Der aus Österreich entsandte EU-Budgetkommissar Johannes Hahn

Nord Stream könnte wieder gedrosselt liefern: Hahn skeptisch

Dienstag, 19. Juli 2022 | 17:56 Uhr

Die Wiederaufnahme des Gasflusses durch die derzeit in Wartung befindliche russisch-deutsche Pipeline Nord Stream 1 liegt in der Schwebe. Angeblich könnte nach der Wartung wieder Gas fließen, aber nicht in vollem Ausmaß, zitierte Reuters am Dienstag zwei mit der Sache vertraute Personen. Österreichs EU-Kommissar Johannes Hahn zeigte sich indes skeptisch, ob es zum neuerlichen Betrieb kommt. Die EU-Kommission bereitet sich auf alle Szenarien vor. Der Gaspreis sank am Dienstag.

Zwei Tage vor dem planmäßigen Ende der jährlichen Nord-Stream-1-Wartung sah die Brüsseler Behörde auch die Möglichkeit, dass die Gaslieferungen durch die Ostsee-Pipeline am Donnerstag nicht wieder aufgenommen würden, sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde am Dienstag.

Das “Wall Street Journal” (Dienstagsausgabe) hatte EU-Haushaltskommissar Hahn mit den Worten zitiert, dass die EU-Kommission von dieser Entwicklung ausgehe. “Wir arbeiten mit der Annahme, dass sie nicht wieder in Betrieb geht”, sagte Hahn demnach mit Blick auf Nord Stream 1 vor Journalisten in Singapur.

Angesprochen auf diese Äußerungen erklärte der Kommissionssprecher, der Gas-Notfallplan der Behörde für den Winter basiere auf der Möglichkeit, dass die Lieferungen aus Russland ganz ausblieben. “Wir stellen unsere Pläne zur Vorbereitungen auf den Winter auf die Grundlage des schlimmstmöglichen Szenarios.” Die EU-Kommission will am Mittwoch offiziell ihre Pläne veröffentlichen, wie die EU-Staaten die Gasnachfrage reduzieren und damit die Gefahr eines Gasmangels im Winter deutlich senken können. Einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden ersten Entwurf für einen Gas-Notfallplan zufolge ist unter anderem vorgesehen, Unternehmen mit finanziellen Anreizen zur Senkung des Gasverbrauchs zu bringen.

Laut den Insidern wolle Russland seine Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 am Donnerstag nach einer Wartungsunterbrechung wieder aufnehmen – wenn auch in reduziertem Umfang. Die Pipeline solle ihren Dienst wieder beginnen, werde dies aber nicht in voller Auslastung tun, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Der russische Gasmonopolist Gazprom hatte die Kapazität der Lieferungen durch Nord Stream 1 bereits im vergangenen Monat auf 40 Prozent beschnitten und dies auf die Wartung einer Turbine zurückgeführt. “Sie (Gazprom) werden zu dem vor dem 11. Juli gesehenen Niveau zurückkehren”, sagte nun einer der Insider. Durch Nord Stream 1 war in der Vergangenheit mehr als ein Drittel der russischen Gasexporte in die Europäische Union geleitet worden.

Am 11. Juli war der Gasstrom durch die Pipeline für eine Wartung unterbrochen worden. Deren Ende wird für den Donnerstag erwartet. Dann werde wieder Gas fließen, sagten nun die beiden mit den Plänen für den russischen Gasexport vertrauten Insider. Gazprom und die Betreiber der Pipeline wollten sich zunächst nicht äußern.

Die Europäische Kommission hatte zuvor mit Blick auf die Pipeline und die Frage künftiger Lieferungen erklärt, sie bereite sich auf alle Szenarien vor, auch auf ein Ausbleiben der Lieferungen nach der Wartung. Im vergangenen Monat hatte Russland die Durchflussmenge bereits auf 40 Prozent der Gesamtkapazität der Pipeline reduziert und dies mit der verspäteten Rückgabe von in Kanada gewarteten Anlagen begründet. Kanzler Olaf Scholz hatte technische Gründe für die Drosselung als vorgeschoben bezeichnet und Russland vorgeworfen, Gaslieferungen als politische Waffe einzusetzen.

Der Preis für europäisches Erdgas ist am Dienstag indes gefallen. Das führten Händler auf den zitierten Bericht zurück. Der in London gehandelte Terminkontrakt TTF für niederländisches Erdgas zur Lieferung im August sank zuletzt auf 154 Euro für eine Megawattstunde. Gegenüber dem Vortag entsprach dies einem Minus von rund 3 Prozent. Niederländische Terminkontrakte gelten in Europa als eine Art Benchmark im Erdgashandel. Die Furcht vor einem Stopp der Gaslieferungen aus Russland hatte den Preis für europäisches Erdgas Anfang Juli auf gut 186 Euro getrieben.

Zuletzt dominierte am Gasmarkt die Befürchtung, dass Russland Nord Stream 1 wegen des Ukraine-Kriegs und der westlichen Sanktionen nach den Wartungsarbeiten nicht wieder in Betrieb nehmen könnte. Europa will deshalb Gasimporte aus Ländern außerhalb Russlands auszuweiten. Durch die Pipeline Nord Stream 1 wurden vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas von Russland nach Deutschland transportiert.

Von: APA/Reuters/dpa-AFX

Kommentare

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3 Kommentare auf "Nord Stream könnte wieder gedrosselt liefern: Hahn skeptisch"


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Faktenchecker
20 Tage 4 h

Holz hacken, Freunde!

https://youtu.be/wjXUBG15eZ8

Faktenchecker
20 Tage 1 h

Die wird wieder auf 40% gedrosselt werden.

Doolin
Doolin
Kinig
19 Tage 21 h

…wenn sie die Turbine zurück haben, pumpen sie Gas woanders hin…

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