Monsanto war das erste Angebot zu wenig

Monsantos Übernahmepoker mit Bayer dauert an

Mittwoch, 29. Juni 2016 | 18:20 Uhr

Nach der Ablehnung der 62 Mrd. Dollar (56 Mrd. Euro) schweren Übernahmeofferte von Bayer zeigt sich Monsanto weiter offen für Gespräche mit dem Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern. Zugleich spreche Monsanto aber auch mit "anderen" über alternative strategische Möglichkeiten, erklärte der Vorstandschef des US-Saatgutriesen, Hugh Grant, am Mittwoch.

"Ich habe mich persönlich in den vergangenen Wochen in Gesprächen mit dem Bayer-Management befunden", sagte er. Es gebe offiziell keinen neuen Stand. Monsanto werde sich aber weiter aktiv an einem "konstruktiven Dialog" beteiligen, um wertsteigernde strategische Möglichkeiten zu verfolgen.

Wie Reuters von zwei mit der Sache vertrauten Personen erfuhr, prüft Monsanto mögliche Kombinationen mit anderen Firmen in der Branche über Bayer hinaus. Dabei kämen BASF in Frage oder Geschäfte, von denen sich die US-Chemiekonzerne Dow Chemical und DuPont bei ihrer Mega-Fusion trennen müssten. Die Amerikaner seien auch offen für einen Deal nur mit dem Agrarchemiegeschäft von Bayer. Ein Bayer-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Die Leverkusener bieten Monsanto 122 Dollar je Aktie. Grant hatte das Offert als zu niedrig zurückgewiesen, sich aber offen für Gespräche gezeigt. Diese kommen aber nicht voran. Während die Leverkusener Einblick in die Bücher von Monsanto wollen, bevor über eine Anhebung des Angebots entschieden werden kann, fordert der Saatgutriese ein höheres Offert, bevor er dies zulässt, berichten mit der Sache vertraute Personen. Sollte die Übernahme glücken, wäre es die größte in der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Die Quartalszahlen von Monsanto dürften den Amerikanern nicht bei ihren Forderungen nach einem höheren Offert helfen. Im dritten Quartal seines Geschäftsjahres brach der Nettogewinn des Saatgutriesen um mehr als ein Drittel auf 717 Mio. Dollar ein. Der Umsatz sank um mehr als acht Prozent auf 4,2 Mrd. Dollar. Vor allem das Geschäft mit Soja-Saatgut schwächelt. Im Pflanzenschutzgeschäft mit dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat machen Monsanto niedrigere Preise zu schaffen. Zudem belastete ein negativer Steuereffekt im Argentinien-Geschäft. Monsanto habe im laufenden Geschäftsjahr mit unvorhergesehenen Herausforderungen zu kämpfen, erklärte Grant. Die Branche befinde sich an einem Tiefpunkt, es gebe aber frühe Anzeichen einer Erholung.

Für das Gesamtjahr kappte Grant dennoch seine Prognose. Monsanto gehe nur nach davon aus, dass untere Ende der bereits gesenkten Ergebnisprognose von 4,40 bis 5,10 (Vorjahr: 5,73) Dollar je Aktie zu erreichen. Ab dem kommenden Geschäftsjahr will der Konzern beim Ergebnis aber wieder zulegen. Grant gab sich selbstbewusst. Die Wachstumsaussichten seien trotz des Dämpfers in diesem Jahr langfristig gut, das Unternehmen werde in den kommenden Jahren von wichtigen neuen Produkten profitieren. Das müsse sich auch in der Bewertung von Monsanto widerspiegeln. Wer Saatgut, Pflanzenschutz und digitale Landwirtschaft aus einer Hand anbieten wolle, komme an Monsanto nicht vorbei, sagte Grant.

Von: apa