stellen.

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