Dachverband fordert Überarbeitung

Nationalparkplan Stilfserjoch: “Drauf und dran, eine historische Chance zu vergeben”

Samstag, 01. Oktober 2022 | 07:52 Uhr

Bozen – Mit dem neuen Nationalparkplan könnte der Nationalpark Stilfserjoch zum Modell einer nachhaltigen ökologischen und wirtschaftlichen Entwicklung werden. „Leider ist die Landesregierung drauf und dran, diese historische Chance zu vergeben“, erklärt Josef Oberhofer, der Vorsitzende des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz. Seine Begründung: Wirtschaftliche Interessen hätten im Planentwurf nahezu durchgängig Vorrang vor dem Schutz von Umwelt und Landschaft.

Die Entwürfe des neuen Nationalparkplans und der ebenso neuen Nationalparkordnung Stilfserjoch sind auf der Website der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz veröffentlicht worden. Beide Dokumente müssen die Strategische Umweltprüfung durchlaufen, alle Interessierten können die Entwürfe einsehen und noch bis 24. Oktober Stellungnahmen dazu abgeben.

Eine solche Stellungnahme kommt nun vom Dachverband für Natur- und Umweltschutz, der größten Umweltorganisation des Landes. Das Fazit: „Derzeit zielen die Entwürfe vorrangig darauf ab, die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb des Nationalparks zu sichern“, so Oberhofer. „Für den Schutz des Parkgebietes so wichtige neue ökologische Standards werden dagegen nicht eingeführt.“

Der Dachverband bleibt indes nicht bei der allgemeinen Kritik, sondern geht auch ins Detail und stößt sich vor allem an den Bestimmungen, die die Errichtung neuer Skipisten und Aufstiegsanlagen im Nationalparkgebiet erlauben. „Hinter diesen Bestimmungen steht vor allem das Bestreben, die Ortler-Ronda mit der Verbindung der Skigebiete Langenstein und Madritsch über das bisher unberührte Gebiet am Hintergratkopf abzuschließen“, erklärt die Geschäftsführerin des Dachverbandes, Madeleine Rohrer. Sie ergänzt: „Damit würden nicht nur die Klimaziele der Landesregierung untergraben, sondern auch der Schutz der anliegenden Natura-2000-Gebiete zerstört.“ Lebensräume würden durch die geplanten Lift- und Pistenbauten zerschnitten – mit nachhaltigen Folgen für die Biodiversität.

Zudem würden anderen Lift-, Pisten- und Beschneiungsprojekten im Nationalparkgebiet Tür und Tor geöffnet. „Solche Eingriffe müssten aber längst schon verboten werden, wenn man Initiativen wie den Nachhaltigkeitsplan oder den Nachhaltigkeitsgipfel nicht zur Farce machen möchte“, so Rohrer.

Kritisch sieht der Dachverband zudem die in den Entwürfen vorgesehene Erlaubnis, Flächen im Park auf dieselbe Art und Weise zu bewirtschaften wie solche außerhalb. „Gerade im Parkgebiet sollte eine nachhaltige Bewirtschaftung verpflichtend sein, aus der sich nicht nur ein ökologischer, sondern auch ein wirtschaftlicher Mehrwert schöpfen ließe“, so die Geschäftsführerin. Auch hier habe man sich allerdings für ein Weiter-so entschieden.

Der Dachverband fordert außerdem ein Verbot neuer Straßen – auch von Forst-, Güter- und Almwegen – in den zentralen Gebieten des Nationalparks. Darüber hinaus wird in der Stellungnahme auch die in den Planentwürfen vorgesehene Möglichkeit der „funktionellen Erweiterung“ von Schutzhütten in den Kernzonen des Parks kritisch gesehen. „Diese Formulierung ist derart schwammig, dass man darunter jeden Ausbau von Hütten in den B-Zonen des Parks verstehen kann“, so Rohrer.

Aufgrund der aufgezeigten Mängel fordert der Dachverband für Natur- und Umweltschutz eine Überarbeitung der Entwürfe des Nationalparkplans sowie der Nationalparkordnung. „Bei dieser Überarbeitung muss zwar dem Leben und Wirtschaften im Nationalpark ein zentrales Augenmerk gewidmet werden, im Mittelpunkt muss aber der Schutz von Klima, Natur, Landschaft und Biodiversität stehen“, so Josef Oberhofer.

Von: luk

Bezirk: Bozen, Vinschgau

Kommentare
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Maurus
Maurus
Tratscher
2 Monate 3 Tage

Ortler Weg, Marmorweg. Mir gefallen diese neuen Themenwege. Aber die alten, historischen Wege wurden nun schon seit 4 Jahren nicht mehr gepflegt.

Wanderer, Biker und Erosion tun ihr Übriges. Anscheinend ist kein Personal vorhanden.

War früher besser

Faktenchecker
2 Monate 3 Tage

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
2 Monate 3 Tage

Maurus….
Vielleicht sind viele alte Wege, vor allem im Bereich von Gletscher einfach zu gefährlich!

OrB
OrB
Kinig
2 Monate 3 Tage

In Südtirol ist kein Platz für Natur und Umweltschutz!
Die Landesregierung hat nicht das Wort, sondern wird in so gut wie allen Bereichen von den üblichen Lobbys gelenkt.

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
2 Monate 3 Tage

naja, der Parkplan muss eine große UVP bestehen, da sitzen bekanntlich auch Verttrer der Umweltverbände, also warum jetzt so ein Wirbel? Oder hat jemand bereits die Landtagswahlen des nächsten Jahres im Kopf?

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