Nur 22 Prozent der Jobs im Technologieumfeld von Frauen besetzt

Niedriger Frauenanteil bei Tech-Jobs bremst EU-Wirtschaft

Dienstag, 24. Januar 2023 | 12:50 Uhr

Fachkräfte im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (Mint) werden händeringend gesucht. Trotz der hervorragenden Berufsaussichten und guten Verdienstmöglichkeiten gelingt es nicht, genügend junge Leute als Nachwuchs zu gewinnen, auch weil Frauen davor zurückschrecken, ein Studium in einem Mint-Fach aufzunehmen und erfolgreich abzuschließen.

Die Misere bremst inzwischen sogar spürbar die wirtschaftliche Entwicklung aus, haben Forscher des Beratungsunternehmens McKinsey festgestellt. Bisher seien 22 Prozent der Arbeitsplätze in diesem Bereich in den EU-Mitgliedstaaten von Frauen besetzt. Gelänge es, den Frauenanteil in Tech-Rollen auf bis zu 45 Prozent im Jahr 2027 zu verdoppeln, könnte Europas Bruttoinlandsprodukt um 260 Mrd. bis 600 Mrd. Euro steigen.

Auf dem EU-Arbeitsmarkt fehlen demnach bis 2027 zwischen 1,4 Millionen und 3,9 Millionen Arbeitskräfte im Technologieumfeld. Diese steigende Nachfrage könne in Europa durch den heutigen, überwiegend von Männern geprägten Talentpool nicht gedeckt werden. “Der Mangel an Geschlechterdiversität in Europas Technologielandschaft führt zu erheblichen Nachteilen für Beschäftigte, Innovation und die gesamte europäische Gesellschaft”, erklärte Mitverfasser Sven Blumberg.

In der Grundschule und der Sekundarschulbildung gebe es keine Hinweise, dass Buben besser in Mathe oder Informatik seien als ihre Klassenkameradinnen, sagte Mitautorin und McKinsey-Beraterin Melanie Krawina. Wenn es dann aber darum gehe, sich an der Universität für eine Mint-Disziplin einzuschreiben, zeige sich “ein erster dramatischer Absturz” auf 38 Prozent. Für die technisch orientierten Disziplinen der Informations- und Kommunikationstechnik entscheiden sich demnach nur noch 19 Prozent der jungen Frauen.

Schon die Zahlen aus den Universitäten sind mit Blick auf die Geschlechterparität aus Sicht der Wirtschaft ernüchternd. Doch nach dem Abschluss fällt der Anteil noch einmal. Die McKinsey-Analyse zeigt, dass 23 Prozent der Absolventinnen beim Einstieg ins Berufsleben eine Tech-Rolle übernehmen. Bei Männern liegt der Wert bei 44 Prozent. Die Berater empfehlen den Unternehmen, Frauen im Technologiebereich besser zu fördern und beispielsweise flexiblere Arbeitsmodelle oder eine bessere Kinderbetreuung anzubieten. Die Firmen müssten Frauen besser an sich binden und ihnen einen Grund geben, im Technologiebereich zu bleiben. Die Bindung weiblicher Talente müsse als ein wichtiger Leistungsindikator für die Bewertung von Führungskräften einführt werden.

McKinsey-Beraterin Krawina sieht vor allem in Stereotypen und einer falschen Wahrnehmung der Mint-Fähigkeiten von Mädchen gegenüber Buben die Gründe für die ungleiche Entwicklung. “Mädchen werden häufig geringere Mint-Fähigkeiten zugesprochen als Jungen.” Gepaart mit dem Einfluss allgemeiner Stereotypen und dem Mangel an weiblichen Vorbildern führten diese Vorurteile zu mehr Erwartungsdruck. Gleichzeitig würden Mädchen und Frauen durch Lehrerinnen und Lehrer, Mitstudierende oder die Eltern geringer unterstützt.

Von: APA/dpa

Kommentare

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3 Kommentare auf "Niedriger Frauenanteil bei Tech-Jobs bremst EU-Wirtschaft"


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krokodilstraene
krokodilstraene
Tratscher
7 Tage 4 h

Die Aussage dieser Überschrift finde ich etwas gewagt

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
6 Tage 8 h

Quoten sind etwas für “Gendern” Euphorieker. Hier geht es um Qualifikation und Interesse für technische Berufe…

Paladin
Paladin
Superredner
7 Tage 3 h

Vielleicht haben Frauen einfach kein Interesse und keine Lust an diese Jobs? Gendern und Quoten können eines am Ende nicht bewirken, schlicht und einfach was ein Mensch ganz persönlich machen möchte. Und wisst ihr was? Das ist auch total in Ordnung so. Jeder soll die Möglichkeit haben das studieren und arbeiten zu wollen, wozu er/sie Lust hat, er/sie soll aber nichts müssen, nur weil jemand anders denkt er/sie müsse es machen!

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