Auch im VW-Skandal gibt es Neuigkeiten

Neue Diesel-Pkw stoßen deutlich mehr NOx aus als angenommen

Donnerstag, 08. Juni 2017 | 15:05 Uhr

Neue Diesel-Pkw der Euroklasse 6 stoßen deutlich mehr Stickoxide (NOx) aus als bisher angenommen. “Die Emissionen zeigen für Euro 6 a,b (nach NEDC typisiert) eine Zunahme bei NOx um 34 Prozent ohne Berücksichtigung des Temperatureinfluss. Inklusive Temperatureinfluss steigt die Erhöhung der Emissionsfaktoren um 78 Prozent”, teilte das Umweltbundesamt auf APA-Anfrage mit.

Grundlage sind Messergebnisse für das europäische Emissionsmodell und Handbuch Emissionsfaktoren. “In diesen Emissionsfaktoren sind gezielte Adaptierungen am Testzyklus und vor allem Abschaltvorrichtungen der Abgasnachbehandlung bei niedrigen Temperaturen eingeflossen”, erklärte das Umweltbundesamt. Die Emissionsfaktoren sollen das Abgasverhalten in realen Fahrsituationen wiedergeben. Die Werte basieren auf umfangreichen Messungen und Untersuchungen.

Aufgrund der aktuellen Erkenntnisse aus europäischen Messgruppen, in denen auch das Umweltbundesamt aktiv ist, habe man vor rund einem Monat eine aktualisierte Version des Handbuchs Emissionsfaktoren des Straßenverkehrs (HBEFA 3.3) veröffentlicht. Auf Basis der neuen Messergebnisse sei die Grundlage für die Inventurberechnungen 2017 (MODELL NEMO) angepasst worden. “Das Umweltbundesamt ist keine Behörde, daher besteht kein rechtlicher Handlungsbedarf. Zuständig sind die Typisierungsbehörden”, hieß es zur APA.

Indes sorgt ein aktueller Bericht des ZDF zum VW-Skandal in Deutschland für Aufsehen: Das Software-Update, das VW für seine Diesel-Pkw entwickelt habe, löse die Abgasprobleme der Kunden nicht, berichtete das ZDF-Magazin “Zoom” am Mittwochabend mit dem Verweis auf interne Unterlagen. Mit der neuen Software von Volkswagen haben die Dieselautos laut ZDF mehrere Abschalteinrichtungen, die zu hohen Stickoxidemissionen im Straßenverkehr führen würden. Das deutsche Kraftfahrtbundesamt (KBA) kommt laut den dem Fernsehsender vorliegenden Unterlagen zu dem Schluss, die vorhandenen Abschalteinrichtungen als zulässig einzustufen.

Volkswagen erklärte gegenüber dem ZDF, “dass die betroffenen Fahrzeuge alle gesetzlichen Anforderungen nach Umsetzung der technischen Maßnahmen vollumfänglich erfüllen.” Die manipulierten VW-Fahrzeuge wurden in Deutschland typisiert, damit ist das deutsche Kraftfahrtbundesamt (KBA) die zuständige Typisierungsbehörde, erklärte österreichische Umweltbundesamt. Das deutsche KBA sei auch für die Beurteilung der Sanierungsmaßnahmen zuständig. Eine Fahrzeug-Typisierung in Deutschland gilt europaweit.

Die Schadstoff-Grenzwerte müssen für die Typisierung laut Umweltbundesamt nur im Testzyklus eingehalten werden. Die Emissionen im Realbetrieb würden gemäß der bestehenden europäischen Abgasgesetzgebung im Rahmen der Typisierung nicht überprüft.

Mit der Einführung der realitätsnäheren “Worldwide harmonized Light vehicles Test Cycles (WLTC)”-Tests im September 2017 werden auch die Emissionen im Realbetrieb überprüft. “Die Emissionen der Fahrzeuge, die ab diesem Zeitpunkt typisiert werden, dürfen den Grenzwert dann nicht mehr als um den Faktor 2,1 übersteigen”, so das Umweltbundesamt.

Das heimische Verkehrsministerium testet anlässlich des VW-Abgasskandals mehrere Dieselfahrzeuge nun selbst, weil Österreich keine EG-Typgenehmigung für Emissionsvorschriften und Gesamtfahrzeuge vornimmt. Typengenehmigungen erfolgen in der EU üblicherweise im Land des Autobauers, für die deutschen Hersteller ist das Kraftfahrt-Bundesamt zuständig.

“Es wurden sieben Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller, die repräsentativ für den österreichischen Markt sind, ausgewählt”, teilte das Verkehrsministerium auf APA-Anfrage mit. Für diese Fahrzeuge würden derzeit Prüfungen organisiert, eines dieser Fahrzeuge werde aktuell in Zusammenarbeit mit der TU Wien getestet. Die Testergebnisse sollen bis Ende des Jahres vorliegen. Dann wird es laut Verkehrsministerium Gespräche mit den Typisierungsbehörden, unter anderem dem deutschen Kraftfahrt-Bundesamt, geben.

Von: apa

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