Kika/Leiner-Chef Reinhold Gütebier

Neuer Kika/Leiner-Chef sieht Handlungsbedarf

Dienstag, 13. November 2018 | 13:42 Uhr

Zurückhaltende Ansagen sind seine Sache nicht. Der neue CEO der Möbelketten Kika und Leiner, Reinhold Gütebier, will die Ketten in die “Champions League” zurückführen. “Zum Ende meiner beruflichen Laufbahn nehme ich eine Herkulesaufgabe an”, sagte der 66-Jährige, der kürzlich sein 50-jähriges Berufsjubiläum in der Möbelbranche hatte. “Ich bin nicht gekommen, um zu scheitern.”

Gütebier hat zwar die Marktführerschaft von Kika und Leiner vor Augen, räumte aber ein, dass dies nicht sehr realistisch ist. Laut Zahlen von Kreutzer Fischer & Partner kommt XXXLutz in Österreich auf einen Marktanteil von 30 Prozent, Kika/Leiner auf 21,8 Prozent und Ikea auf 15,4 Prozent. Der Möbelhandel wachse überhaupt nicht, die Branche krisle seit 2016.

Zuletzt lag der Umsatz von Kika und Leiner in Österreich zusammen bei etwa 800 Mio. Euro. Unter dem vorherigen Eigentümer Steinhoff, der seit fast einem Jahr wegen eines Bilanzskandals in den Schlagzeilen ist, brachen die Umsätze zweistellig ein. Nun sei ein zweistelliges Wachstum notwendig, sagte Gütebier. Auch beim Online-Geschäft räumte der Vorstand “erhebliche Versäumnisse” ein, die beseitigt werden müssten. Allererste Priorität habe aber das stationäre Geschäft.

Er sei kein Chef, der in einem goldenen Glaskasten sitze, sondern auf der Fläche zu finden sei. Also bei den Kunden und Mitarbeitern. Dessen Vertrauen müsse man nun wiedergewinnen. Die Lage bei Steinhoff verunsicherte auch österreichische Kunden. Vor allem das Segment mit großen Möbeln – wie etwa Küchen – fuhr starke Umsatzeinbußen ein. Kunden schreckten davor zurück, Anzahlungen zu leisten, da die Zukunft der Möbelketten ungewiss war.

Unsicher ist aus derzeitiger Sicht, was mit den über 20 osteuropäischen Filialen passiert, die zuletzt Umsätze in Höhe von 200 Mio. Euro beisteuerten. Eine Entscheidung soll im Dezember fallen, kündigte Gütebier an. Ein Verkauf wird jedenfalls nicht ausgeschlossen.

Auch die Zukunft der prominenten Leiner-Filiale auf der Mariahilfer Straße ist noch nicht gewiss. Eigentümer Rene Benko schwebt hier ein Luxuskaufhaus nach dem Vorbild des Berliner Kaufhauses des Westens (KaDeWe) vor. Das KaDeWe gehört auch zum Imperium des Immobilieninvestors. Pikantes Detail am Rande: Im obersten Stockwerk der Leiner-Immobilie auf der Mariahilfer Straße wohnt der frühere Kika/Leiner-Eigentümer Herbert Koch. Die Familie Koch verkaufte die Möbelketten im Jahr 2013 an die südafrikanische Steinhoff-Gruppe.

Eine fixe Absage erteilte Gütebier etwaigen Diskontideen, wie sie sein Vorgänger Gunnar George hatte. Mit Lipo wollten die alten Eigentümer eine Diskontschiene à la Möbelix oder Mömax aufziehen. Die Idee scheiterte, bereits nach kurzer Zeit wurden die Lipo-Filialen geschlossen.

Neben Gütebier besteht das Führungsteam von Kika und Leiner aus Finanzchef Darius Kauthe und Einkaufschef Oliver Müther. Die Firmenzentrale befindet sich in St. Pölten.

Von: apa

Kommentare

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1 Kommentar auf "Neuer Kika/Leiner-Chef sieht Handlungsbedarf"


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ma che
ma che
Tratscher
27 Tage 10 h

Klar braucht es Handlungsbedarf wenn ne Kette pleite geht. Um zu wissen, dass es nicht gleich weitergehen kann wie vorher, dafür muss man nicht studiert haben…

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