Bei leichter Abweichung von Testzyklus sprunghafte Abgas-Steigerung

Neues Gutachten belegt Wirkung der VW-Schummelsoftware

Freitag, 12. Januar 2018 | 06:20 Uhr

Zuletzt ist es im Abgasskandal um VW ruhiger geworden. Der Konzern hat 2017 mehr Autos abgesetzt als vor Bekanntwerden der Schummelsoftware, die im Test einen geringeren Schadstoffausstoß vortäuscht. Im Hintergrund laufen aber noch zahlreiche Prozesse von VW-Besitzern, die Schadenersatz fordern. In einem davon wurde ein neues Gutachten vorgelegt, das die Wirkung der Schummelsoftware belegen soll.

Vor dem Landesgericht Linz wurde Anfang Jänner ein Gutachten des Sachverständigen Werner Tober vom Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik besprochen. Tober hatte den Auftrag zu klären, was passiert, wenn am Prüfstand nicht im speziellen Saubermodus für Prüfungen sondern im “Schmutzmodus” wie im normalen Straßenverkehr gefahren wird, erläuterte Anwalt Michael Poduschka im Gespräch mit der APA. Die Prüfung sei schwierig gewesen, weil VW den Quellcode der Software nicht bekanntgibt.

Tober konnte nachweisen, dass der Ausstoß von Stickoxiden (NOx) am Prüfstand sprunghaft steigt, wenn sich die Geschwindigkeit des Fahrzeuges um mehr als drei Prozent vom vorgeschriebenen Wert entfernt – egal ob das Fahrzeug schneller oder langsamer wird. Während der Stickoxidausstoß bei einem Tempo knapp um den vorgeschriebenen Testwert geringfügig schwankte, stieg er dann plötzlich auf das Zweieinhalbfache.

Tober überlasse dem Gericht zwar die endgültige Würdigung der Messergebnisse, meint aber, es gebe keine vernünftige Erklärung für das sprunghafte Ansteigen des NOx-Ausstoßes bei so kleinen Laständerungen, außer der Betrugssoftware, sagt Poduschka. Diese Ansicht sei im Verfahren vor dem Landesgericht Linz von einem weiteren Sachverständigen, Wolfgang Haslinger, bekräftigt worden. Haslinger habe in der mündlichen Verhandlung zur Interpretation der Messungen ebenfalls keinen anderen Grund für diese Ergebnisse gesehen.

Die gesetzlichen Grenzwerte seien in den Messungen von Tober um das 2,1- bis 2,5-fache überschritten worden. Haslinger gehe davon aus, dass die Fahrzeuge, wenn sie ohne Schummelsoftware geprüft worden wären, keine Typengenehmigung erhalten hätten, sagt Poduschka und schließt daraus: “Ohne Typengenehmigung ist auch keine Zulassung möglich, die europaweit 8,4 Millionen betroffenen Fahrzeuge wären faktisch unverkäuflich gewesen.” Aus seiner Sicht wurde mit dem Gutachten nun erstmals bewiesen, dass die Betrugssoftware dazu gedient habe “vorzugaukeln, dass die NOx-Werte eingehalten werden”. Das schaffe nicht nur für laufende Zivilverfahren neue Haftungsgrundlagen, sondern “dürfte meines Erachtens auch eine belastbare Grundlage für eine strafrechtliche Verurteilung der Verantwortlichen (inkl. der Volkswagen AG) schaffen”.

Tober hat seine Berechnungen im September 2017 angestellt und die Ergebnisse Ende Dezember 2017 den Parteien zugestellt. Eigentlich war es für einen anderen Fall vorgesehen, wo es aber wohl erst im März zur Sprache kommen wird. Die zuständige Richterin eines parallel geführten Verfahrens hat es für ihre Verhandlung am 8. Jänner am Landesgericht Linz beigeschafft. In beiden Fällen ist Poduschka Anwalt der Kläger.

Von: apa

Kommentare

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7 Kommentare auf "Neues Gutachten belegt Wirkung der VW-Schummelsoftware"


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amme
amme
Tratscher
4 Tage 1 h

jeden betroffenen autofahrer 5000 in die hsnd und gut ist

OrB
OrB
Superredner
4 Tage 1 h

Man wartet immer noch auf die rollenden Köpfe.

Fantozzi
Fantozzi
Tratscher
4 Tage 18 Min

früher musst man sich mit einem Fiat schämen – heute ist es ein VW hahaha wenn man bedenke was so ein mittelklasse wagen kostet – nicht mehr normal – aber dank marketing wird man das schon richten –

Tschoegglberger.
3 Tage 23 h

sauteuer die Kisten mit integriertem Betrug

bon jour
bon jour
Superredner
4 Tage 19 Min

man stelle sich den Shitstorm vor, wenns die Walschen gewesen wären.

berthu
berthu
Tratscher
3 Tage 19 h

Es ist schon eine Zeit lang und jetzt erst recht so, daß die Fahrzeugelektronik die Lebensdauer, Zuverlässigkeit und Reparierbarkeit der Autos mehr beschränkt, als jede Mechanik.
Weniger ist in diesem Fall “MEHR”.

Vieldenker
Vieldenker
Tratscher
4 Tage 36 Min

nie mehr vw, erstens weil die ale gleich aussehen und zweitens weil die Lebensdauer der vw Fahrzeuge nicht mehr die Hälfte ist als vor dem Jahr und 2000. zum schämen wie ein vw nach 6 bis 8 jahren schon für einen Zustand erreicht. bei meinem t4 der 19 jahre alt ist funktioniert noch ALLES.
Der 8 jährige T5 ist bald schrott, motor, Getriebe, klima, rost……

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