Die genauen Pläne sind noch nicht bekannt

Niki dürfte als Marke zum Jahresende in Eurowings aufgehen

Dienstag, 24. Oktober 2017 | 13:56 Uhr

Fans der Fluglinie Niki werden sich bald umgewöhnen müssen. Mit der Übernahme durch die Lufthansa-Gruppe wird der Name rasch verschwinden, die Flugzeuge werden unter der Marke Eurowings fliegen, sagte der Chef der Lufthansa-Tochter Eurowings, Thorsten Dirks, am Dienstag in Wien. Anfang 2018 sollte es so weit sein, wenn alles nach Plan läuft.

Als Firma werde die bisherige Air-Berlin-Tochter Niki mit ihren derzeit 870 Mitarbeitern und dem aktuellen Kollektivvertrag erhalten bleiben. Das sei schon alleine luftverkehrsrechtlich nötig. Wie es mit Niki sonst weitergeht, welche Flugzeuge künftig in Österreich stationiert sein werden, wollte Dirks mit Verweis auf die noch laufende Genehmigung des Deals durch die europäischen Wettbewerbshüter nicht beantworten.

Angemeldet wird der gesamte Deal zwischen Lufthansa und Air Berlin, der neben dem Kauf von Niki auch den Kauf der Luftfahrtgesellschaft Walter umfasst, im November. Dirks rechnet fest mit einem endgültigen Abschluss (Closing) bis Jahresende, sonst würden Niki wie auch Walter wohl zahlungsunfähig werden, sagte er. Bis dahin werde Niki als eigenständige Fluggesellschaft ihr Programm umsetzen. Der Masseverwalter von Air Berlin sei dafür verantwortlich, dass bei der insolventen Air Berlin genug Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Flugbetrieb von Niki so lange aufrecht zu erhalten.

Nach dem Closing werde Eurowings “sehr schnell ein eigenes Flugprogramm auflegen” und “so schnell wie möglich”, also sobald die EU-Kommission als Wettbewerbsbehörde Grünes Licht gegeben hat, werden Strecken und Programm von Niki unter der Marke Eurowings vermarktet werden. Hauseigene Konkurrenz wird dabei in der Lufthansa-Gruppe nicht entstehen: Die Flüge innerhalb des Lufthansa-Konzerns werden “so weit wie möglich” abgestimmt, Flüge werden “komplementär” angeboten, sagte AUA-Sprecher Peter Thier in dem Pressegespräch: “Das gemeinsame Ziel ist es schon, dem Mitbewerb im Zusammenspiel der Marken möglichst viele Marktanteile abzujagen.”

Während die verschiedenen “Billigangebote” der Gruppe unter der Marke Eurowings zusammengefasst werden, sollen die Premiummarken AUA, Swiss und Lufthansa selber erhalten bleiben, sagte Dirks. Auch Brussels Airlines habe derzeit mit ihrer Nische Langstreckenflüge, insbesondere nach Afrika, eine so starken Marke, dass eine Änderung derzeit wohl keinen Sinn mache.

Eurowings entwickelt sich zu einer Plattform für Flüge, auf der verschiedenste Angebote zusammenkommen. “Wir wollen eine große paneuropäische Marke werden”, damit Kunden in ganz Europa hier Verbindungen suchen und finden, sagte Eurowings Chef Thorsten Dirks am Dienstag in Wien. Ziel sei “ein Flixbus der Lüfte” zu werden.

Dirks spielte auf die deutsche Fernbus-Firma an, die durch die Aufnahme und Koordination zahlreicher lokaler Busgesellschaften in kurzer Zeit zum europäischen Marktführer für Linienbusse geworden ist. Für Eurowings werde in Köln die Steuerung ohne eigenen Flugbetrieb eingerichtet, in den einzelnen Firmen sitzen dann die Crews und der Flugbetrieb. Derzeit werden nur Flüge von Gesellschaften der Lufthansa-Gruppe unter “Eurowings” angeboten, man habe aber auch anderen Firmen die Nutzung der Plattform angeboten. Mit dem Konzept sei es möglich, kurzfristig weitere Flugbetriebe einzubinden, von der Anmietung von Flugzeugen samt Personal (wet lease) bis zu ganzen Fluglinien. Bisher habe es allerdings noch keine Interessenten gegeben, so Dirks.

So peilt die Lufthansa-Tochter Eurowings nun ein Wachstum aus eigenem an. Schon jetzt gehören zur Gruppe Langstreckenflüge von Sun Express und Brussels Airlines, die frühere Germanwings ist hier aufgegangen und die beiden Air-Berlin-Töchter Luftfahrtgesellschaft Walter und Niki sollen mit Jahreswechsel dazukommen. Außerdem will Eurowings mit 20 bis 25 weiteren Flugzeugen “organisch wachsen”. Geplant sind insbesondere Langstreckenflüge aus Düsseldorf, einige Flugzeuge sollen auch nach Berlin verlegt werden.

Von: apa