Für die deutschen Autobauer könnte es teuer werden

Mögliches Autokartell: Milliardenstrafen für BWB denkbar

Dienstag, 25. Juli 2017 | 15:55 Uhr

Die deutschen Autobauer Daimler, BМW, Audi, Porsche und VW sollen seit den 90ern illegale Absprachen getroffen haben. Laut BWB-Chef Theodor Thanner ist es “sicher das größte Kartell in Europa”, wenn nicht sogar weltweit in den letzten Jahrzehnten. Noch gelte aber die Unschuldsvermutung. Sollte die EU-Kommission Geldbußen verhängen, drohen den Konzernen Strafen von bis zu 50 Mrd. Euro.

Neben den Verbrauchern könnten auch österreichische Zulieferer von den illegalen Absprachen betroffen sein, so Thanner am Dienstag zur APA. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) wolle daher rasch Klarheit schaffen. “Jeder zweite BMW fährt mit österreichischem Motor”, merkte Thanner an und betonte die hohe Bedeutung des Automobilsektors. Die Branche erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von 43 Mrd. Euro.

Es wäre zum Beispiel möglich, dass sich die fünf verdächtigen Autobauer ausgemacht hätten, eine neue Technologie nicht einzusetzen, so Thanner. Dadurch könnten österreichische Lieferanten nicht zum Zug gekommen sein.

Sollten sich die Anschuldigungen als wahr herausstellen, drohten den Autoherstellern hohe Geldbußen: EU-Strafen können bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes betragen – die fünf verdächtigen Konzerne verbuchten 2016 Erlöse von rund 546 Mrd. Euro. In diesem Fall wären theoretisch also bis zu 50 Mrd. Euro fällig.

Die deutschen Grünen sehen im Zusammenhang mit den möglichen Absprachen Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in der Verantwortung und fordern dessen Absetzung. Dobrindt sei ein “Risikofaktor für die Arbeitsplätze in der Automobilindustrie und muss schnellstens seiner Aufgaben entbunden werden”, so der stv. Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer, zur “Passauer Neuen Presse”.

Dobrindt habe den Diesel-Abgasskandal durch Wegschauen erst möglich gemacht und Konsequenzen vermieden, sagte der Grünen-Politiker weiter. Es sei “kaum zu glauben”, dass er nicht schon seit Monaten über zu kleine AdBlue-Tankgrößen informiert gewesen sei.

Dem “Spiegel” zufolge sollen sich Volkswagen mit seinen Töchtern Audi und Porsche sowie Daimler und BMW seit den 90er-Jahren in geheimen Arbeitsgruppen über ihre Fahrzeuge abgesprochen haben. Sowohl das deutsche Bundeskartellamt als auch die EU-Kommission erhielten entsprechende Informationen. Die EU-Behörde übernahm deren Bewertung. Durch die angebliche Einigung auf zu kleine AdBlue-Tanks könnten die Autobauer den Weg für den Dieselskandal geebnet haben.

Von: apa