49 Prozent der 16- bis 24-Jährigen nutzen sogenannte Streamripper

Musikindustrie setzt Attacke auf YouTube fort

Mittwoch, 14. September 2016 | 09:32 Uhr

Die Musikindustrie schießt sich weiter auf YouTube ein. Laut einer Umfrage nutzen 82 Prozent die Google-Videoplattform wegen der Musik, erklärte der globale Branchenverband IFPI. Die Musikkonzerne und zahlreiche Künstler werfen YouTube vor, mit dem kostenlosen Song-Angebot Musik zu entwerten und gemessen an der Nutzerzahl zu wenig Geld an die Branche zu überweisen.

YouTube kontert, man gebe gemäß dem Geschäftsmodell mehr als die Hälfte der Werbeeinnahmen an die Rechteinhaber weiter und gebe ihnen mit Hilfe von Software zum Erkennen geschützter Inhalte genug Kontrolle auch bei von Nutzern hochgeladenen Songs. Die Plattform weigert sich zugleich, Geld für Song-Abrufe ohne begleitende Werbung zu bezahlen.

Die Google-Tochter entgegnete am Dienstag zu den IFPI-Umfragezahlen, ein durchschnittlicher YouTube-Nutzer verbringe rund eine Stunde im Monat mit dem Musik-Konsum – deutlich weniger als auf reinen Musikplattformen. Zudem gehe weniger als einem Fünftel der Videoabrufe die Suche nach einem konkreten Künstler oder Song voraus. Stattdessen werde die Auswahl größtenteils von Software-Algorithmen bestimmt. Laut der IFPI-Umfrage hatten 81 Prozent angegeben, bei YouTube ihnen bereits bekannte Musik zu hören. Die Musikkonzerne platzieren auch selbst Songs bei YouTube, wie es heißt, um Neuerscheinungen bekannter zu machen.

Derzeit laufen neue Lizenzverhandlungen zwischen den großen Musiklabels und YouTube. Von der EU-Kommission werden demnächst Vorschläge zur Reform des Urheberrechts erwartet, die nach bisherigen Informationen strengere Regeln für Online-Plattformen enthalten können.

Die Umfrage im Auftrag des IFPI in 13 Ländern ergab auch, dass im Schnitt 37 Prozent lizenzierte Musikstreaming-Angebote nutzen, bei denen die Songs direkt aus dem Netz abgespielt werden. Dabei schwankt die Popularität massiv von Land zu Land: An der Spitze stehe Mexiko mit 64 Prozent gefolgt von Schweden mit 61 Prozent der Internet-Nutzer. Die Japaner greifen mit einem Anteil von nur 11 Prozent mit Abstand am seltensten auf Streaming-Musik zu. Auch in Österreich verstärkt sich der Trend zu Streaming-Angeboten. Die Umsätze mit Abos sind hierzulande im 1. Halbjahr 2016 um 70 Prozent auf 8,4 Millionen Euro gestiegen.

Der Verband betonte, dass in der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen fast jeder Dritte für einen Abo-Musikdienst bezahle, während es im Durchschnitt der 13 Länder insgesamt nur 18 Prozent seien. Zugleich nutzten aber auch 49 Prozent der 16- bis 24-Jährigen sogenannte Streamripper, mit denen sich online abgespielte Musik zum Beispiel von YouTube speichern lasse.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz