Economic Symposium

Notenbanken mit gemeinsamem Ziel: Zins rauf, Teuerung runter

Freitag, 19. August 2022 | 15:13 Uhr

Die Inflation muss schleunigst unter Kontrolle gebracht werden: In diesem Ziel sind Währungshüter und Vertreter der Finanzelite aus aller Welt vereint, wenn sie sich nächste Woche in Jackson Hole zum jährlichen Economic Symposium treffen. Die von der Federal Reserve Bank of Kansas City seit 1978 ausgerichtete Konferenz wird heuer mit besonderer Spannung verfolgt. Denn fast alle großen Zentralbanken erhöhen kräftig die Zinsen, um die Inflation in Schach zu halten.

Allen voran die US-Notenbank Fed, deren Präsident Jerome Powell am kommenden Freitag am zweiten Tag der Konferenz im US-Bundesstaat Wyoming spricht. Die US-Notenbank hat seit der Zinswende im März das geldpolitische Niveau stetig erhöht und so auf die Spanne von 2,25 bis 2,50 Prozent gehievt. Das Stakkato erreichte im Sommer mit einem Doppelschlag von jeweils 0,75 Prozentpunkten seinen vorläufigen Höhepunkt. Nun rätseln die Finanzmärkte, ob am 21. September ein weiterer Paukenschlag folgt, oder die Fed mit einer Erhöhung um einen halben Prozentpunkt ein langsameres Tempo anschlagen wird. Ökonomen der Deutschen Bank sehen den Auftritt Powells in Jackson Hole als “zentrales Ereignis”, das neben den im September anstehenden US-Arbeitsmarkt- und Inflationszahlen Aufschluss über den weiteren Kurs der US-Notenbank geben dürfte.

Powell hat signalisiert, dass noch ein großer Zinsschritt folgen könnte. Doch will er sich nicht im Voraus festlegen, sondern die Entscheidung von der Datenlage abhängig machen. Die Fed will erreichen, dass die Inflation nachhaltig sinkt. Im Juli ebbte sie bereits leicht ab, auch wenn die Teuerungsrate von 8,5 Prozent noch meilenweit über dem Ziel der Zentralbank von 2,0 Prozent liegt. Sollte der August ein weiteres Abklingen des Preisauftriebs bringen, könnte die Fed womöglich auf ein langsameres Tempo bei den Zinserhöhungen wechseln.

Diese Marschrichtung sei auch aus den Protokollen der Zinssitzung der US-Währungshüter vom Juli herauszulesen, meint Konstantin Oldenburger, Marktanalyst vom Brokerhaus CMC Markets: “Sie deuteten an, dass sich das Tempo der Anhebungen verlangsamen könnte, wenn die Wirtschaftsdaten einen solchen Schritt unterstützen.”

Dabei strebt die Fed zudem eine weiche Landung an – sprich, eine geldpolitische Straffung, mit der die Konjunktur nicht abgewürgt wird. Die USA sind bereits in eine technische Rezession gerutscht – also zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung in Folge. Ob der Fed das Kunststück gelingen wird, den Preis des Geldes immer weiter hochzutreiben und dabei den Konjunkturmotor nicht abzuwürgen, ist eine offene Frage: “Meine Antwort darauf lautet, ich weiß es nicht”, räumte der Chef des Fed-Bezirks Minneapolis, Neel Kashkari, jüngst ein. Doch klar sei, dass die Inflation schleunigst nach unten gebracht werden müsse.

Diesem Ziel hat sich auch die Europäische Zentralbank (EZB) verschrieben, denn in der Eurozone eilt die Inflation von Rekord zu Rekord. Angetrieben durch hohe Energie- und Lebensmittelpreise infolge des Ukraine-Kriegs lag die Teuerung im Juli bei 8,9 Prozent. Die EZB hat die Zinswende im vorigen Monat mit einer überraschend kräftigen Anhebung um einen halben Punkt auf 0,50 Prozent eingeleitet – die erste Erhöhung des geldpolitischen Schlüsselsatzes seit elf Jahren.

Die nächste Sitzung des EZB-Rats findet kurz nach dem Symposium am 8. September statt. Investoren rechnen damit, dass ein zweiter kräftiger Zinsschritt ansteht. Im Fokus steht daher auch der Auftritt von EZB-Direktorin Isabel Schnabel in einer Diskussionsrunde in Jackson Hole. Neben ihr werden mehrere Notenbank-Chefs aus Eurostaaten vor Ort sein, darunter Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. EZB-Chefin Christine Lagarde wird voraussichtlich heuer nicht mit von der Partie sein.

Schnabel hat zum Zinskurs deutliche Signale gesendet. Die Inflationsaussichten hätten sich seit Juli nicht verbessert, sagte die deutsche Ökonomin der Nachrichtenagentur Reuters: “Im Juli entschieden wir uns für eine Anhebung um 50 Basispunkte angesichts des Inflationsausblicks. Im Moment denke ich nicht, dass sich dieser Ausblick grundlegend geändert hat.” Sie schloss zudem nicht aus, dass die Inflation kurzfristig noch weiter steigen könnte. An den Finanzmärkten wurden die Aussagen ziemlich eindeutig interpretiert. “Das Fazit lautet, es ist vorerst unwahrscheinlich, dass die EZB umschwenkt und dass eine Erhöhung um 50 Basispunkte im September das wahrscheinlichste Ergebnis bleibt”, so Frederik Ducrozet, Chefkonjunkturanalyst beim Schweizer Vermögensverwalter Pictet.

Auch jenseits des Ärmelkanals stehen die Zeichen auf Zinserhöhung. Die Notenbank in London hatte sich jüngst zum größten Zinsschritt seit 27 Jahren durchgerungen und den geldpolitischen Schlüsselsatz um einen halben Punkt auf 1,75 Prozent erhöht. Sie steht weiter unter Zugzwang, da die Teuerungsrate zuletzt sogar die Schallmauer von zehn Prozent durchbrach. Und ein weiterer Anstieg gilt wegen der absehbar steigenden Heizkosten im Zuge der Energiekrise als sehr wahrscheinlich.

Die Bank of England (BoE) befürchtet, dass die Wirtschaft in eine tiefe Rezession rutschen und die Inflation im Oktober die Schwelle von 13 Prozent überschreiten wird. Die BoE dürfte laut dem Analysten Craig Erlam vom Brokerhaus Oanda am 15. September kräftig draufsatteln: “Nach den jüngsten Inflationsdaten ist eine Zinserhöhung um mindestens einen halben Prozentpunkt wahrscheinlich ausgemachte Sache.”

Von: APA/Reuters

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2 Kommentare auf "Notenbanken mit gemeinsamem Ziel: Zins rauf, Teuerung runter"


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berthu
berthu
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

diese tollen Währungshüter und Vertreter der Finanzelite aus aller Weltverzapfen einen Bankrott nach dem anderen.
Was studieren die eigentlich, daß solche Fehlentscheidungen und Folgen für die Bürger passieren?
Es regieren nur mehr Spekulanten.

Marco schwarz
Marco schwarz
Superredner
1 Monat 12 Tage

Tja, und die geschröpften sind die Hausbauer, die in den letzten Jahren gebaut haben, da die Zinsen tief, und zur Wirtschaft wesentlich beigetragen haben. Jetzt, hinter dem Deckmantel von Corona und Ukraine werden genau die in den Sumpf gezogen

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