Novartis-Hauptsitz in Basel

Neues Herzmedikament von Novartis überzeugt Experten nicht

Sonntag, 27. August 2017 | 14:53 Uhr

Analysten trauen dem Medikament “Ilaris” von Novartis bei einer Zulassung als Herz-Kreislauf-Therapie Milliardenumsätze zu – aber neue klinische Studienresultate haben Zweifel am Potenzial des neuen Herzmedikaments geweckt. Demnach erhöht es das Risiko, an einer Infektion zu sterben.

Zwar reduzierte die Arznei Ilaris in einer spätklinischen Studie der Phase III das Risiko von Herzinfarkt- und Arteriosklerose-Patienten, einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder tödliche Herzkreislauf-Probleme zu bekommen. Gleichzeitig bestand für die Behandelten aber ein erhöhtes Risiko, an einer Infektion zu sterben, wie die von dem Schweizer Pharmakonzern am Sonntag beim europäischen Kardiologen-Kongress in Barcelona veröffentlichte Studienresultate zeigten. Experten monierten zudem den hohen Preis des Mittels.

Von Novartis im Juni vorgelegte erste Testresultate für das auch unter der Bezeichnung ACZ885 bekannte Präparat waren vielversprechend und hatten für einen kräftigen Kursschub gesorgt.

An der sogenannten CANTOS-Studie beteiligten sich über einen Zeitraum von sechs Jahren weltweit mehr als 10.000 Patienten. Weltweit erleiden jährlich geschätzt 7,3 Millionen Menschen einen Herzinfarkt, die danach ein erhöhtes Risiko für eine erneute schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung haben.

Analysten trauen Ilaris bei einer Zulassung als Herz-Kreislauf-Therapie Milliardenumsätze zu. Das Medikament ist bereits zur Behandlung verschiedener entzündlicher Erkrankungen wie etwa Gichtarthritis oder hereditäre Fiebersyndrome auf dem Markt und Novartis erzielte damit im vergangenen Jahr 283 Mio. Dollar (239,7 Mio. Euro) Verkaufserlös.

Das Unternehmen aus Basel hatte im Therapiebereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Rückschlägen zu kämpfen. So verfehlte der Wirkstoff Serelaxin den Nachweis, dass er die Zahl von Todesfällen nach einem akuten Herzversagen verringern oder eine Verschlechterung des Zustands der Patienten verhindern kann. Novartis versucht derzeit zudem, mit zusätzlichen Investitionen den Verkauf des mit Startschwierigkeiten kämpfenden Herzmedikaments Entresto anzukurbeln.

Von: APA/ag.