Die Mitarbeiter hoffen noch auf Lösung

Noch Hoffen auf Kaiser’s-Tengelmann-Lösung

Freitag, 14. Oktober 2016 | 13:01 Uhr

Auch nach dem Abbruch der Gespräche zu einer Lösung für Kaiser’s Tengelmann hofft die Gewerkschaft Verdi auf eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. “Wir gehen noch nicht davon aus, dass die Gespräche zu Ende sind”, sagte eine Verdi-Sprecherin am Freitag in Berlin. Derzeit liefen noch Kontakte zwischen der Gewerkschaft und den Beteiligten.

Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger kritisierte unterdessen das am Vorabend überraschend bekanntgegebene Aus für die in den vergangenen Wochen intensiv geführten Gespräche. “Wir können nicht nachvollziehen, dass die Gespräche vorzeitig beendet wurden beziehungsweise für gescheitert erklärt worden sind”, sagte sie.

Auch die Gewerkschaft NGG appellierte an die Beteiligten, “nichts unversucht zu lassen”. “Es darf und kann nicht sein, dass dies auf den letzten Metern an persönlichen Eitelkeiten und an Kompromissunfähigkeit scheitert”, sagte NGG-Vizechef Claus-Harald Güster der “Neuen Osnabrücker Zeitung”.

Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub räumte nach Informationen des WDR in einem Brief an die Mitarbeiter unterdessen noch eine letzte Chance für die Suche nach einer Lösung ein. “Ich habe deshalb noch einmal an Rewe, Markant und Norma appelliert, das Wohl von 16.000 Menschen und ihrer Angehörigen über ihre wirtschaftlichen Interessen zu stellen und den Weg freizumachen für die Übernahme durch Edeka”, zitierte der Sender aus dem am Donnerstagabend verbreiteten Schreiben.

Noch könnten sich die Beschwerdeführer dazu entschließen, sich ihrer ethischen und sozialen Verantwortung als Wirtschaftsführer zu stellen, so Haub. “Bis zur Umsetzung der ersten Verwertungsmaßnahme gibt es ein kleines Zeitfenster dafür.” Der Tengelmann-Chef hatte zuvor angekündigt, mit der Zerschlagung bereits in der kommenden Woche beginnen zu wollen.

Der Betriebsratsvorsitzende der Kaiser’s-Tengelmann-Region Nordrhein, Rainer Schroers, berichtete unterdessen, unter den Mitarbeitern herrsche eine “maßlose Enttäuschung und Verärgerung”. “Jetzt macht sich auch zusätzlich noch Angst breit”, sagte er. Die nach den Verhandlungen der vergangenen Tage und Wochen entstandenen Hoffnungen seien mit einem Schlag zerstört worden.

Tengelmann-Eigentümer Haub hatte erklärt, mit der Zerschlagung zunächst für das Kaiser’s-Filialnetz der Vertriebsregion Nordrhein beginnen zu wollen. Die “Verwertungsphase” der Vertriebsregionen München und Berlin solle zeitverzögert starten. Vor allem in den vorwiegend in Nordrhein-Westfalen gelegenen Filialen wird mit dem Verlust von mehreren tausend Jobs gerechnet.

Hintergrund der seit Wochen laufenden Verhandlungen zur Rettung der Jobs von Kaiser’s Tengelmann waren die Klage der Konkurrenten Rewe und Markant gegen die geplante Übernahme durch Marktführer Edeka. Doch hatten auch zwei Krisengipfel zwischen den Chefs von Tengelmann, Edeka und Rewe sowie Vertretern der Gewerkschaft Verdi keine Lösung gebracht. Bei einem Treffen in der vergangenen Woche hatten sich die Beteiligten eine Frist bis zum 17. Oktober gesetzt, um zu einer Lösung zu kommen, bevor doch am Donnerstagabend überraschend das Ende der Gespräche erklärt wurde.

Rewe spielt eine Schlüsselrolle bei den Gesprächen. Der Edeka-Konkurrent sowie Norma und Markant hatten gegen eine Ministererlaubnis zur Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka geklagt. Damit hatte der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ein Veto des Bundeskartellamts gegen die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka ausgehebelt.

Edeka konnte wegen der Klagen Kaiser’s Tengelmann nicht wie geplant übernehmen. Die wirtschaftliche Lage der Supermarktkette hatte sich in den vergangenen Wochen zunehmend verschlechtert. In Krisentreffen war versucht worden, doch noch eine Lösung zur Rettung von Kaiser’s Tengelmann zu finden. Dafür hätten Rewe, Markant und Norma die Klagen zurückziehen müssen.

Von: APA/dpa

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