Eine Frau an der Spitze der WTO ist eine Premiere

Nigerianerin Okonjo-Iweala ab März neue WTO-Chefin

Montag, 15. Februar 2021 | 19:57 Uhr

An der Spitze der WTO steht erstmals eine Frau: Der Allgemeine Rat der Welthandelsorganisation bestimmte am Montag in Genf die Nigerianerin Ngozi Okonjo-Iweala zur neuen Generaldirektorin. Die 66-jährige Ökonomin ist auch die erste Afrikanerin in dem Amt, das vor ihr der brasilianische Karrierediplomat Roberto Azevêdo innehatte. Eine starke WTO sei für eine Erholung nach der Corona-Pandemie “lebenswichtig”, erklärte die frühere Finanzministerin.

“Zusammen können wir die WTO stärker, agiler und besser an die heutigen Realitäten angepasst machen”, erklärte die Entwicklungsökonomin Okonjo-Iweala, die auf eine lange Weltbankerfahrung zurückblickt. Ihr neues Amt tritt sie am 1. März an.

Fokussieren will sie sich in ihrer zunächst bis Ende August 2025 dauernden Amtszeit darauf, dass die Mitgliedsländer im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie nicht zusätzlich noch durch Handelshemmnisse und wachsenden Protektionismus ausgebremst werden. Die Nigerianerin ist auch Vorsitzende der weltweiten Impfallianz Gavi und war im Juli zur Sondergesandten der Afrikanischen Union für den Kampf gegen die Corona-Pandemie auf dem Kontinent ernannt worden.

Die WTO mit Sitz in Genf gehört neben dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank zu den wichtigsten internationalen Organisationen in der Wirtschaftspolitik. Sie soll vor allem ein Forum für Verhandlungen zum Abbau von Zöllen sowie anderen Handelshemmnissen bieten und überwachen, ob internationale Handelsabkommen eingehalten werden.

Zuletzt war die WTO aber zunehmend unter Druck geraten. So ist die Berufungsinstanz des Streitbeilegungsmechanismus der Organisation wegen einer Blockade der USA nicht funktionsfähig; Washington hatte unter Präsident Donald Trump zudem sogar damit gedroht, die WTO zu verlassen.

Unter Trump favorisierten die USA zunächst die Südkoreanerin Yoo Myung Hee als Nachfolgerin Azevêdos, der Ende August vorzeitig aus dem Amt geschieden war. Nach dem Amtsantritt von Joe Biden im Weißen Haus zog sich die Südkoreanerin dann Anfang Februar aus dem Rennen um dem WTO-Chefposten zurück – und machte damit den Weg für Okonjo-Iweala frei.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einem “historischen Moment für die ganze Welt” und sicherte Okonjo-Iweala die volle Unterstützung Europas zu. “Wir unterstützen die Reform der WTO und werden Ihnen helfen, das regelbasierte multilaterale Handelssystem zu schützen”, erklärte von der Leyen.

Die Ernennung Okonjo-Iwealas zur WTO-Chefin sei ein “Befreiungsschlag für dringend notwendige Reformen”, erklärte Wolfgang Niedermark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI). Zugleich sei die Einigung auf Okonjo-Iweala “ein Hoffnungszeichen für den internationalen regelbasierten Handel”.

Die Neubesetzung biete die Chance, “wieder klare Wettbewerbsregeln von den Mitgliedern einzufordern und die in den vergangenen Jahren zugenommenen Handelsspannungen zu entschärfen”, erklärte Niedermark.

Die Leiterin des ifo-Zentrums für Außenwirtschaft, Lisandra Flach, nannte die Wahl eine “einzigartige Chance”. Nach den schwierigen Trump-Jahren bestehe nun die Gelegenheit, die internationalen Verhandlungen über den Handel wiederzubeleben, um ein stabileres System zu erreichen, das nicht auf einseitigen Beziehungen beruhe, erklärte sie in München.

Der Präsident des IfW Kiel, der Österreicher Gabriel Felbermayr, lobte, Okonjo-Iweala sei eine “tatkräftige und erfahrene neue Generaldirektorin”. Dies sei “eine wichtige Voraussetzung, um die drohende Irrelevanz der WTO abzuwenden”.

Von: APA/AFP

Kommentare

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8 Kommentare auf "Nigerianerin Okonjo-Iweala ab März neue WTO-Chefin"


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PuggaNagga
20 Tage 10 h

Weltbank und Entwicklungshilfe?
Passt nicht wirklich zusammen.
Da werden wohl auch Gelder auf falschen Konten eingegangen sein.
Wenn die ganze Entwicklungshilfe richtig eingesetzt worden wäre, würde jetzt niemand mehr in Afrika hungern müssen.

quilombo
quilombo
Grünschnabel
20 Tage 6 h

das stimmt nicht ganz, obwohl sicher Vieles besser wäre.
Aber die Güter und auch Bargelder welche durch unseren Raubhandel von Afrika nach Europa und Nordamerika fließen, sind um ein Vielfaches höher, als die Entwicklungshilfe ausmacht.
Außerdem kommt viel von der “Entwicklungshilfe” nur unseren Unternehmern zugute, und nicht wirklich Afrika.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Tratscher
19 Tage 23 h

pugganagga@

Ich teile deine Meinung!

Das gleiche gilt für den süden Italiens, ein Fass ohne Boden, immer noch!!!!

DontbealooserbeaSchmuser
19 Tage 22 h

Hilfe zur Selbsthilfe.
Wirtschaft ansiedeln, Bewässerung verbessern, Infrastruktur ausbauen, Fortpflanzung reduzieren.
Nur durch Almosen wird sich die Lage nicht verbessern.

brunner
brunner
Universalgelehrter
20 Tage 5 h

Anstatt Waffen sollten sie Essen in diese Gebiete schicken und den Menschen vor Ort eine Perspektive bieten bzw Firmen ansiedeln…..aber das ist natürlich nicht lukrativ

quilombo
quilombo
Grünschnabel
20 Tage 2 h

Essen schicken wäre kontraproduktiv, weil dadurch die landwirtschaft dort in den Bankrott getrieben würde. Leider ist das jetzt schon der Fall. Die Usa schicken Hühner zu Dumpingpreisen, die Einheimischen welche sich auf diesen Zweig spezialisiert hatten, sind alle arbeitslos.
Besser wäre es, wenn wir ihnen nicht ständig die fruchtbarsten Böden wegnehmen würden, um dort gentechnisch Viehfutter für unsere Masttiere anzubauen, ohne ihnen auch nur einen Arbeitsplatz zu schaffen.

was bin ich
was bin ich
Grünschnabel
20 Tage 8 h

Alles wird beim alten bleiben.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Tratscher
19 Tage 23 h

wenn das nur gut geht! 😳

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